Leipziger Stadtjubiläum 2015: Merseburg ist die Mutter vieler mitteldeutscher Städte

"Merseburg ist die Mutter vieler mitteldeutscher Städte", sagt Leipzigs langjähriger Regierungspräsident Walter Christian Steinbach im L-IZ-Gespräch. So ist es auch bei Leipzig, dessen Ersterwähnung 1015 sich in der Chronik des Thietmar von Merseburg findet. "Die mitteldeutschen Regionen sollten mehr voneinander wissen", regt Steinbach weiter an.
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Leipzig feiert 2015 sein Stadtjubiläum. Dann ist es 1000 Jahre her, dass Leipzig in der Chronik des Thietmar von Merseburg erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Geistliche und Geschichtsschreiber war von 1009 bis 1018 Bischof in der nahen Saalestadt. Und deshalb sei laut Walter Christian Steinbach „Merseburg … die Mutter vieler mitteldeutscher Städte“, auch von Leipzig. Schließlich habe sich das damalige Bistum bis an die Mulde erstreckt. Und im Dom St. Johannes und St. Laurentius wurde Buch geführt, was sich in der Gegend so tat.

Der langjährige Leipziger Regierungspräsident Steinbach wirkt nun im Ehrenamt als Dechant der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstiftes Zeitz. Die Stifter sind als öffentlich-rechtliche Kulturstiftung organisiert. Der Dechant ist zugleich Vertreter der Stiftung nach außen und Dienstvorgesetzter der gut 40 Mitarbeiter.Die Aufgabe der Stifter besteht im Erhalt der Sakralbauten, deren Präsentation für Besucher und der Organisation von Sonderausstellungen, Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen. So findet im Merseburger Dom alljährlich die Immatrikulationsfeier der örtlichen Fachhochschule statt.

Zugleich haben die Domstifter das ideelle Patronat über die Domgymnasien in Merseburg und Naumburg inne. Das geistliche Leben in den Domen liegt in den Händen der evangelischen Domgemeinden.

2015 ist Jubiläumsjahr in Leipzig und MerseburgDas Leipziger Jubiläumsjahr 2015 ist auch ein Merseburger Jubiläumsjahr. „Ich hoffe sehr, dass wir 2015 in Merseburg eine Kommunalkonferenz mit dem Leipziger Oberbürgermeister als Gast durchführen“, blickt Steinbach schon einmal auf das Jahr voraus, in dem sich die Grundsteinlegung des Merseburger Domes zum 1000. Mal jährt.

Ab 2014 werde der Merseburger Dom in der Arbeit der Stifter ein wenig aus dem Schatten seines berühmteren Naumburger Pendants heraustreten. Die Grundsteinlegung des romanischen Doms vor 1000 Jahren steht 2015 im Mittelpunkt. Eine sachsen-anhaltinische Landesausstellung 2020 oder 2021 zum Jubiläum der Domweihe soll den Festreigen abschließen.

„Die mitteldeutschen Regionen sollten mehr voneinander wissen“, wirbt Steinbach für mehr Gemeinschaftsgeist zwischen Sachsen, Anhaltinern und Thüringern. Da kann die Geschichte helfen, die von den heutigen Grenzen im Ballungsraum Leipzig/Halle nichts wusste.Nachdem die Sachsenherzöge zu Königen und Kaisern aufgestiegen waren, gründeten sie zwischen Harz, Elbe und Saale verschiedene Bistümer, Burgen und Pfalzen.

Merseburg war einer dieser Orte: Erstmals wurde hier 968 von Kaiser Otto I., dem Großen, ein Bistum gegründet. Sein Nachfahr Heinrich II. unternahm 1004 den zweiten, dauerhafteren Versuch. Immer wieder fanden Hoftage in der Saalestadt statt.

Bistümer wie Merseburg und Naumburg gehörten zu den Säulen des ottonischen Reichskirchensystems, mit dem die Eingliederung der Territorien in das mittelalterliche Kaiserreich gewährleistet werden sollte. Das bedeutete Christianisierung und Germanisierung der Region und weitere Grenzverschiebung nach Osten – zu weiten Teilen gewaltsam.

Wie sehr dieser Prozess fortschritt, verdeutlicht die Verleihung des Stadtrechts an Leipzig im Jahre 1165. Die erfolgte durch Otto den Reichen, Markgraf von Meißen aus dem Geschlecht der Wettiner.

Kanal ist wesentliches Projekt der Regionalentwicklung

Jener Wettiner soll übrigens bereits die Idee eines Kanals gehabt haben, der Leipzig mit den großen Flüssen der Region verbindet. Für den bis heute unvollendeten Traum erwärmt sich auch Walter Christian Steinbach, der sich als Regierungspräsident sehr für die Gestaltung des Leipziger Neuseenlandes einsetzte.

„Ich habe dieses Thema nicht aus den Augen verloren“, sagt der heutige Domherr über die Vollendung des Elster-Saale-Kanals. „Ich halte diesen Kanal für ein wesentliches Projekt der Regionalentwicklung“, so Steinbach weiter. Es gelte, die Trasse frei zu halten und für politische Mehrheiten für das Projekt zu werben.

www.vereinigtedomstifter.de

Teil II des Gesprächs demnächst hier.

Zur Person: Walter Christian Steinbach ist Dechant der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstiftes Zeitz.

Der Lehrer und Theologe Walter Christian Steinbach, Jahrgang 1944, war von 1975 und 1985 Gemeindepfarrer in Rötha südlich von Leipzig, danach bis 1990 Studienleiter und Studiendirektor bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Steinbach wurde 1990 in den Sächsischen Landtag gewählt. Von 1991 bis 2010 arbeitete er als Regierungspräsident in Leipzig.


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