Tiger-Präparat lockte Besucher ins Naturkundemuseum

Nur am vergangenen Wochenende konnten Besucher des Naturkundemuseums das neue Präparat des Sibirischen Tigers sehen. Wann und wo das Tier als nächstes zu sehen sein wird, ist ungewiss. In der Dauerausstellung hat das Museum derzeitig keinen Platz dafür.
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„Alles was Sie sehen ist echt“, hebt der René Diebitz am Sonntagnachmittag hervor während er neben einem gut 1,70 Meter hohen Tiger-Präparat steht, „bis auf die Augen, das Gebiss und die Zunge.“

Nur am Samstag und Sonntag konnten die Besucher des Naturkundemuseums das Präparat sehen. „Es steht nur heute hier und am Montag kommt es ins Magazin“, merkte Diebitz am Sonntagnachmittag an. Er selbst beantwortete dem Publikum in einem Vortrag mehrere Fragen zu seiner Arbeit als Präparator, die mit der Unterstützung von Anett Rode-Weingarten entstand.

Fast ein Jahr hat es gedauert bis das 20 Jahre alte Männchen aus dem Zirkus Probst nach seiner Einschläferung der Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Viele fragen nach den Arbeitsstunden, was ich selbst nicht beantworten kann“, sagt Diebitz. Viele Arbeitsschritte waren nötig bis das Tier so aussieht, wie es aussieht. In einem Video, welches im Rahmen der Präparation produziert wurde, konnten die Besucher sich einen Eindruck abholen.

Zunächst musste die Haut des Tigers vorbereitet, auf die gleiche Dicke gebracht und anschließend einem Gerbprozess unterzogen werden, erklärt Diebitz. Der Körper unter der Haut musste modelliert werden. Dazu wurde eine Fertigskulptur verwendet, die noch angepasst werden musste. Mit der museumsüblichen Herstellungsweise hätte dieser Arbeitsschritt dreimal solange gedauert, wie der Präparator anmerkt.

Nachdem das Grundgerüst steht, wird die Haut aufgeleimt. „Taxidermist – Die Haut bewegen“, bezieht sich Diebitz auf die englische Bezeichnung seines Berufs, „das ist eigentlich das, was es ausmacht.“ In den darauf folgenden Wochen musste er immer wieder Stellen am Modell nachkorrigieren. Das Fell zurechtrücken und Fixiernadeln setzen, bis der Klebstoff getrocknet war. „An den Achseln dauerte es fünf Wochen.“

Doch nicht alles ist so getreu, wie man es sich vorstellt. Im Tiger selbst steckt ein Löwengebiss, das anderthalb Zentimeter kleinere Fangzähne hat. Ein Tigergebiss war erst später verfügbar und passte nicht mehr in das Präparat aufgrund der gewählten Mundöffnung. Sie ist dem natürlichen Verhalten in der Wildbahn nachempfunden, bei dem die Raubkatze beim Laufen mit leicht geöffnetem Maul umherläuft.

Den Unterschied zu einem realen Tier bemerkt der Zuschauer allerdings nicht. An jeder Einzelheit hat Diebitz gearbeitet. „Sie sehen hier keinen Übergang“, zeigt er beim Ausleuchten mit der Taschenlampe am Maul und der Nase. Selbst der Boden der Skulptur mit Laubblättern und Ästen ist der wirklichen Lebensumgebung nachempfunden.

Auch wenn die Besucher in der Regel am Produktionsprozess und am Tier selbst interessiert waren, wurden am Sonntagnachmittag auch fragende Stimmen geäußert, was nun mit dem Tier als auch mit dem Naturkundemuseum selbst geschehen soll. Pläne der Stadtverwaltung sehen eine Unterbringung in der Halle 7 der Baumwollspinnerei bis zum Jahr 2020 vor, worüber noch der Stadtrat entscheiden muss.

Naturkundemuseum
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