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Genossenschaften als Akt der Selbsthilfe: Über die Verdienste des Hermann Schulze aus Delitzsch

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    Die Gründung und Leitung des Genossenschaftsverbandes sowie die Gestaltung eines in seinen Grundzügen noch heute gültigen Genossenschaftsgesetzes nennt Dr. Enrico Hochmuth als die größten Verdienste des Sozialreformers Hermann Schulze-Delitzsch (1808 - 1883). Als Kurator betreut Hochmuth das Genossenschaftsmuseum im Schulze-Delitzsch-Haus.

    Herr Dr. Hochmuth, die Genossenschaftsidee hatte auch innerhalb der aufstrebenden Arbeiterbewegung viele Anhänger. Markantestes Beispiel dafür ist die Konsumzentrale in Plagwitz. Die Wohnungsgenossenschaften berufen sich eher auf den liberalen Reformer Hermann Schulze-Delitzsch (1808 – 1883). Was verknüpfen Sie mit Schulze-Delitzsch?

    Tatsächlich organisierte sich in den nach 1850 entstehenden Konsumgenossenschaften das mit der Industrialisierung wachsende Proletariat. Deren prekäre Lebensumstände erklären, warum es ein Akt der Selbsthilfe war, sich in diesen Genossenschaften zu organisieren.

    Die Sparte der Konsumgenossenschaften wuchs im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert exorbitant. Die Konsumgenossenschaften begannen mit der Produktion in eigenen Großbetrieben. Ganze Industrieansiedlungen wurden von ihnen errichtet. Viele ihrer Mitglieder kamen tatsächlich aus dem sozialdemokratischen Milieu.

    Hermann Schulze-Delitzsch gründete 1849 nicht nur die ersten deutschen Produktivgenossenschaften in Delitzsch. Er begleitete ihre Entwicklung auch theoretisch, analysierte Geschäftsverläufe kritisch und publizierte seine Erkenntnisse. Auf der politischen Bühne konnte er nach 1848 als Abgeordneter verschiedener Parlamente seinen Ideen zum Durchbruch verhelfen.
    Worin sehen Sie die besonderen Verdienste von Hermann Schulze-Delitzsch?

    Seine größte Leistung war dabei die Gründung und Leitung des Genossenschaftsverbandes als gesellschaftliche, juristische und politische Vertretung sämtlicher Genossenschaftssparten sowie die Gestaltung eines in seinen Grundzügen noch heute gültigen Genossenschaftsgesetzes. Insofern ist auch die Verbundenheit der Wohnungsbaugenossenschaften mit Schulze-Delitzsch zu erklären.

    Die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zeitgleich mit dem kommunalen Wohnungsbau entstehenden Wohnungsbaugenossenschaften organisierten sich nach dem Genossenschaftsprinzip von Hermann Schulze-Delitzsch, wurden aber auch durch Viktor Aimé Huber (1800-1869) oder die englischen „buildingsocietys“ geprägt.

    Und wo verblieben die Konsumgenossenschaften?

    Die Konsumgenossenschaften spalteten sich vom Genossenschaftsverband Schulze-Delitzschs zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab und organisierten sich im „Centralverband deutscher Konsumvereine“. Sie kamen damit einem Ausschluss zuvor, denn schon lange wurde ihnen eine politische Tendenz, eben die Nähe zur Sozialdemokratie, vorgeworfen.

    Schulze-Delitzsch, als Liberaler ein Befürworter des marktwirtschaftlichen Prinzips, lehnte jede politische Tendenz genossenschaftlicher Initiativen grundsätzlich ab. Hier erklärt sich auch der Dissens mit Ferdinand Lassalle (1825-1864), der die Gesellschaft grundsätzlich umgestalten wollte.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Das Schulze-Delitzsch-Haus/Deutsches Genossenschaftsmuseum befindet sich der in der Delitzscher Kreuzgasse 10. Das Museum ist immer dienstags bis sonntags von 14- 17 Uhr geöffnet.

    www.genossenschaftsmuseum.de

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