Medien machen in Fakenews-Zeiten, Teil 29

Wie eine 0,02-Prozent-Bewegung sich die Meinungshoheit in der Demokratie ertrollt

Für alle LeserGehören Sie auch zu den Leuten, die das Gefühl haben, dass alles immer schlimmer wird? Die nach einem Tag am Smartphone denken, dass dieses Land und seine Bewohner längst auf dem wilden Marsch in eine neue Diktatur sind? Oder in Anarchie oder irgendeine andere Art Weltuntergang? Dann hat das einen Grund. Denn zu nichts eignen sich die sogenannten „sozialen Netwerke“ besser als dazu, die Gesprächskultur einer ganzen Gesellschaft zu zerstören. Wer die Meinungshoheit kapert, bestimmt den politischen Ton.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet auf jetzt.de über eine neue Studie, die quasi als „Abfallprodukt“ der #ichbinhier-Initiative entstanden ist. Das ist die Gruppe engagierter Internet-Nutzer, die versucht mit durchdachten, abgewogenen und klugen Kommentaren den Hass-Kampagnen im Internet etwas entgegenzusetzen. Oft genug mit Erfolg. Denn die 40.000 Gruppen-Mitglieder entschärfen überschwellende Diskussionen durch beharrliches Insistieren, Nachfragen, Fakten und ruhige Seiten-Moderation – das, was die Moderatoren großer, reichweitenstarker Medien oft nicht machen. Oft genug wird dort dann einfach die Kommentarspalte ausgeschaltet, der Rest entlädt sich oft unwidersprochen in den sozialen Netzwerken.

Aber das macht die Sache ja nicht besser, weil ja trotzdem der Eindruck bleibt, dass immer mehr Menschen Positionen von Menschenfeindlichkeit einnehmen.

Und auch bei demokratischen Politikern hat sich der Eindruck verfestigt, dass der Anteil menschenfeindlicher und demokratiefeindlicher Positionen unermesslich gewachsen ist. Und sie übernehmen den Quatsch auch noch.

Aber die Mitstreiter von #ichbinhier haben schon vor geraumer Zeit gemerkt, dass die meisten Hass-Kampagnen im Internet immer wieder von denselben Profilen aus gestreut werden.

Gemeinsam mit dem Londoner „Institute for Strategic Dialogue“ (ISD) hat die #ichbinhier-Initiative die Studie „Hass auf Knopfdruck“ veröffentlicht, die rechtsextreme Hasskampagnen im Netz untersucht, meldet jetzt.de. „1,6 Millionen Beiträge wurden dafür auf Facebook und Twitter Deutschland zwischen Februar 2017 und Februar 2018 analysiert. Die Auswertungen zeigen, wie klein die Troll-Armee ist – und wie viel Macht sie trotzdem über uns hat. (…)

‚Die Studie war mehr ein Abfallprodukt‘, erklärt Alex Urban, Leiter der #ichbinhier-Initiative. Nach einigen Aktionen sei ihnen aufgefallen, dass die Kommentare immer von den gleichen Profilen kommen und nach wenigen Minuten riesige Likezahlen haben. Der Analyst und IT-Experte Philip Kreißel, der ebenfalls bei #ichbinhier aktiv ist, ist dem schließlich nachgegangen.“

Wie eine im Vergleich zu 31 Millionen deutschen Facebook-Nutzern geradezu winzige Gruppe von 5.500 Nutzern es schafft, die komplette Diskussion über die Themen der Gegenwart an sich zu reißen und mit ihren rechtsradikalen Thesen zu dominieren, wird im Beitrag recht ausführlich geschildert.

Auch wenn man sich bei #ichbinhier nicht wirklich klar ist, was man dagegen tun kann. Denn eigentlich ist es ja ein fortlaufendes Zerstörungswerk am elementaren Kern unserer Demokratie, das da betrieben wird. Denn wem es gelingt, die gesellschaftlichen Diskussionen an sich zu reißen und den Eindruck zu erwecken, dass alle Leute ringsum nur noch in den Frames der Neuen Rechten denken und argumentieren, der sorgt dafür, dass die Stimmung im ganzen Land kippt.

Dann dominieren diese Thesen überall und der nachdenkliche Mensch, der nach den Fakten fragt, fasst sich an den Kopf. Denn augenscheinlich werden dann selbst Politiker zu Getriebenen und lassen sich von den rechtsradikalen Trollen zu einer Politik treiben, die zur NPD passt, aber nicht zu bürgerlichen oder sozialdemokratischen Parteien.

Was natürlich dazu gehört, ist das Wissen darum, dass diese faschistische Methode, mitten in einer Demokratie die Deutungshoheit zu erlangen, Geschichte hat.

Etwas, was die ehemalige Außenministerin der USA Madeleine Albright in ihrem neuen Buch „Faschismus. Eine Warnung“ thematisiert. Sie hat sich eingehend mit dem Weg der großen Faschisten an die Macht beschäftigt. Und im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ sagt sie etwas ganz Entscheidendes, denn gerade heutigen Politikern scheint es völlig entgangen zu sein, WIE Leute wie Hitler und Mussolini und ihre Brüder im braunen Geiste damals an die Macht kamen.

Madeleine Albright: „Mussolini sagte einmal, wenn wir beim Hühnchen-Rupfen eine Feder nach der anderen ausreißen, ist der Lärm insgesamt nicht so groß. Man hört nur kleine Schreie. Das ist es, worüber ich schreibe. Der Faschismus wirkt innerhalb eines Systems. Seine Anhänger untergraben die Demokratie und die demokratischen Institutionen, verunglimpfen die Presse und machen die Fremden oder Migranten als Schuldige für die jeweilige schlechte wirtschaftliche Situation aus. Man setzt auf den Angstfaktor, nicht auf den Hoffnungsfaktor. Und ein Schritt führt hier zum anderen.“

Und der Faschismus wurde 1945 nicht wirklich besiegt, auch wenn das gern so in Geschichtsbüchern geschrieben steht. Man hat ein faschistisches Regime besiegt. Aber der faschistische Geist verschwand nie wirklich, auch nicht in Deutschland. Er suchte sich seine Nische. Und seine Vor-Denker entwickelten neue Formen, ihre Art des menschenverachtenden Denkens auf neue Weise „unters Volk“ zu bringen.

Und das Aufkommen der „social media“ bot die Ideale Plattform dafür, denn diese Netzwerke entmachteten zum einen die klassischen Medien als wichtigste Plattformen der Meinungsbildung, die Diskussionen wanderten in die Netzwerke ab. Und dort gewannen natürlich jene Leute die Dirigentenrolle, die die Methoden der Gesprächsmanipulation am besten beherrschten. Und die Methoden, die jetzt.de am Beispiel des „Handbuchs für Medienguerillas“ beschreibt, funktionieren.

Ein winziges Häuflein rund um die Uhr aktiver Akteure des neurechten Spektrums genügt, um die Diskussionen im Netz und in den Kommentarspalten der großen Medien an sich zu reißen und zu bestimmen.

Der Autor merkt zwar an, dass das Abschalten der Kommentarspalte die dümmste Methode ist, dem zu begegnen. Aber es gibt noch eine viel dümmere, die leider bei all diesen großen Medien lange Zeit der Normalzustand war: Sie haben die aus dem Ruder laufende Diskussion einfach so laufen lassen und eben nicht moderiert und gegengehalten.

Die Verantwortlichen in diesen Häusern haben diese Art des rechten Trollens mit Reichweite und Aufmerksamkeit verwechselt. Und sie haben nicht registriert, dass gerade diese Flut der rechten Parolen dazu geführt hat, dass ihnen alle seriösen, kritischen und demokratisch denkenden Nutzer und Kommentatoren verloren gegangen sind. Sie blieben einfach weg und wurden vergrämt.

Natürlich geraten alle Diskussionen, in denen nur noch rechte Trolle sich gegenseitig bestätigen, völlig aus dem Gleis.

Und zumindest ist Fakt, dass Facebook & Co. da nicht gegenhalten können. Wer soll diese Fluten in den „sozialen Netzwerken“ denn moderieren? Wen würde das überhaupt noch erreichen, wenn schon die Algorithmen dafür sorgen, dass rechtsradikale Kampagnen (auch aufgrund ihres bewusst eingesetzten Provokationspotenzials) besonders viel Aufmerksamkeit bekommen und deswegen auch bevorzugt weiterempfohlen werden?

Aber vielleicht ist das der notwendige Anfang, dass auch die bislang oft so ratlos operierenden großen Medien, die die fremdenfeindlichen Kampagnen oft aus reiner Gier nach Reichweite noch zusätzlich bestärkt haben, aufmerksamer werden auf das, was die Neuen Rechten da treiben. Denn die weltweit bestens vernetzten Akteure arbeiten intensiv daran, ihre Themen zu setzen und damit die gesamte politische Agenda zu deformieren.

Wir empfehlen den Beitrag auf jetzt.de und das Interview mit Madeleine Albright einfach weiter.

Medien machen in Fakenews-Zeiten.

Zurück in die Zukunft: Kulturkampf von Rechts

Medien machen in Fakenews-Zeiten
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
2 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Warum eine Aufarbeitung der Treuhand allein die Probleme des Ostens nicht lösen kann
Abbruch Ost - hier in Leipzig-West. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserWerden sich Linke und SPD jetzt darüber zerstreiten, ob das ostdeutsche Dilemma nun an der Treuhand liegt oder nicht? Auf eine Forderung der Linkspartei für einen weiteren Untersuchungsausschuss zur Treuhand reagiert jetzt Martin Dulig, Ostbeauftragter der SPD und Vorsitzender der SPD Sachsen. In einem Punkt stimmt er der Linken sogar zu: „Wir brauchen eine Aufarbeitung der Nachwendezeit.“
Grüne sind skeptisch: Werden Menschen mit Behinderung im Asylverfahren tatsächlich so versorgt, wie es nötig wäre?
Blick über die damalige Asylunterkunft auf dem Messegelände Leipzig. Foto: Alexander Böhm (Archiv)

Foto: Alexander Böhm (Archiv)

Für alle LeserEs ist nur eins von vielen Themen die beleuchten, wie Sachsen mit den Menschen umgeht, die im Freistaat Asyl beantragen und dabei meist mehr Hilfe benötigen als nur ein Dach über dem Kopf. Gerade jene Menschen aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern bringen einen Rucksack voll psychischen Belastungen mit. Aber kümmert sich die Landesregierung überhaupt darum? Oder verwahrt sie diese Menschen nur? Eine Ministerantwort verärgert jetzt die Grünen.
Verdrängung junger Familien kann nicht das Ziel der Leipziger Wohnungspolitik sein
Tom Pannwitt, Stadtratskandidat der SPD. Pressefoto: Tom Pannwitt

Pressefoto: Tom Pannwitt

Für alle LeserAm 22. April veröffentlichte die LVZ mal wieder so ein Interview, in dem suggeriert wurde, dass Städte wie Leipzig ja eigentlich gar keine so großen Wohnungsprobleme haben. Man hatte das Vorstandsmitglied des Verbandes der sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger, interviewt. Und aus der Perspektive der Wohnungsgenossenschaften, so Viehweger, gäbe es gar keine Wohnungsnot. Tom Pannwitt, Stadtratskandidat der SPD, widerspricht vehement.
Wie ausgewogen war eigentlich das Vorwahl-Programm von ARD und ZDF 2017?
Prof. Dr. Gabriele Hooffacker und Prof. Dr. Marc Liesching von der HTWK Leipzig. Foto: HTWK Leipzig

Foto: HTWK Leipzig

Für alle LeserKann man eigentlich messen, wie ausgewogen Fernsehsender über das politische Geschehen im Land berichten? Immerhin war das ein gewaltiges Thema zur Bundestagswahl 2017. Nach der Bundestagswahl 2017 gerieten die öffentlich-rechtlichen Sender einmal wieder stark in die Kritik. Diesmal von der anderen Seite, vehementen Kritikern, die die thematische Ausgewogenheit im Wahlkampf vermissten. Eine Leipziger Studie versucht dem jetzt auf den Grund zu gehen. Und scheitert.
Leipzig plant, sieben Grundstücke aus Bundesbesitz zu kaufen und prüft Dutzende weitere
Auch in der Rosa-Luxemburg-Straße bietet das BImA unbebaute Flächen zum Verkauf an. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDen Städten in Deutschland fehlen die großen Grundstücke, um wichtige Infrastrukturprojekte voranzutreiben. Worauf der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 21. März 2012 reagierte. Damals beschloss er eine „Erstzugriffsoption“ für die Kommunen auf Grundstücke aus Bundesbesitz, die zum Verkauf stehen. Das ist auch für Leipzig eine echte Option.
Am 27. April und 2. Mai im Schauspiel Leipzig: Nacht ohne Sterne
Nacht ohne Sterne. Quelle: Schauspiel Leipzig

Quelle: Schauspiel Leipzig

Wir leben in einer Welt, in der der Verlust des Kindergartenplatzes eine existenzielle Bedrohung darstellt. Mit dieser schlaglichtartigen Erkenntnis beginnt Bernhard Studlar seine Reise durch die Nacht in einer nicht näher benannten Großstadt, in der eine Reihe schillernder Figuren aufeinanderstoßen.
Grüne und NABU laden ein zur Demonstration gegen Grünschwund und Artensterben in Leipzig
Baumfällung in Connewitz. Archivfoto: Ralf Julke

Archivfoto: Ralf Julke

Für alle LeserDer 25. April ist eigentlich der Tag des Baumes. Aber Sachsen ist ein Land, in dem Bäume kaum Schutz genießen. Mit der Abschaffung der alten Baumschutzsatzung sind in den Städten tausende Bäume ersatzlos gefällt worden. Mit der Verdichtung Leipzigs verschwinden auch grüne Brachen und wertvolle Gehölze. Zum Internationalen Tag des Baumes ruft deshalb ein breites Aktionsbündnis zur Demonstration gegen den Grünschwund und das Artensterben in Leipzig auf.
Gibt es auch die LVZ bald nur noch online?
LVZ-Sitz am Peterssteinweg. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Das Jahr 2019 wird bitter“, schrieb Markus Brauck am 26. Februar in einem Kommentar auf „Spiegel Online“, in dem er sich mit den jüngsten Hiobsbotschaften vom deutschen Zeitungsmarkt beschäftigte. Kurz zuvor geisterte die Nachricht durchs Land, Dumont wolle seine Lokalzeitungen verkaufen. Eine Nachricht, die DuMont eher zurückhaltend dementierte.
Uraufführung „Mädchenmonstermusik“ Clara Schumann Wunderkind feiert am 4. Mai Premiere
Theater der Jungen Welt. Foto L-IZ.de

Foto L-IZ.de

Wunderkind, Romantik-Popstar, Powerfrau, Teenie in Love und Papatochter. Das TdJW zeigt das Lebens-Universum der jungen Clara Schumann-Wieck! Was es dafür braucht: Eine Showbühne, einen Flügel und fünf Claras!
Dem bedrohten Eschen-Scheckenfalter geht in der Elster-Luppe-Aue der Lebensraum verloren
Mittelwald-Bewirtschaftung im Luppe-Gebiet. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Problem beim Artensterben ist: Es geht ganz still vor sich. Die verschwindenden Arten hinterlassen keine Abschiedsbriefe. Sie pflanzen sich einfach nicht mehr fort, wenn ihr Lebensraum verschwindet. Und die Anwohner wissen oft nicht mal, wer da Seltenes in ihrer Nachbarschaft lebte. So wie der Eschen-Scheckenfalter, dessen letztes Vorkommen in Mitteldeutschland gerade schmilzt. Es liegt im eigentlich streng geschützten Naturschutzgebiet Leipziger Auensystem.
Linksfraktion beantragt Aufstellungsbeschlüsse zu den Leipziger Gebieten mit Erhaltungssatzung
Biedermannstraße in Connewitz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAls Leipzigs Stadtverwaltung Anfang März ihre Befragung zur sozialen Erhaltungssatzung startete, war man in der Linksfraktion ein wenig entsetzt. Denn noch im September 2018 hatte die Vorlage des Dezernats Stadtentwicklung und Bau mehrere dutzend Stadtgebiete festgestellt, in denen der Verdrängungsdruck heute schon groß ist, wo die Stadt also dringend handeln muss, um die Verdrängung finanziell schwächerer Bewohner zu verhindern.
Lesepicknick im Clara-Park, ein geschenkter Drache und die Freuden des (Vor-)Lesens
Vorlesen auf der Lesewiese. Foto: LeseLust e.V.

Foto: LeseLust e.V.

Für alle LeserBevor wir es vergessen: Am heutigen 23. April ist natürlich auch wieder Welttag des Buches. Tausende Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen bieten zum Welttag des Buches etwas Besonderes an. Und rund 1 Million Mädchen und Jungen bekommen in diesem Jahr zum Welttag des Buches den Fantasyroman „Der geheime Kontinent“ des Kinderbuchautors THiLO, mit Illustrationen von Timo Grubing, geschenkt.
Wenn sieben Menschen ihr ganzes Geld zusammenschmeißen: Finanzcoop oder Revolution in Zeitlupe
FC-Kollektiv: Finanzcoop oder Revolution in Zeitlupe. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserUnsere Welt ist nicht so, weil Menschen dumm sind und besessen davon, eine Müllhalde zu hinterlassen, wenn sie abtreten. Sie ist so, weil keiner den Zwängen entkommen kann, weil eine zur furiosen Marktkonformität zwingende Gesellschaft jede Form des Andersmachens fast unmöglich macht. Obwohl sich viele Menschen danach sehnen. Und manche haben dann auch den Mut, etwas anderes zu probieren. Zum Beispiel eine Finanzkooperative zu gründen.
Die zwiespältigen Zahlen aus der Sanktionspraxis der deutschen Jobcenter 2018
Kassensturz, schön übersichtlich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 10. April veröffentlichte die Bundesarbeitsagentur eine Meldung, die das ganze falsche Denken in der Sanktionspraxis vor allem gegenüber jungen Arbeitslosen deutlich machte: „Die Jobcenter mussten im letzten Jahr 904.000 Sanktionen gegen erwerbsfähige Leistungsberechtigte (sog. ‚Hartz IV-Empfänger‘) aussprechen. Die Zahl der Leistungsminderungen ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 49.000 gesunken“, las man da. Acht Tage später meldete unter anderem der „Spiegel“: Viele Sanktionen sind unrechtmäßig.
Gerade mit Parks und Naherholung sind die Leipziger zufrieden, aber die Zustimmungswerte sinken
Zufriedenheitswerte der Leipziger. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserWer die jährlichen Leipziger Bürgerumfragen liest, der merkt nicht nur, dass verschiedene Alterskohorten in völlig verschiedenen Welten leben und deshalb völlig unterschiedliche Probleme als wichtig wahrnehmen. Der kann auch nachlesen, warum eigentlich junge Leute zwischen 18 und 25 nach Leipzig kommen und hier versuchen, einen Berufsstart zu wagen.