250. Geburtstag von Johann Gottfried Seume: Seume-Tag im Göschenhaus

Es ist eines dieser Jubiläen, die in Leipzig in diesem Jahr fast untergehen, weil sich alles auf Wagner, Völkerschlacht und Völkerschlachtdenkmal konzentriert. Am Dienstag, 29. Januar, jährt sich der Geburtstag Johann Gottfried Seumes zum 250. Mal. Wer auf seinen Spuren wandeln will, fährt in diesem Jahr besser nach Grimma. Da wird Seume am 26. und am 29. Januar geehrt.
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Leipzigs Problem ist immer wieder die Fülle seiner Jubilare. Worauf konzentriert man sich da? Und vor allem: Wer kümmert sich? – In den letzten Jahren hat sich die Stadt fast komplett auf ihre Musiktradition fokussiert. Da kümmern sich Vereine und Stiftungen. Da schießt die Stadt selbst Geld zu, um das Marketing zu verbessern. Und da die klassische Musikpflege in Deutschland nie abriss, sind all die Bach, Mendelssohn, Wagner und Schumann immer noch präsent beim Publikum. Da kommen die Touristen auch aus Fernost und Fernwest angereist, um einen Hauch dieser Tradition zu schnuppern.

In der Literatur gibt es eine solche Tradition nicht. Darüber kann auch das Gerede von der „Buchstadt“ nicht hinwegtäuschen. Kanonisiert sind – außer den beiden Leipzig-Kurzzeitbesuchern Goethe und Schiller – all die Autoren, die hier lebten und versuchten, Ruhm und Auskommen zu erlangen, auch nicht. Und die Comebacks – wenn es denn welche gibt – sind flüchtig. Wie das von 2010, als kurzzeitig auch wieder Schriften von Seume in den Buchhandlungen auftauchten. Auch sein legendärer „Spaziergang nach Syrakus“, der nicht legendär war, weil er darin – wie Goethe in seiner „Italienischen Reise“ – Landschaften und Kulturschätze pries.

Seume reiste ja auch nicht mit der Kutsche wie der Minister aus Weimar. Er lief zu Fuß. Auch das – aus heutiger Sicht – ein erstaunlicher Gang, denn die Stiefel, die er sich vom Leipziger Schumacher Heerdegen hatte machen lassen, hielten die ganze Strecke. Nur die Sohlen musste er unterwegs ein paar Mal erneuern lassen. Mit heutigem Material aus den üblichen Schuhläden käme man nicht mal über den Brenner. Und so wie Seume zu Fuß lief und auch dort Obdach suchte, wo er es sich als nichtbetuchter Wanderer leisten konnte, erlebte er Italien eben nicht aus der Touristenperspektive – wie Goethe 1786-1788, sondern mittendrin im Alltag der Leute. Mit allen sozialen Kontrasten. Sein „Spaziergang“ ist ein sozialkritisches Buch und in Teilen eine scharf beobachtende Reportage.

Solche Schriftsteller wurden auch in Leipzig nicht gefeiert. Die Tafel an jenem Haus Markt 6, die an seinen Aufenthalt 1787/1788 in der Mansardenstube erinnert, wurde erst 2010 angebracht. Nur gegen Kaution war er zuvor aus preußischem Militärdienst freigekommen. In Leipzig studierte er Jura, Philosophie, Philologie und Geschichte. Nach Grimma holte ihn der Verleger Georg Joachim Göschen, der eigentlich ein Leipziger Verleger war – ab 1797 aber nach und nach seinen Verlag nach Grimma verlegte. Seinen Erfolg hatte Göschen auf der Produktion großer Ausgaben jener Autoren aufgebaut, die wir heute als Klassiker einsortieren – Schiller, Goethe, Klopstock.

1797 holte er Seume als Korrektor nach Grimma, wo es der unruhige Geist bis 1801 aushielt. Dann ließ er sich seine Stiefel herrichten und marschierte los Richtung Syrakus. Das ist ganz unten auf Sizilien an der Ostküste. Die Reisebeschreibung erschien 1803.Die eigentliche Seume-Ehrung für alle Freunde des Spaziergängers nach Syrakus findet am Samstag, 26. Januar, ab 9 Uhr statt. Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung des Göschenhauses im Kulturbetrieb Grimma, des Seume-Vereins „Arethusa“ e.V. Grimma und des Museums Lützen (Stadt Lützen) in Verbindung mit der Stadt Lützen und der Ortschaft Poserna.

Der Tag beginnt um 9.00 Uhr in Grimma im Göschenhaus mit einem Frühstück und anschließender Ausstellungseröffnung: „Fast vergessen. Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Seume“.

Die Seume-Freunde fahren dann selbst auf eine Seume-Rundtour nach Poserna (wo Seume geboren wurde) und nach Lützen.

Einen „Tag für Seume“ gibt es dann am Dienstag, 29. Januar.

Der findet im Seume-Haus pünktlich zu dessen 200. Geburtstag statt. Denn genau vor 250 Jahren wurde er im kleinen Dorf Poserna (heute zu Lützen gehörend) geboren. Damals ahnte noch niemand, welch ein aufregendes Leben Johann Gottfried Seume führen sollte. Ob Nordamerika oder Warschau, Italien oder Moskau: Weit herumgekommen ist er in seinem Leben. Dazu zeigte er in seiner schriftstellerischen Arbeit einen ganz eigenen Kopf, der sich nicht so schnell vereinnahmen ließ.

An diesem besonderen Tag lädt das Seume-Haus ganz herzlich alle Seume-Freunde und solche, die es werden wollen, zu einem gemütlichen Nachmittag ein. Und: Eine kulinarische Besonderheit wartet auf jeden Gast, der zwischen 13.00 und 17.00 Uhr vorbei schaut. Der Eintritt ist frei.

Am Freitag, 1. Februar, findet im Seume-Haus um 19.00 Uhr dann noch ein literaturgeschichtlicher Vortrag statt. In Zusammenarbeit mit dem Göschenhaus dreht sich in der diesjährigen Vortragsreihe alles um Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Seume, deren 200. Todestag bzw. 250. Geburtstag begangen werden.

Thorsten Bolte (Grimma) vom Göschenhaus spricht an diesem Abend zum Thema „Am Rande der Literaturgeschichte. Wieland und Seume“, ein etwas provokanter Titel, gehört zumindest Wieland für Kenner ja zu den ganz großen Vertretern der deutschen Literaturgeschichte um 1800. Doch der Vortragstitel möchte das Problem aufzeigen, dass selbst „Leseratten“ nicht notwendigerweise über die beiden Namen und ihre Werke stolpern müssen. Somit ist der Vortrag auch der Versuch, sich neu diesen Schriftstellern anzunähern, die ganz verschiedene Lebensentwürfe hatten, aber doch streckenweise miteinander in Kontakt traten. Seien Sie auf diese Zeitreise gespannt. Der Eintritt beträgt nur 2 Euro.

Die Sonderausstellung „Fast vergessen. Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Seume“ im Göschenhaus zeigt übrigens bis Mitte des Jahres Archivgut des Hohnstädter Museums und informiert ausführlich über die beiden so ganz verschiedenen Autoren. Ist Seume natürlich im Muldental und speziell in Grimma den meisten Besuchern bekannt, muss beim zweiten „Jubilar“ Christoph Martin Wieland (1733-1813) noch viel „Öffentlichkeitsarbeit“ geleistet werden. Wieland ist leider immer noch eher Experten bekannt, als dem breiten Publikum. Schade eigentlich! War es Wieland doch, der überragende Bedeutung in der deutschen Literatur seiner Zeit besaß.

In Leipzig wird Seumes 250. Geburtstag hingegen einige Nummern kleiner gefeiert.

Am Mittwoch, 6. Februar, um 18 Uhr hält Dr. Dirk Sangmeister in der Universitätsbibliothek einen Vortrag mit dem Titel „Ich habe jetzt eine Arbeit die mir leicht den Tod bringen kann“ zum 250. Geburtstag des Schriftstellers Johann Gottfried Seume.

www.goeschenhaus.de

www.poserna.de


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