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Liebe Leser: Ausstellung wird am 3. November im Literaturhaus eröffnet

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    Das Buch in seiner analogen Form – es ist im Jahr 20 des dritten Jahrtausends nicht überholt. In Zeiten von Digitalisierung und virtuellen Welten setzt der Leipziger Bibliophilen-Abend unverdrossen auf das gedruckte Buch: als Quelle des Wissens, aber auch als ein Kulturgut. Der Fokus liegt auf Inhalt und Form gleichermaßen. 1904 in Leipzig gegründet und 1933 aufgelöst, startete der Verein im Januar 1991 erneut durch. Deshalb ist Anfang 2021 ein Jubiläum zu feiern.

    Bereits am 3. November wird im Literaturhaus Leipzig die Jahresausstellung des LBA eröffnet. „Liebe Leser“ heißt die und ist unbedingt als eine direkte Ansprache zu verstehen.

    Der Leipziger Bibliophilen-Abend e.V., der deutschlandweit und darüber hinaus mehr als 200 Mitglieder zählt, hat eine Affinität für das schöne Buch, die Buchkunst, die grafische Gestaltung, die ausgewogene Typografie, den exzellenten Druck, den erlesenen Einband. Die Bibliophilen sammeln nicht nur und tauschen sich aus. Mit ihren Veranstaltungen, meist im Literaturhaus Leipzig, gehen sie Monat für Monat in die Offensive: Buchillustrationen des Leipziger Zeichners Max Schwimmer werden da thematisiert.

    Wanderliteratur im Historismus wird beleuchtet. Profunde Sammler geben Einblicke, etwa in wenig bekannte Seiten des Schaffens von Werner Klemke. Der Verein Buchkinder Leipzig bekam eine Plattform. Die Schönsten Deutschen Bücher, welche die Stiftung Buchkunst Frankfurt/Main kürt, sind am 24. November Gegenstand. Es gibt mehrere Veranstaltungsreihen: „Stöbern im Nachlass“, „Werkstattgespräche“, „Schönste Bücher“, „Buchstadt Leipzig“.

    „Wir sprechen nicht nur über Bücher und Buchkunst. Wir geben selbst Publikationen heraus. Mehrere von ihnen wurden als Schönste Deutsche Bücher prämiert“, sagt Dr. Thomas Glöß, promovierter Kunstgeschichtler und Grafik-Designer, der den Verein seit 2013 leitet.

    Eine der Reihen, „24 x 34. Blätter zu Literatur und Grafik“, wurzelt in der Zeit vor der LBA-Wiedergründung. Sie erschien zwischen 1985 und 2000. Die 30 Ausgaben vereinten Grafik (Rolf Münzner, Christa Jahr, Horst Hussel, Heinz Zander und andere) und lyrische Texte (beispielsweise Reinhard Bernhof, Volker Braun, Kerstin Hensel). Als Neue Grafik-Reihe wird sie jetzt wieder aufgelegt. Der erste Druck – der Farbholzschnitt „Zwei Sandrosen“ von Frank Eißner zu einem Gedicht von Ernst Stadler – wird zur Eröffnung der Ausstellung am 3. November vorgestellt.

    Zu „Paradiesischen Dialogen“ lädt der Literaturkritiker Michael Hametner, der seit 2017 für den Vorstand die Herausgabe der Publikationen betreut, bildende Künstler ein. Band fünf, „Das Lied von der Erde“ nach einem Text von Gustav Mahler mit Lithografien von Sighard Gille, erschien im Frühjahr unmittelbar vor dem Start der dann coronabedingt abgesagten Leipziger Buchmesse – auf der der LBA seit sechs Jahren mit einem eigenen Stand vertreten ist. Weitere Editionen sind unter anderem die Reihen „Leipziger Drucke“ und „Schriftbild“.

    Die Veranstaltungen des Vereins, die ausdrücklich öffentlich und sehr gut besucht sind, zählen neben den Publikationen zu den Schwerpunkten des LBA. Hinzu kommen jährlich zwei Exkursionen.

    „Bücher sammeln mag als ein einsames Hobby erscheinen. Das ist es nicht, wenn man sich austauscht, teilhaben lässt und Horizonte weitet“, beschreibt Thomas Glöß, was den LBA antreibt. Das, was die Mitglieder – rund ein Drittel sind Frauen – sammelten, sei breit gefächert: Buchkunst des 20. und 21. Jahrhunderts, illustrierte Kinderbücher, bibliophile Ausgaben bestimmter Autoren, Grafiken, Exlibris. Manche sammeln auch gar nicht selbst, sondern hätten ihre Freude am schönen Buch, an der Literatur, an der (Buch- und der Kunst-)Geschichte.

    Allerdings: „Der Hang zu sammeln ist rückläufig. Es passt offenbar immer weniger in die Lebenswirklichkeit junger Menschen“, konstatiert Glöß. Ein Phänomen, das etwa Philatelisten u. a. teilen. Das Interesse am schönen Buch sei dennoch auch im digitalen Zeitalter erheblich, und dem trage der Verein gern Rechnung.

    Die Wurzeln des LBA reichen zurück in das Jahr 1904. Damals gründete sich der Leipziger Bibliophilen-Abend.

    „Er zählte zu den angesehensten und wirkungsreichsten bibliophilen Vereinigungen Deutschlands und erbrachte einen markanten Beitrag im kulturellen Leben Leipzigs“, so Glöß. 1933 aber löste er sich auf. Er hatte zahlreiche jüdische Mitglieder in seinen Reihen und kam so der Zwangsauflösung durch die braunen Machthaber zuvor.

    Die Pflege der Buchkunst konzentrierte sich ab 1956 in der Pirckheimer-Gesellschaft, die unter dem Dach des Kulturbundes der DDR entstand und die in Leipzig über die Jahrzehnte eine starke Regionalgruppe hatte. Aus der heraus entstand Anfang 1991 der LBA neu – nicht als eine Konkurrenz zu den weiterhin bestehenden Pirckheimern (mehr als 500 Mitglieder). Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Pflege und zur Erneuerung zeitgenössischer Buchkultur zu leisten, die wissenschaftliche Bibliophilie und besonders die Leipziger Buchkunst zu unterstützen sowie die Rezeption von schönen Büchern und Werken der grafischen Künste zu fördern. Der LBA gibt dabei auch jungen Künstlern und Buchgestaltern eine Plattform. Konsequent ist daher, dass zahlreiche LBA-Mitglieder zugleich in der Pirckheimer-Gesellschaft verankert sind.

    Die Jubiläums-Ausstellung „Lieber Leser“ umfasst Bücher, Grafiken, Plastiken, Plakate und Postkarten zum Thema Lesen und Lesende. Sämtliche Objekte stammen von den Mitgliedern selbst.

    „Auch wenn heute das Lesen in digitalen Medien – auf Smartphones, Tablets oder in ebooks – die mediale Vielfalt erweitert hat; für Lesebegeisterte und Bibliophile ist die tradierte Kodexform des Buches nach wie vor der Inbegriff des Lesens“, sagt Julia Rinck, Kuratorin der Grafischen Sammlung des Deutsches Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek und Mitglied des LBA-Vorstands. Die Sinnlichkeit des Materials, die Haptik und der Geruch von Druckfarbe auf Papier gehöre für viele „zum emotionalen Erlebnis des Lesens“.

    Eröffnet wird die Schau am 3. November, 18 Uhr, im Literaturhaus (Anmeldung erforderlich: kontakt@literaturhaus-leipzig.de). Zu sehen ist sie bis 9. Januar, Mo – Do 9 – 17, Fr 9 – 15 Uhr.

    Das Jubiläum „30 Jahre LBA“ soll am 9. Januar 2021 mit einem Festakt gefeiert werden – falls die Corona-Entwicklungen das erlauben. Anderenfalls wird ein Fest im Sommer ins Auge gefasst. Zum Jubiläum erscheint – wie aller zehn Jahre üblich – eine neue Festschrift. „Das dritte Jahrzehnt LBA“ enthält neun Originalgrafiken, unter anderem von Sighard Gille, Gudrun Petersdorff, Frank Eißner, und Texte, so von den Schriftstellern Clemens Meyer und Manfred Jendryschik und dem Verleger Mark Lehmstedt.

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