Schwarwel gewinnt ICOM Hauptpreis mit Seelenfresser: Weltruhm, Sex und ganz viel Geld

Der Interessenverband Comic e.V. ICOM vergibt seit 1994 den "ICOM Independent Comic Preis", den aktuellen am 7. Juni 2012 auf dem 15. Internationalen Comic-Salon Erlangen. Prämiert wird hierbei jenseits der etablierten, auf dem Abdruck aus dem Ausland importierter Comics basierenden Branchenriesen dass, was die rührige Szenerie eigentlich hervorbringt - frische Geschichten aus dem "Untergrund". In diesem Jahr hat es Schwarwel erwischt.
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Mit dem ersten Buch der Seelenfresserreihe namens „Liebe“ steht der Leipziger Künstler nun auf dem Treppchen ganz oben. Also flugs dem Künstler ein paar lockere Fragen an die mit Medaillen geschmückte Brust geworfen und nachgefragt, ob es nun geklappt hat mit Ruhm, Sex und ganz viel Geld.

Hallo Schwarwel, 500 Euro und drohender Weltruhm sind nun Dein eigen. Da Ruhm meist einfach nur mehr Stress bedeutet – Was also fängst Du mit dem unerwarteten Reichtum an?

Naja, mit dem Stress komme ich schon irgendwie klar – muss ja ;-). Die 500,- Euro Preisgeld, die passen super, um dabei zu helfen, das zweite Seelenfresseralbum zu finanzieren, das zu Halloween erscheint. Ich vermeine gar, dass die Preisgelder des ICOM exakt dafür gedacht sind. Perfekt!
Schauen wir uns mal die Jurybegründung auszugsweise an: „Eine eindringliche, finstere Atmosphäre wirkt sofort auf den Leser ein, in einem Dornenbusch wie ein Stacheldrahtzaun, wo der Handyton einem Schreckensschrei gleicht, steht eine junge Frau, die Unschuld ins Gesicht geschrieben, und in dem Gesicht wird das Leben noch ganz andere Spuren hinterlassen.“ (Klaus Schikowski)

Also einfach der richtige Stoff zur Zeit? Oder anders gefragt – gewinnt man mit einer gewissen Endzeitstimmung nun schon (wieder) Comic-Preise?

Da wird man die Jury fragen müssen, die dem Hörensagen nach sogar sehr einhellig für Seelenfresser plädierte. Für mich kam dieser Ritterschlag völlig unerwartet, da ich das Thema und wie ich damit erzählerisch umgehe, eher als dunkle Nische in der sonst so kulleräugigen Graphic-Novel-Welt verortet hatte.

Klaus Schikowskis Laudatio fand ich sehr treffend ich war sehr angerührt davon. Mit Gänsehaut.

Erster werden ist schön und macht unsterblich. Wer ist der Zweitplatzierte beim diesjährigen „ICOM Independent Comic Preis“ und warum sollte man seinen Namen nicht morgen schon vergessen haben?

Ich hab keine Ahnung, aber ich werds sofort googeln lassen, wenn ich den momentanen Stress hinter mir habe, der noch aus der Zeit stammt, in der ich noch nicht weltberühmt war.

Aber ich freue mich besonders, dass Levin Kurio als Macher und Verleger der Weissblech Comics endlich und nach zu langer Zeit der Ignoranz endlich seinen ICOM -Preis erhalten hat. Völlig verdient!

Apropos Comic – eigentlich nennst Du Dich doch (zu Recht) Illustrator? Bist Du mit dem „ICOM Independent Comic Preis“ nun eigentlich nicht gerade mit Seelenfresser im falschen Topf gelandet?

Nö, genau richtig. Seelenfresser ist total independet in unserem Studio Glücklicher Montag entstanden, nachdem wir auf dem letzten Comic-Salon vor zwei Jahren die Geschichte als Preview allen Wunschverlagen angeboten hatten und keiner ansprang. Und ein Comic ist es per Definition sowieso: eine Erzählung in Wort und Bild. Ich liebe die Begriffe „Comic“ und „Independent“ und was sie meinen.

Es fällt auf, dass Du mittlerweile gut dekoriert zum Stift greifst – in Sachsen selbst scheint man das noch nicht so wahrzunehmen, wenn es um hiesige Preisvergaben geht. Gründe (neben dem, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt)?

Ganz so ist es ja nicht. Vor ein paar Wochen durften wir beim Leipziger Kurzsüchtig-Festival die Urkunde und das Preisgeld für den besten Film für unseren „Herr Alptraum und die Segnungen des Fortschritts“ mit nach hause nehmen – ich fühle mich gerade wie ein Bankräuber.

Lass uns gleich noch ein wenig Werbung machen, weil Du und Deine Arbeiten es verdient haben. Kommende Taten aus Deinem Hause?

Neben dem Vorabdruck des ersten Kapitels des zweiten Seelenfresser-Albums erschien zum Comic-Salon das 52-seitige Comic „The other – der Fluch des Kultes“ für und mit der namensgebenden Horrorpunkband beim Simpsons- und Spiderman-Verlag Panini, den ich getextet und gezeichnet habe.

Zu Halloween erscheint wie erwähnt das zweite Seelenfresser-Album „Glaube“, was wir mit einer gemeinsamen Halloween-Party im Ballroom feiern. Im Rahmen der Lachmesse gibt es eine Karikaturen-Ausstellung und zum Weihnachtsmarkt eine Gemeinschaftsausstellung in der Kulturfabrik. Dazwischen wird Schweinevogel Anfang September zum Comicgarten seine Aufwartung machen und und und. Vorausgesetzt, wir schaffen es die nächsten drei Tage, das neue Sido-Trickfilmvideo fertigzustellen – aber da bin ich total zuversichtlich!

Möchtest Du Dir selber eine Frage stellen (und sie bitte gleich auch beantworten, wenn es geht)?

Ach nö, ich glaube, das Leben beantwortet sowieso alle Fragen. Auch die nicht gestellten.

Danke.

Auch Dank für die Antworten nach Erlangen und bis zum nächsten Preis, also bis bald.

Schwarwel im Netz

www.schwarwel.de

Levin Kurio im Netz
www.weissblechcomics.com


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