Ein Leipziger Verlag mit Berliner Wurzeln

Der Henschel Verlag feiert seinen 75. Geburtstag mit der Eröffnung seines Archivs in der Berliner Akademie der Künste

Für alle Leser1945 war auch ein Jahr des Neubeginns. Auch für einige Leipziger Verlage, die also in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiern können. Zumindest, wenn sie auch noch die harten Jahre ab 1990 überlebt haben. Was auch dem Henschel Verlag geglückt ist, der heute zur Seemann Henschel Verlagsgruppe gehört. Anlässlich des Jubiläums wird am 26. Februar das Verlagsarchiv in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Seit 75 Jahren bringt der Henschel Verlag den Leserinnen und Lesern die Künste näher. Wer unsere Bücher liest, der hört, sieht, fühlt mehr vom Geschehen auf der Bühne“, so Annika Bach, die seit 2017 die Geschäftsführung des traditionsreichen Henschel Verlags innehat.

Mit Büchern zu Theater, Musik, Tanz und Film ist der 1945 in Ostberlin gegründete Verlag ein Forum der darstellenden Künste. Neben Bildbänden und (Auto-)Biografien namhafter Künstler prägen fundierte und kunstvoll gestaltete Sachbücher sowie zahlreiche Ausbildungstitel das Programm.

Wie der Henschel Verlag zu seinem Namen kam, beschreibt Wikipedia so: „Am 20. Oktober 1945 wurde die Offene Handelsgesellschaft Verlag Bruno Henschel und Sohn in Berlin gegründet. Namensgeber Bruno Henschel war zuvor Leiter der Volksbühnen-Verlags- und Vertriebs-GmbH, die 1933 von den Nationalsozialisten liquidiert wurde. Aus den Restbeständen des Volksbühnenverlages begann Bruno Henschel gemeinsam mit seinem Sohn nach dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Theatervertrieb aufzubauen.“

Zum Jubiläum wird am 26. Februar in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz das Archiv des Verlags eröffnet. Das 2.451 Akten umfassende Konvolut der Jahre 1945 bis 1989 hat die Buch- und Theaterwissenschaftlerin Franziska Galek in langjähriger Arbeit erschlossen und in die Archivdatenbank der Akademie überführt.

Das umfangreiche Verlagsarchiv bietet Einblick in ein Stück Kulturgeschichte des „Leselands“ DDR. Der Eröffnungsabend mit Jenny Erpenbeck, Franziska Galek, Irina Liebmann, Christoph Links, Konstantin Ulmer u. a. wirft in Dokumenten und Gesprächen Schlaglichter auf die Geschichte des Verlags.

Pünktlich zum 75. Geburtstag präsentiert sich auch die Website der Verlagsgruppe E. A. Seemann Henschel in gänzlich neuem Gewand.

„Das Archiv ermöglicht den Zugang zur Vergangenheit unserer Verlagsarbeit, auf der neuen Website präsentieren wir die Gegenwart und Zukunft des Programms auf zeitgemäße Weise. Wir haben uns ein digitales Schaufenster gegeben und in der Auslage finden sich nur herrliche Kunstbücher“, resümiert die Verlegerin Annika Bach.

Im Jubiläumsprogramm des Henschel Verlags in diesem Frühjahr erwartet die Leser z. B. ein Einblick in Leben, Werk und Denken des Choreografen Martin Schläpfer, die erste Biografie über Fritz und Alfred Rotter, die Bühnenkönige der Goldenen Zwanziger, sowie eine reich bebilderte Geschichte des Regietheaters.

Der Henschel Verlag hat sich seit seiner Gründung am 20. Oktober 1945 in Ostberlin mit sorgfältig edierten und schön gestalteten Büchern zu den darstellenden Künsten – Theater, Film, Musik, Tanz – sowie als kompetenter Partner wichtiger Kulturinstitutionen einen Namen gemacht.

Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms sind heute Musikbücher: Publikationen von und über Sänger, Dirigenten und Instrumentalisten wie Jonas Kaufmann, Herbert Blomstedt, András Schiff, Edda Moser, Bernard Haitink, Helmut Deutsch oder Christian Gerhaher geben Einblick in das Leben und Werk von Künstlern. Überblickswerke führen in die Musikgeschichte ein, Einführungsbände erläutern Werk und Inszenierungspraxis der wichtigsten Opern.

Biografien zu bedeutenden Tänzern und Choreografen wie Reid Anderson, Ivan Liška, Birgit Keil, Marcia Haydée, Egon Madsen, Pina Bausch oder Sasha Waltz sind neben der Ratgeberliteratur für junge Tänzer ein weiteres wichtiges Segment des Verlags.

Sorgfältig recherchierte Sachbücher erzählen über Leben und Kultur vergangener und gegenwärtiger Zeiten und beleuchten, wie sich Kunst und Gesellschaft gegenseitig beeinflusst haben. Mit Dagmar Ellen Fischers „Eine kurze Geschichte des Tanzes“ ist auf dem deutschsprachigen Markt endlich eine umfassende historische Darstellung des Tanzes lieferbar.

Mit einem breiten Spektrum an Ausbildungs- und Fachliteratur versorgt der Henschel Verlag die nachwachsende Generation von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten mit fundierten Büchern – geschrieben von ausgewiesenen Expertinnen und Experten. Ergänzt wird das Portfolio durch Publikationen zu Theatern, Opern und Festspielen sowie Symposiumsbänden zu Veranstaltungen.

Der Henschel Verlag ist Teil der Verlagsgruppe E. A. Seemann Henschel, die seit 2003 ihren Hauptsitz in Leipzig hat. 2017 wurde die Verlagsgruppe von dem Medienunternehmer Michael Kölmel, der Kunsthistorikerin Doris Apell-Kölmel sowie Annika Bach übernommen. Annika Bach ist – in Nachfolge einer männlichen Doppelspitze – geschäftsführende Gesellschafterin. Inhaltliche Qualität und thematische Vielfalt mit vertrieblicher Innovation zu verbinden: Das ist das Leitmotiv der Verlegerin, die die Verlagsgruppe durch eine Zeit von großen Veränderungen im Buchmarkt führt. Ihr Team umfasst sechs Kolleginnen.

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