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Dienstag, der 16. März 2021: Wirrwarr um Corona-Schutzmaßnahmen, eine heikle Pressekonferenz und drei Tote nach schwerem Unfall auf der Prager Straße

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    Alles wieder rot in Sachsen – und damit ist nicht etwa der Bruch jahrzehntelanger CDU-Regentschaft gemeint, sondern die nach wochenlanger Talfahrt rasch steigende 7-Tage-Inzidenz von COVID-19-Infektionen. Wer jetzt nicht aufpasst, spielt offen mit der „dritten Welle“. Dennoch tritt der Freistaat bei den Lockerungen bisher nicht auf die Notbremse. Der vorläufige Stopp von Impfungen mit AstraZeneca war nur eines von zwei heiklen Themen, denen sich die heutige Kabinettspressekonferenz stellen musste. Außerdem: Drei Menschen sind nach einem schweren Unfall auf der Prager Straße gestorben. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, dem 16. März 2021, in Leipzig und Sachsen wichtig war.

    COVID-19: Mit Vollgas Richtung Oster-Crash?

    Es hätte doch alles besser werden können. Schönes Wetter, die Pandemie dank einer Test- und Impfoffensive so weit im Griff, dass Biergärten, Freisitze und Sportanlagen wieder ihre Türen öffnen und jeder treffen darf, wen er mag. Dass die Bilder zum nahenden Osterfest vermutlich ganz andere sein werden, zeichnet sich nun immer deutlicher ab.

    Im Freistaat kamen seit gestern offiziell 897 Neuinfektionen mit dem Virus namens SARS-CoV-2 hinzu, die Ansteckungszahl pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche (7-Tage-Inzidenz) liegt bei 110 und hat die kritische Hunderter-Marke damit gerissen. Zum Vergleich: Noch vor einer Woche betrug der Wert 84,4.

    Das könnte gravierende Folgen nach sich ziehen: Die „dritte Welle“ von COVID-19-Fällen, wohl maßgeblich auf die „britische Mutation“ des Virus (B.1.1.7) zurückgehend, könnte nach Ansicht von Experten zahlenmäßig noch härter durchschlagen als zur Weihnachtszeit. Intensivmediziner plädieren bereits offen für eine Rückkehr in den strengen Lockdown, um eine Überlastung von Intensivstationen in naher Zukunft zu verhindern.

    Trotz dieser düsteren Aussicht stemmt sich Sachsen bisher dagegen – und das, obwohl die Bund-Länder-Verordnung vom 3. März 2020 eine Rücknahme von Lockerungen vorsieht, wenn die Inzidenz innerhalb einer Woche über 100 steigt. Das ist im Freistaat innerhalb weniger Tage geschehen. Doch wie der MDR berichtet, verweist das Sozialministerium in Dresden auf die Zuständigkeit kommunaler Behörden, geht also den Weg, die Cluster nach Landkreisen und Städten beizubehalten.

    Zudem wurde in der heutigen Pressekonferenz des sächsischen Regierungskabinetts (siehe LZ-Bericht) auch mit der Zahl freier Krankenhaus-Kapazitäten argumentiert.

    Demnach blieben den Kommunen Spielräume zum Beibehalt der Lockerungen, solange die Zahl 100 nicht erreicht wird, während in anderen Landkreisen wie dem Vogtland die Zahl 200 fast erreicht ist.

    Leipzig steht mit einer Inzidenz von 57 zwar etwas besser da, doch auch hier lag der Wert vor einer Woche mit 45 noch deutlich niedriger. Allerdings könnten die Städte und Landkreise keine weiteren Öffnungsschritte beschließen, denn hierfür seien die Werte der Region und des Bundeslandes maßgebend.

    Kabinettspressekonferenz auf sächsisch: AstraZeneca, Querdenker und eine erfreuliche Meldung

    Wegen des Verdachts von Thrombose-Fällen im Zusammenhang mit einer Verimpfung des Vakzins AstraZeneca wurde gestern durch die Bundesregierung ein vorläufiger Stopp verfügt.

    Schlechte Nachrichten für die Menschen, die bereits eine erste Dosis dieses Mittels verabreicht bekamen, denn sie sitzen nun vorerst auf dem Trockenen: Wegen der genauen Abstimmung sei es nicht möglich, für die Zweitimpfung auf eine andere Substanz auszuweichen, musste der Dresdner Intensiv-Mediziner Michael Albrecht heute auf der sächsischen Kabinettspressekonferenz mitteilen.

    Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) räumte derweil ein, dass der vorläufige Stopp von AstraZeneca manche Planung in der Impfkampagne zurückwirft. Ihr für Bildung in Sachsen zuständiger Kabinetts-Kollege Christian Piwarz (45, CDU) lieferte sich ein Ping-Pong-Spiel mit den Journalisten um die Frage der Schulöffnungen, während Innenminister Roland Wöller (50, CDU) die Gewalt aus den Reihen der „Querdenker-Bewegung“, die sich bei der verbotenen Demonstration am Samstag in Dresden wieder einmal gegen die Medien und auch die Polizei richtete, vor allem älteren Bevölkerungsteilen zuschob.

    Die Rolle von Neonazis, Hooligans und der Vereinigung „Freie Sachsen“ thematisierte Wöller nicht näher. Die Querdenker seien klandestin unterwegs, die Aggressivität von Menschen mittlerer und älterer Jahrgänge hätten ihn überrascht, so der Minister. Offenbar gelang es ihm dabei nicht, auf die Erfahrungen vom 7. November 2021 in Leipzig zuzugreifen – auch hier war der Gang über den Leipziger Ring nicht friedlich erreicht und Polizeiketten überrannt worden.

    Eine für viele freudige Botschaft gab es dann doch noch: Faisal Jahangir, der seit 2008 in Deutschland lebt und morgen per Abschiebeflug in seine pakistanische Heimat hätte gebracht werden sollen, kam aus dem Ausreisegewahrsam in Dresden frei. Wie es mit ihm weitergeht, soll nun die Härtefallkommission prüfen.

    Der 41-Jährige hatte in Deutschland bereits geheiratet, jedoch sollte er zur langwierigen Beantragung eines Visums nach Pakistan zurück. Dem Christen droht laut seinen Unterstützern dort Verfolgung durch religiöse Extremisten.

    Drei Tote nach Unfall auf der Prager Straße

    Eine Meldung, die Schlimmstes befürchten ließ, hielt Polizei und Rettungskräfte am Vormittag in Leipzig auf Trab: Ein PKW war auf der Prager Straße in Höhe der Haltestelle Franzosenallee in eine Menschengruppe gerast.

    Nach bisherigem Stand der Ermittlungen wird polizeilicherseits von einem Unfall ausgegangen. Demnach habe der 50-jährige Fahrer eines Smart, der stadteinwärts unterwegs war, den Rechtsabbieger-Streifen geradeaus genutzt. Höchstwahrscheinlich habe er die Kreuzung Prager Straße / Franzosenallee bei Rot passiert und dabei vier Fußgänger erfasst, sei mit der Ampel kollidiert und ins separierte Gleisbett der Tram-Linie 15 geraten.

    Eine 85-jährige Frau und ein 80-jähriger Mann verstarben noch am Unfallort. Eine weitere Frau (80) erlag am Nachmittag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Eine 78-Jährige wurde schwer verletzt, ebenso der Unfallverursacher selbst.

    Gegen den 50-Jährigen wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Untersuchungen, ob überhöhte Geschwindigkeit oder andere Gründe dazu geführt haben, dass der Mann offenkundig völlig die Gewalt über seinen Pkw verlor, dauern an. Die Prager Straße war am Nachmittag teils wieder für den Verkehr freigegeben. Auf den Straßenbahnlinien 15 und 2 kam es zu Einschränkungen.

    Worüber die LZ heute sonst berichtet hat: Die Zukunft des Wilhelm-Leuschner-Platzes ist und bleibt umstritten. Derweil hat eine Petition für den in Pandemie-Zeiten wichtigen Digital-Unterricht 6.000 Unterschriften erreicht. Zudem ging es auch um die Streitfrage einer westlichen Bevormundung des Ostens und das nicht immer unproblematische Verhältnis Ostdeutscher zu den Massenmedien.

    Was heute sonst noch wichtig war: Der MDR meldet den Tod der Grafikerin, Zeichnerin und Autorin Ursula Mattheuer-Neustädt. Demnach starb die Künstlerin vergangenen Samstag mit 94 Jahren. Mattheuer-Neustädt erhielt als Illustratorin und Gestalterin zahlreiche Auszeichnungen und veröffentlichte auch Essays über Kunst. Nach dem Tod ihres Mannes Wolfgang Mattheuer (1927-2004), der als Maler zu den bedeutendsten Vertretern der DDR-geprägten „Leipziger Schule“ zählt, hatte die Witwe in Leipzig eine Stiftung gegründet, um das Werk des Künstler-Ehepaares weiterzutragen.

    Was morgen wichtig wird: Morgen soll es ernst werden – in allen weiterführenden Schulen Sachsens gelten verpflichtende Corona-Selbsttests. Ohne negativen Befund dürfen weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrkräfte, Eltern oder andere Personen das Gebäude betreten.

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