Lange Zeit schien gar nichts zu gehen in Sachen Investition in Leipziger Kulturbetriebe. Im Gegenteil: Allein die Sanierungskosten drohten die Zukunft der Eigenbetriebe Kultur aus allen Angeln zu heben. Aber seit OBM Burkhard Jung die Diskussion um das Actori-Gutachten vor einem Jahr beerdigt hat, scheint auf einmal alles wieder möglich. In der Musikalischen Komödie wird weiter investiert. Und nun soll auch das Schauspiel seine gewünschte zweite Spielstätte bekommen.

Seit April hat die Dienstberatung des OBM darüber diskutiert, im Juni beschäftigte sich auch der Kulturausschuss mit dem Thema. Jetzt kommt das Projekt am 16. Juli auf den Tisch der Ratsversammlung. Und wenn die Stadträte da in großer Mehrheit die Hand heben, wird sogar noch in diesem Jahr losgeplant: “Die Planung zum Umbau der Räumlichkeiten der ehemaligen Diskothek Schauhaus als Zweitspielstätte für den Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig wird 2014 realisiert”, heißt es im Beschluss. Und die Verwaltung weiß sogar, woher das Geld kommen soll, das die Stadt eigentlich nicht hat: “Zur Finanzierung der Baumaßnahme wird das dem Eigenbetrieb zugeordnete Grundstück Gottschedstraße 16 meistbietend veräußert. Das Ausschreibungs- und Verkaufsverfahren wird durch das Liegenschaftsamt durchgeführt.”

Gottschedstraße 16 – das ist die ehemalige zweite Spielstätte, die Sebastian Hartmann in seiner Intendanz aus Kostengründen schließen musste, die alte “Neue Szene”. Womit dann der Vorschlag der Linksfraktion vom Tisch wäre, hier ein Theaterhaus für die Freie Szene einzurichten. “Mit der Schaffung einer neuen Zweitspielstätte als Ersatz für die Gottschedstraße 16 kann insbesondere auf die unwirtschaftliche Sanierung dort verzichtet, dieses Gebäude aufgegeben und veräußert werden”, heißt es nun in der Vorlage des Dezernats Stadtentwicklung und Bau.Die neue Spielstätte soll sogar mehr Platz für Besucher bieten: “Mit der Schaffung der neuen Zweitspielstätte wird die Szenenfläche mit ca. 222 qm nur geringfügig gegenüber der in der Gottschedstraße 16 (198 qm) erweitert. Die baulichen und technischen Bedingungen werden jedoch so gestaltet, dass nach Versammlungsstättenverordnung bis zu 199 Besucherplätze gegenüber 99 in der Gottschedstraße genehmigt werden können. Die Planungen für die neue Spielstätte umfassen 1.972 qm. Die Erweiterung um ca. 500 qm gegenüber der Gesamtfläche der ehemaligen Spielstätte Gottschedstraße ist dadurch begründet, dass durch die Eingriffe in den Baubestand es zu Überschneidungen mit bestehenden Nutzungen (Verkehrsflächen etc.) kommt.”

Natürlich könnte man allein in den Räumen der ehemaligen Diskothek “Schauhaus” nicht wirklich eine neue Bühne einrichten. Das wird nur möglich, weil man nun die Decke zum 1. Obergeschoss durchbrechen kann. Tatsächlich soll sich die neue Spielstätte sogar über drei Etagen erstrecken – mit Sanitär- und Lagerräumen im Keller und einer Treppe ins Zwischengeschoss, wo es neben Garderobe und Umkleideräumen auch eine Bar geben soll. Der Eingang soll – nach historischem Vorbild – an der Ecke Bosestraße /Dittrichring eingebaut werden.

Die Kernbauzeit wird – weil sie tiefe Eingriffe in die Bausubstanz erfordert – mindestens sechs Monate dauern. Die Vorlege geht davon aus, dass dafür die Theaterpause im Schauspiel deutlich verlängert werden muss. Danach könnte dann auch während des Spielbetriebes weitergebaut werden. Ein Nebeneffekt, den das Planungsdezernat hervorhebt, ist die wahrscheinliche Einsparung von Heizenergie von 30 Prozent. Denn anpacken muss man bei der Gelegenheit auch die überalterten technischen Strukturen des Hauses. Während man bei ersten Planungen von 7 Millionen Euro Aufwand ausging, scheint man in der überarbeiteten Variante jetzt mit 5,85 Millionen Euro auszukommen. Für das Haus Gottschedstraße rechnet man mit etwa 1 Million Euro an Einnahme. Wozu dann noch die Einsparung von 60.000 Euro Energiekosten in der Gottschedstraße pro Jahr kämen, die dann nicht mehr anfallen.

Als Bauhorizont hat das Planungsdezernat das Jahr 2017 ins Auge gefasst mit den Hauptinvestitionssummen von je 2,5 Millionen Euro in den Jahren 2016 und 2017.

Die Vorlage des Planungsdezernats: http://notes.leipzig.de/appl/laura/wp5/kais02.nsf/docid/EC21F6CC59E2904EC1257CB3002990DF/$FILE/V-ds-3730-text.pdf

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