Es war ein äußerst wertvolles Schriftstück, dass der sächsische Staatssekretär Sören Trillenberg am Donnerstag mit nach Leipzig gebracht hatte. Dabei handelte es sich um einen Fördermittelbescheid über stolze 59,5 Millionen Euro, die aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen stammen. Mit diesem Geld ist der Aus- und Umbau des einstigen Bowlingtreffs auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz zum neuen Naturkundemuseum endgültig in trockenen Tüchern.
Von strahlendem Glanz ist das denkmalgeschützte Oktagon, der oberirdische Teil des früheren Bowlingtreffs, aktuell noch ein paar Baumaßnahmen entfernt. Strahlende Gesichter hingegen gab es dort bereits am 15. Januar zu sehen, zum Beispiel bei Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (Die Linke). Unter großem Medieninteresse bekam sie aus den Händen von Staatssekretär Trillenberg den so wichtigen Fördermittelbescheid überreicht.
„Mit dem neuen Naturkundemuseum am Bowlingtreff investieren wir gemeinsam mit dem Freistaat in die Zukunft unserer Stadt. Mitten im Stadtzentrum schaffen wir einen offenen Erlebnis- und Bildungsort, der Menschen aller Generationen für Natur und Wissenschaft begeistert“, heißt es im Statement der Bürgermeisterin. „Dafür danke ich der Ministerin, dem Ministerpräsidenten und der gesamten Landesregierung, die dieses Projekt trotz der herausfordernden finanziellen Situation verlässlich unterstützen“.

Auch im Gesicht von Prof. Ronny Maik Leder, dem Direktor des Naturkundemuseums, stand an diesem Tag viel Freude geschrieben. „Es ist eine große Erleichterung, weil der Druck von politischer Seite durchaus größer wurde“, sagte er der LZ. „Es gibt immer noch viele Kritiker, vor allem auf die Finanzen bezogen. Ich kann aber nur immer wieder sagen: Dieses Projekt wird einen riesigen Impact haben. Das, was man gesellschaftlich zurückbezahlt bekommt, wird die Investition bei weitem kompensieren.“
Um diesen Punkt stichhaltig untermauern zu können, hatte die Stadt extra eine regionalökonomische Analyse in Auftrag gegeben. Die sollte untersuchen, wie groß der Einfluss eines Naturkundemuseums, bezogen auf wirtschaftliche Faktoren, in die Region hinein ist. „Der ist gewaltig!“, erklärt Direktor Leder.
„Jeder Euro, der hier investiert wird, wird um ein Vielfaches rĂĽckvergĂĽtet. Allein schon wenn man sieht, wie viele potenziell zukĂĽnftige Naturwissenschaftler, Ingenieure und so weiter sich hier inspirieren lassen, diesen Weg zu gehen. Das sind die Promotoren Mitteldeutschlands und Sachsens ĂĽber viele Jahre und im Grunde Jahrhunderte hinweg. Also technologischer Vorsprung, wissenschaftlicher Vorsprung – Wissen an sich ist ein Gut, das man nicht hoch genug bewerten kann. Und dafĂĽr stehen wir.“

Gestartet waren erste Baumaßnahmen bereits vor über einem Jahr. Das war damals durch eine Förderung in Höhe von 15,4 Millionen Euro ermöglicht worden, die ebenfalls aus dem Topf des Investitionsgesetzes stammten. Damit wurde bisher vor allem der eigentlichen Bau vorbereitet, beispielsweise mit der Entkernung des Altgebäudes.
Nun kann ab dem kommenden Sommer also richtig losgelegt werden: Die unterirdisch an das Oktagon anschließende, viergeschossige Westhalle und die ebenfalls verbundene eingeschossige Osthalle werden dann so umgestaltet, dass sie für die Dauer- und Wechselausstellungen nutzbar sind. Das denkmalgeschützte Oktagon, das durch die Sanierung den alten Glanz seiner Eröffnung im Jahr 1987 zurückerhalten soll, wird künftig Empfangsportal und Atrium sein, sowie Verwaltungsräume beherbergen.
Auf einen Termin für die Eröffnung des nagelneuen Museums wollte sich Skadi Jennicke allerdings nicht festlegen lassen. „Wenn es fertig ist“, scherzte die Kulturbürgermeisterin. Läuft alles nach Plan, könnte das im Jahr 2029 oder 2030 soweit sein.
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Es gibt 3 Kommentare
Ich finde das super! Mehr Platz fĂĽr die Sammlung und im Herzen der Stadt.
Die Bäume zu fällen, hatte bestimmt einen Grund. Sicherlich muss oberirdisch genauso gebaut werden, wie unterirdisch. Da muss man halt Prioritäten setzen. Auf der einen Seite wird immer alles zu teuer, auf der anderen Seite soll man aber um Hindernisse kompliziert herumlaufen.
Das mit dem Skelett – schauen wir mal, glaube ich erst, wenn die es tatsächlich machen. Zudem warum auseinander sägen? Das sind doch einzelne Knochen, die wie auch immer, zusammen geklöppelt wurden, oder?
Die Messen hinsichtlich der Wahl des Neuquartiers für das Naturkundemuseum sind lange gesungen. Daß es m.W. ein Tauziehen um den Baumbestand gegeben hat, hat sich darin niedergeschlagen, daß mehrfache Umplanungen erfolgten, worin in jedem Schritt u.a. weitere Bäume quasi gestrichen wurden. Und jede Umplanung ließ im tätigen Baugewerbe die Kassen klingeln.
Klar ist: das vormalige Bowlingzentrum bzw. Umspannwerk bleibt ungeeignet für den neuen Zweck. Es wird auch keine äußerliche Augenweide. Und daß das Mammutskelett leider leider zersägt werden muß, um ins neue Quartier reingebracht zu werden, ist ein trauriger Treppenwitz.
Schade eigentlich, dass es auch dem Leiter des Naturkundemuseums offenbar völlig egal ist, dass der Leuschnerplatz zur fast baumfreien Zone wird; auch rund um die Naturkundemuseumsbaustelle wurde bereits viel gerodet und für den alten Silberahorn und einen weiteren Ahorn direkt an der Baustelle scheint er auch kein Herz zu haben. Museum als Ort des Todes?