Es gibt seit Mai 2023 eine kostenfreie und Open-Source Transkriptionssoftware namens „noScribe“. Diese wurde von Kai Dröge, Dozent an der Hochschule Luzern, entwickelt. Die Software zeichnet sich nicht nur durch die Qualität der Transkriptionen aus, sie ist auch datenschutzkonform im Einsatz. Obwohl sie KI-basiert ist, wird sie auf den eigenen PC heruntergeladen und arbeitet dort, auch ohne Internetverbindung. Im Gegensatz zu den im Netz zu findenden online-Lösungen ist „noScribe“ auch für Journalisten und andere Berufsgruppen problemlos einsetzbar.

Warum schreibe ich das?

Ich selbst nutze die Software, die mir empfohlen wurde, seit fast zwei Jahren und habe sie selbst weiterempfohlen. Wer den Namen des Produkts nicht kannte, fand es schwer, „noScribe“ versteckte sich in der Google-Suche zwischen vielen kostenfreien Transkriptionsprogrammen. Das hat sich inzwischen, aufgrund der vielen Empfehlungen, geändert. Der Name „noScribe“ ist in vielen Kreisen bekannt geworden.

Der Produktname

Auf github.com/kaixxx/noScribe, dort kann man die Software herunterladen, schreibt der Entwickler Kai Dröge zur Genese des Namens „noScribe“:

„The urban dictionary defines scribe as “a person whose entire miserable existence has been reduced to academic grunge and pain”. I hope this software will make your academic life a little less painful and grungy, hence the name noScribe.“

Zu Deutsch: „Das Urban Dictionary definiert ‚Scribe‘ als ‚eine Person, deren gesamte erbärmliche Existenz sich auf akademischen Schmutz und Schmerz reduziert hat‘. Ich hoffe, dass diese Software Ihr akademisches Leben ein wenig weniger schmerzhaft und schmutzig macht, daher der Name noScribe.“

Auf diese Genese komme ich später zurück.

Was ist passiert?

Vor einigen Wochen schaute ich auf die Produktseite, vielleicht gab es ja ein neues Release, und entdeckte eine Warnung.

noScribe-Warnung auf GitHub. Screenshot: LZ
noScribe-Warnung auf GitHub. Screenshot: LZ

„Jemand hat die Domain noscribe(dot)ai registriert, um Transkriptionsdienste zu verkaufen. Halten Sie sich von dieser Plattform fern, ich habe nichts damit zu tun. Das echte noScribe ist kostenlos und wird es auch immer bleiben. Dies ist offensichtlich ein Versuch, von der Popularität meiner Software und dem Ruf, den sie sich über die Jahre erworben hat, zu profitieren. Sehr traurig.“

Sucht man jetzt bei Google nach „noScribe“, dann sieht man folgendes Ergebnis.

noscribe in der Google-Suche. Screenshot: LZ
noscribe in der Google-Suche. Screenshot: LZ

Ich habe mich mit Kai Dröge in Verbindung gesetzt und nachgefragt. Meine Fragen waren: Können Sie die Warnung so bestätigen? Haben oder werden Sie gegen den Betreiber rechtliche Schritte einleiten?

Kai Dröge hat auch umgehend geantwortet.

Zur ersten Frage: Ja, leider ist das zutreffend, sehr ärgerlich. Wie ich eben erst gesehen habe, ist noscribe.ai inzwischen sogar im Google-Ranking über meine eigene Software gerutscht. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich überlege, ob ich mit einer eigenen Domain diesen Spitzenplatz zurückgewinnen kann, ich bin leider kein Experte in Search Engine Optimization.

Die Frage nach rechtlichen Schritten beantwortete er mit: Rechtliche Handhabe gibt es wohl nicht für mich; ich habe keine Wortmarke registriert oder so. Das ist schade, aber gerade im Open-Source-Bereich denken Entwicklerinnen und Entwickler oft nicht an solche Problematiken. Sie wollen, dass ihre Lösungen funktionieren und das Produkt in die Welt kommt.

Reaktion des Betreibers von noscribe.ai

Kai Dröge teilte weiter mit: „Tatsächlich hat mich ‚Faheem‘, die Person hinter noscribe.ai, kontaktiert, nur wenige Tage nachdem ich den Hinweis auf meinem GitHub Repository eingefügt habe (E-Mail: support@noscribe.ai).“

Er schickte mir auch Auszüge aus der Mail, ich habe diese ins Deutsche übersetzt.

„Ich bin heute auf Ihr Open-Source-Projekt noScribe gestoßen und habe in der Beschreibung des Repositorys einen Hinweis auf noscribe.ai entdeckt. Ich möchte hiermit klarstellen, dass noscribe.ai ein unabhängiger, cloudbasierter Transkriptionsdienst ist und in keiner Weise mit Ihrer Open-Source-Desktopanwendung in Verbindung steht. Wir verwenden weder Ihren Code noch Ihr Branding und geben auch nicht vor, mit Ihrem Projekt in Verbindung zu stehen.

Als die Domain registriert und das Produkt entwickelt wurde, war mir Ihr Repository und die bestehende Verwendung des Namens in diesem Zusammenhang nicht bekannt. Ich habe erst heute davon erfahren und verstehe, dass der gleiche Name bei einigen Benutzern Verwirrung stiften kann, insbesondere wenn sie ohne zusätzlichen Kontext darauf stoßen.

Es bestand keine Absicht, aus dem Ruf Ihres Projekts Kapital zu schlagen oder Nutzer irrezuführen. Wenn es dazu beiträgt, die Verwirrung zu verringern, füge ich gerne eine klare Erklärung zur Nichtzugehörigkeit auf unserer Website hinzu und bin offen für Gespräche über angemessene Möglichkeiten, um Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden.“

Kai Dröge hat bisher nicht darauf geantwortet.

Ist die Aussage von noscribe.ai glaubhaft?

Zum Ersten muss ich hier anmerken, dass auf der Webseite kein Impressum zu finden ist, ich hätte mich sonst mit dem Betreiber in Verbindung gesetzt. Bei Verwendung der Support-Adresse für eine Nachfrage weiß man ja nicht wen man erreicht.

Kommen wir zu dem Namen: Oben ist die Genese beschrieben, wie sie seit 2023 auf GitHub zu lesen ist. Der Name ist kein Begriff aus dem Transkriptionsbereich, somit ist Zufall fast 100 %ig auszuschließen. Wer einen Namen für ein Produkt sucht, sollte diesen zumindest schon einmal in eine Suchmaschine eingeben. Wenn man ihn dort schon findet, sollte man prüfen, ob dieser als Marke geschützt ist.

Wenn also der Betreiber der Webseite noscribe.ai nicht völlig naiv gehandelt hat, dann hat er eben das alles getan. Da der Name nicht geschützt ist, hat er ihn „gekapert“. Grund dafür dürfte die Reputation von „noScribe“ und Kai Dröge sein.

Fazit: Wie Kai Dröge schon festgestellt hat, sind rechtliche Schritte wohl aussichtslos. Als Journalist kann ich aber darüber schreiben und hoffen, dass der Artikel Aufmerksamkeit für das Problem schafft. Vielleicht stolpern dann doch weniger Menschen über den falschen Anbieter. Ich werde mit Kai Dröge in Verbindung bleiben und über weitere Entwicklungen berichten.

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