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Liebe, Macht und Leidenschaft: Eine kleine, barocke Ausstellung zur großen Zeit der Leipziger Barockoper

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    Die Oper Leipzig hat es 1993 mal gefeiert: 300 Jahre Oper in Leipzig. Es ist eines jener Jubiläen, das man so leichtfertig gar nicht feiern darf. Denn das erste Opernzeitalter war kurz, dauerte nur 27 Jahre. Als das erste Leipziger Opernhaus 1720 schloss, war eigentlich die nächsten 46 Jahre Ruhe in der Stadt. Erst 1766 eröffnete auf der Rannischen Bastei ein Nachfolger. Aber glanzlos war das erste Leipziger Opernkapitel nicht. Es faszinierte mit Liebe, Macht und Leidenschaft.

    Am Donnerstag, 14. März, wird eine neue Ausstellung dazu im Bach-Museum eröffnet: „Liebe. Macht. Leidenschaft. Die Leipziger Barockoper“. Anlass dazu war eigentlich ein Buch, das der Leipziger Forscher Michael Maul 2009 veröffentlichte: „Barockoper in Leipzig (1693-1720)“. Der Wissenschaftler grub sich nicht nur tief in die Geschichte des ersten Leipziger Opernhauses hinein, das der Dresdner Kapellmeister Nicolaus Adam Struck 1693 in Leipzig gründete. Mit kurfürstlicher Rückendeckung, denn der Dresdner Hof war sehr wohl daran interessiert, dass während der drei Leipziger Messen auch ein hochkarätiges Musiktheater am Ort war.

    Das erste Opernhaus entstand am Brühl, etwa dort, wo heute die Ritterpassage in Verlängerung der Ritterstraße Richtung Richard-Wagner-Straße führt. Hier stand der schmale Theaterbau auf einem 15 Meter breiten und 47 Meter langen Grundstück, das im Norden an die Stadtmauer grenzte. An der Brühlseite hatte es einen schmalen Vorhof. Der Rest ist Phantasie. Denn was für ein Opernhaus bekommt man unter auf 40 Meter Länge, 15 Meter Breite? Schon die Bühne muss fast die Hälfte des Hauses eingenommen haben – sie war 18 Meter tief. Der Zuschauersaal war schmal und hoch, bot auf fünf Rängen 50 Logen Platz, auch die kurfürstlichen befanden sich darunter.Immer wieder unterstützte der Kurfürst das Operngeschehen in Leipzig. Die ersten finanziellen Probleme traten schon 1694 auf. Das ist also nicht neu. Auch wenn die Impresarios durchaus Einfallsreichtum bewiesen, um sich immer wieder von Messe zu Messe und von Saison zu Saison zu hangeln. Und wenn ihnen die Schulden über den Kopf wuchsen, flüchteten sie. Das allein ist nicht neu an der kleinen Kabinettausstellung, die den Besucher im Foyer des Museums empfängt. Ein samtroter Vorhang verwandelt schon den Eingang in das Kabinett zum Eintritt ins große Barocktheater.

    Drinnen haben Claudia Siegel und Stefan Adlich, die die Ausstellung seit November gestaltet haben, eine echte barocke Bühne aufgebaut. Im Hintergrund ein Stich eines Dresdner Bühnenbildes aus dem Barock, davor wie Kulissen die Zierbäume eines barocken Parks. Das Barock war auch eine Zeit der Träume und der Illusionen. Barocke Gärten waren Sinnbild eines erträumten Arkadien. Die Schäferdichtung blühte. Die Kostüme waren filigran und prächtig und teuer. Mancher Streit am kleinen Leipziger Barocktheater, das Zeitgenossen durchaus ansprechender fanden als das Hamburger Opernhaus am Gänsemarkt, artete in Kostümdiebstahl und Kulissenzerstörung aus. Man stritt und fetzte sich.Und der Besucher der Ausstellung findet hinter den Kulissenbäumen auch die Akten aus dem Leipziger Ratsarchiv, die von den Gerichtshändeln der Schauspieler und Intendantenfamilien berichten. Michael Maul hat mit seinem Buch einen ganzen Fundus von Quellen erschlossen. Nicht nur zu den in den Gerichtsakten auffindbaren Fehden der Künstler, sondern auch zum Inhalt, zu dem, was in den 27 Jahren in diesem kleinen Theater alles geboten wurde.

    Als er begann, waren ganze 12 Arien und etliche Libretti aus diesem ersten Leipziger Opernhaus bekannt. Und das bei 80 verschiedenen Stücken, die aufgeführt wurden. Das ist nicht viel. Die Libretti haben deshalb reichlicher überlebt, weil sie als Textbücher fürs gut betuchte Publikum gedruckt wurden. Die Leute kauften und behielten die Hefte. Ein paar sind in der Ausstellung zu sehen.

    Durch Mauls Forschungen aber konnten ungefähr 300 Arien aufgespürt werden, die seinerzeit an dieser kleinen Opernbühne gesungen wurden. In einer gewaltigen Datenbank hat er Texte und Noten gesammelt und verglichen. Ein eigentlich längst schon bekanntes Büchlein mit dem Titel „Musikalische Rüstkammer“ entpuppte sich als überraschende Konserve für die eingängigsten Arien aus dieser Zeit – vielleicht war es ein Leipziger Musiker, der sich die Melodien für die Hausmusik kopierte.Bekannt ist auch, dass Telemanns Oper „Germanicus“ an der kleinen Leipziger Oper uraufgeführt wurde. Zwei Jahre lang leitete Telemann die Oper. Später war er ja bekanntlich als neuer Thomaskantor im Gespräch, hatte auch schon zugesagt. Vielleicht erwarteten die Leipziger von ihm, dass er die 1720 geschlossene Oper wieder eröffnete. Er sagte dann aber ab, blieb lieber in Hamburg. Leipzig bekam Bach.

    Als der 1723 sein Amt antrat, war das Opernhaus längst geschlossen und wohl auch baulich in einem so desolaten Zustand, dass es wenig später abgerissen werden musste. Große Oper bekam Leipzig trotzdem. Denn Bachs Passionen sind große Oper. Wenn auch völlig anderer Art als die phantasievollen Rollenspiele, die am Brühl zu sehen gewesen waren. Hat Bach die kleine Oper vielleicht mal besucht? – „Möglich ist es“, sagt Maria Hübner, die Kuratorin der Ausstellung. „1716 hatte er zumindest theoretisch die Möglichkeit, 1718 kam er mit Beginn der Opernspielzeit durch Leipzig. Nur belegen lässt es sich nicht.“Kein Sterbenswörtchen schrieb Bach über die kleine Barockoper. Aber natürlich gehört das Kapitel zur Geschichte des barocken Leipzig, das Bach zum Thomaskantor machte. Ein Leipzig, in dem die großen barocken Bürgerpaläste entstanden – wie das Romanushaus – und die berühmten barocken Gärten vor den Stadtmauern angelegt wurden. In dem aber auch eine neue Weltsicht heranreifte. „Die Welt als Bühne, das ist eine barocke Weltsicht“, sagt Claudia Siegel. Wer will, sieht die Kulissen noch heute: der Oeser-Saal im Gohliser Schlösschen ist ein Beispiel dafür oder der Sommersaal im Bosehaus.

    Und ab Freitag, 15. März, auch der kleine Ausstellungsraum im Bach-Museum. Man tritt mitten auf die Bühne und kann zwischen den Kulissen-Bäumen die Schriftstücke aus den Archiven bestaunen und studieren, die – wenn man sie lesen kann – das kurze, aber leidenschaftliche Kapitel der Leipziger Barockoper wieder lebendig machen. Eine kleine Hörstation für die barocken Musikstücke gibt es auch. Als Belohnung, wenn man sich durch den Kulissen-Park durchgearbeitet hat.

    Die Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, 14. März, um 18 Uhr statt. Es spricht Maria Hübner, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bach-Museums Leipzig, für die musikalische Umrahmung sorgen Kathleen Danke (Sopran), Frederike Blanke (Mezzosopran), Franziska Ernst (Alt) und Frank Petersen (Laute). Und man wird die Künstlerinnen wohl in den faszinierenden Kostümen der Zeit erleben. Der Eintritt ist frei.

    Zu sehen sein wird die Kabinettausstellung vom 15. März bis zum 25. August.

    www.bach-leipzig.de

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