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Grüne: Die fehlenden 75.000 Euro fürs Open air im Rosental sollte das Gewandhaus doch wohl selbst erwirtschaften

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    So geht es nicht, findet die Grünen-Fraktion. 29 Millionen Euro Zuschuss für das Gewandhausorchester sollten doch wirklich genug sein. Auch um das eintrittsfreie Bürgerkonzert „Klassik airleben im Rosental“ zu finanzieren. Aber das Gewandhaus hat 2018 gleich ein Doppel-Feierprogramm aufgelegt. Und das kostet richtig Geld – man feiert 275 Jahre Gewandhausorchester. Und gleichzeitig soll der neue Kapellmeister mit einem großen Programm gewürdigt werden.

    Das Ergebnis, so stellt die Grünen-Fraktion jetzt in einem Antrag fest: Angeblich fehlen dem Gewandhaus 2019 ganze 75.000 Euro ausgerechnet für das Bürgerkonzert „Klassik airleben im Rosental“. Dafür fordert das Orchester nun einen weiteren zusätzlichen Zuschuss von der Stadt. Und das, obwohl die Stadt schon für die große Jubiläumssaison 2017/2018 300.000 Euro zusätzlich bereitgestellt hat. Auf etwa die gleiche Summe verzichtet die Stadt, wenn sie die vom Gewandhaus erwirtschafteten Überschüsse nicht vereinbarungsgemäß in bauliche Investitionen steckt, sondern dem Jubiläumsspielbetrieb zur Verfügung stellt. Beides ist gut und richtig, denn ein solches Jubiläum gibt es nun mal nur alle 25 Jahre.

    Aber dass ausgerechnet das Open air im Rosental an 75.000 Euro scheitern könnte, findet Dr. Gesine Märtens, Stadträtin und Mitglied des Kulturausschusses, zumindest eigenartig.

    „Es ist schon sehr verwunderlich, dass bei geplanten Zuschüssen von insgesamt 28.862.000 Euro, und da sind die Investitionen in die bauliche Erhaltung noch nicht mitgerechnet, ausgerechnet für das eintrittsfreie Bürgerkonzert 75.000 Euro fehlen sollen. Hier wurde entweder schlecht geplant, oder aber von der Stadt sollen weitere Gelder beigetrieben werden“, stellt die Stadträtin fest. „Das Open-Air-Konzert zum Ende einer Konzertsaison ist seit neun Jahren ein Dankeschön an alle Leipzigerinnen und Leipziger, die nicht regelmäßig ihre Schritte ins Gewandhaus lenken. Offensichtlich kalkuliert die Gewandhausleitung, dass die Stadt dieses eintrittsfreie Konzert im Grünen, das jährlich 30.000 Leipzigerinnen und Leipziger ins Rosental lockt, auf gar keinen Fall zur Disposition stellt. Das kritisieren wir ausdrücklich.“

    Tatsächlich ist das Open-air-Konzert viel teurer. Im Wirtschaftsplan des Gewandhauses heißt es dazu: „Die Finanzierung der Konzerte im Rahmen von ‚Klassik airleben im Rosental‘, die den Bürgern und den Gästen der Stadt das Erlebnis des Gewandhausorchesters bei freiem Eintritt ermöglicht, stellt das Gewandhaus auch in den Geschäftsjahren 2019 bis 2021 vor große Herausforderungen. Bei den hohen Aufwendungen für die Infrastruktur (Bühnen- und Hinterbühnenbereich, Ton-, Licht- und Videotechnik, Sanitäreinrichtungen und Sicherheitsvorkehrungen) bestehen keine Kürzungspotentiale, da die hohe Zahl von 30.000 Besuchern pro Konzert das unverrückbare Richtmaß für die Herrichtung des Veranstaltungsgeländes ist. Die Aufwendungen von rund 600.000 Euro können zwar immerhin zu fast 30 % aus Sponsoringerlösen gedeckt werden. Gleichwohl verbleibt eine beträchtliche Finanzierungslücke, die die Betriebsleitung veranlasst hat, eine Sonderzuweisung der Stadt in Höhe von 75.000 Euro in die Wirtschaftspläne 2019 bis 2021 einzustellen. Die Betriebsleitung wird im zweiten Halbjahr 2018 einen entsprechenden Antrag auf diese Sonderzuweisung stellen.“

    Was die Grünen nicht zielführend finden.

    In ihrem Antrag, den Extra-Posten zu streichen, heißt es dazu: „Das Gewandhausorchester als Eigenbetrieb der Stadt Leipzig hat aus seinem Wirtschaftsbetrieb in den vergangenen Jahren erhebliche Rücklagen bilden können, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unterstreicht. Im Ergebnis plant der Eigenbetrieb für die Saison 2017/2018 eine herausragende Jubiläumssaison sowie im Jahr 2019 ungewöhnlich zahlreiche und lange Tourneen in Europa, Asien und in den USA. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht nachvollziehbar, wieso das Bürgerkonzert ‚Klassik airleben im Rosental‘ für die Jahre 2019 ff. nicht auf der Grundlage der bestehenden Zuschussvereinbarung finanziert werden kann.“

    Im vorgelegten Wirtschaftsplan des Gewandhauses heißt es dazu: „Das Wirtschaftsjahr 2018 steht ganz im Zeichen des Jubiläums ‚275 Jahre Gewandhausorchester‘ und der Amtseinführung des neuen Gewandhauskapellmeisters Andris Nelsons. Das im März 2018 zu feiernde Jubiläum prägt künstlerisch die gesamte Konzertsaison 2017/18. Sichtbar wird dies in der besonders hochkarätigen Auswahl von Dirigenten und Solisten für die Großen Concerte, der hohen Anzahl von Uraufführungen und der Berufung von Jörg Widmann zum ‚Composer in Residence‘ sowie den Auftritten der Wiener und der Berliner Philharmoniker. Aus diesem Grund sind die Künstler- und Kompositionshonorare in der Konzertsaison 2017/18 deutlich höher als in einer normalen Konzertsaison.“

    Wie hoch, das ist wenig später nachzulesen: „Die Aufwendungen für das Jubiläum ‚275 Jahre Gewandhausorchester‘ und die Amtseinführung von Andris Nelsons belaufen sich im Geschäftsjahr 2018 auf rund 1,7 Millionen Euro. Diesen stehen ein Sonderzuschuss der Stadt Leipzig in Höhe von 300.000 Euro und Ticket- und Sponsoringerlöse sowie mäzenatische Zuwendungen und Drittmittel in Höhe von 1,0 Million Euro gegenüber. Die Deckungslücke beläuft sich im Planjahr auf rund 400.000 Euro, die sich im negativen Planergebnis nahezu vollständig widerspiegelt.“

    Da finden dann die 75.000 Euro, die noch fürs Open-air-Ereignis gebraucht werden, irgendwie keinen Platz mehr.

    Was Gesine Märtens bei den sowieso schon von der Stadt gewährten Sonderzuschüssen fürs Jubiläum einfach unverständlich ist: „Wir fordern die Leitung des Gewandhausorchesters auf, die Konzerte im Rahmen bestehender Zuschussvereinbarungen durchzuführen, ihren jetzt vorliegenden Wirtschaftsplan zu ändern und eine Finanzierung des beliebten Open- Air-Konzertes auch für die Jahre 2019 und folgende auf der Basis der bestehenden Zuschussvereinbarung zu gewährleisten. Gerade vor dem Hintergrund, dass 2019 auch die Ticketpreise um 6 % steigen sollen, muss dies gelingen.“

    Der Grünen-Antrag.

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