Politikum Erbfolge. Schillers Jugendwerk mit spielerischen Variationen

Zur zweiten Vorstellung ist der Saal voll junger Leute, Skateboards und Musikinstrumente wurden an der Garderobe abgegeben, die über 30-jährigen Besucher sind Minderheit. Im Foyer laden Flyer zum „Koffer voller Sehnsucht“ ein, einem Mehrgenerationenprojekt der „Spielfreudigen“ in Kooperation mit der Volkssolidarität Leipzig. An so was war bei Familie Moor nicht zu denken.

Allzumenschliche Generationenkonflikte, Drama und Theaterspielen sind ein altbewährtes Bühnen-Geschäftsmodell. Nicht immer so hart wie in den Häusern Moor oder gar Lear.

Eine Diplomprüfung steht an. Regisseur Gordon Kämmerer, geboren 1986 in Eisenach, in Leipzig hat er Schauspiel studiert, zeigt seine Inszenierung als Kooperation des Leipziger Schauspiels mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Kämmerer hat in Leipzig schon „Tierreich“ und „Herzerlfresser“ herausgebracht. Vermutlich wird sich der Regisseur einbringen wollen, Handhabung und Haltung zeigen, beim Umgang mit dem Autor, seinem Text, Rezeptionsgeschichte und dem Thema an sich. Welche Themen werden gesetzt und wie wird damit verfahren? Letzterer Frage stellt sich jede Inszenierung.

Schule im Theater

Im hellen Saal schafft von der Vorbühne aus eine Art Lehrer-Erzieher-Herbergsvater-Typ Ordnung. Eine Sorte Aufpasser, wie ihn sich der Regisseur und der Darsteller vorzustellen mögen, da fallen Worte in die vermeintlichen Schüler-Sitzreihen: „Wird man eigentlich sehr gehänselt mit so einem Haarschnitt?“

Friedrich Schillers „Räuber“ im Leipziger Schauspielhaus in der Diplom-Inszenierung von Gordon Kämmerer. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Friedrich Schillers „Räuber“ im Leipziger Schauspielhaus in der Diplom-Inszenierung von Gordon Kämmerer. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Plötzlich verschwindet der Schulmeister… Wie immer im Leben, sind die Besserwisser weg, bevor man sie gebrauchen könnte. In diesem Monolog gibt’s auch Portionen einer sympathischen Art von Stückeinführung: „Das hat der geschrieben, da war er 21!“ – „Guckt nicht so erwartungsfroh, das wird sich gleich geben!“ – „Das ist hier nicht die Jugendweihe, nicht verwechseln! Das gab’s damals noch nicht, in der Sturm-und-Drang-Zeit.“

Schon längst sitzt da die Pianistin (Friederike Bernhardt) unter einer riesig-hohen Perücke rechts auf der Vorbühne an den Keyboards. Durch die Tür des Eisernen Vorhangs lugen Partypeople, streuen Konfetti, da hinten scheint man in bester Stimmung zu sein. Wenn die Truppe herauskommt, zeigt sie sich derb-melancholisch in barock-grauen Beinkleidern, barocken Perücken und bunten Hemden wie aus einer beliebigen City-Modeboutique. Josa Marx hat die Kostüme gestaltet, die sich die Darsteller erst anverwandeln. Aus Bunt wird Grau.

Allseits sprühen die Funken des Spiels

Aha, den Karl Moor spielt eine Frau (Katharina Schmidt) und die Amalia ein nicht mehr ganz junger Mann (Andreas Herrmann). Alle drei, mit Franz (Michael Pempelforth), knien sich in den Text und arbeiten sich Satz für Satz akkurat daran ab. Gestus und Gesten haben sie dazu reichlich. Man merkt da schon, dass ein gelernter Schauspieler Regie führt. Man höre nur, und sehe dazu die Personen/Darsteller: „Tränen bedeuten nichts! – Tränen kommen aus dem Bauch! – Tränen kommen von Gott!“

„Du allein bist verworfen!“

Wenn der Vater, Maximilian Graf von Moor, dann noch geisterhaft nackt mit langem Bart dazwischengeht, sprühen allerseits die Funken des Spiels. Natürlich mit Schreien und Brüllen. Heftig auch, wenn Karl die Räuberbande in den Wald ruft. Jenen Wald, der bei Shakespeare so oft als Metapher für Flucht, Rückzug, Möglichkeit zu Wachstum und Veränderung war. Was passiert – dramenweit – nicht alles im Wald. Branntwein gibt’s aus braunen Kaffee-Plastikbechern, ein paar bunte Glühlampen flackern wie Lagerfeuer in Jana Wassongs Bühnenbild-Abläufen.

Beim Räuberlied orgelt das Keyboard mächtig. Später wird technisch mehr geklotzt, wenn ein Elektro-Auto als Transportmittel eingesetzt wird. Na klar, da scheint dem Publikum auch mal wieder das Licht grell ins Gesicht, aus der Lichtquelle, die gerade noch den Mond darstellte. Und Licht-Rampen von hinten strahlen in den Saal. Ist ja auch erlaubt, dass ein Regisseur zeigt, dass er weiß, was üblich ist.

„Du allein bist verworfen!“ wird etliche Male ins Publikum geschrieen und so, als ob das Stück schon zu Ende wäre. Es dauert lange, bevor nicht mehr nur über Tisch und Bänke geschritten wird, sondern man tatsächlich Platz nimmt. Doch das geschieht als Tableau wie zum Gruppenbild an heimischer Tafel.

Waldidyll und Abbau auf offener Szene

Auf der Bühne dreht sich ein strahlend weißes Haus-Gerüst, dieses Haus verfügt schon über elektrisches Licht. So wie die Darsteller in einheitlich graue, barock anmutende Kostüme schlüpfen, sich außer dem barock gestylten Haar auch Glatzköpfe offenbaren, werden die szenischen Zutaten des Bühnenbildes aufgefahren und verarbeitet. Ein gezeichnetes Bühnenportal mit Schiller-Bezug-Bildtexten („Iffland als Franz Moor“ und „Schiller trägt seinen Kameraden zum 1. Mal die Räuber vor.“) schafft ein Theater auf dem Theater, grüner Wald erscheint als Gassen-Kulissen, schwebt aus dem Schnürboden herab, und – weil es alles so schön rollt – tanzen ein paar falsche Hecken umeinander herum.

Nach der Pause wird von diesem Waldidyll nur noch der Mond und die Rückwände der auf den Seitenbühnen stehenden Walddekorationsteile zu sehen sein. Auf offener Szene haben die Techniker dann schon die gassenbildenden Stoffbahnen abgebaut. Zu allem falschen Theaterzauber gesellt sich ein lebendiges Pferd mit Reiter (Chefrequisiteur Sven-Sebastian Hubel, der einst schon in Wolfgang Engels „Wallenstein“-Inszenierung einritt. So kann man eben auch zeigen, wie ein Klassiker eben nicht Opfer von Demontage und Provokation wird, und trotzdem ein Drama bleibt. Da sind viele Ideen im Spiel, manches wird benutzt, variiert und wieder fallen gelassen. Wie das tanzende Waldbuschwerk. Oder das Haus mit Flucht-Rutschstange.

Kommen mehr als drei Leute auf die Spielfläche, sind sie choreographiert oder agieren und sprechen im Chor. Möglich, dass da Nuancen der unterschiedlichen Personen auf der Stecke bleiben, Räuber ist und bleibt eben Räuber. Bilder und Szenen erinnern zuweilen an Robert Wilsons und Jo Fabians oder Konstanze Lauterbachs Arten, eben solche zu kalkulieren und zu bauen.

Ganz schön große Besetzung

14 Darsteller und die Musikerin teilen sich in die vielen Rollen des 2-Stunden-40-Minuten-Stücks. Da inzwischen selten, sei vermerkt, dass diese Produktion ohne Videotechnik auskommt.

Erbfolge, Neid, Lüge, Gewalt und Verrat lassen Vater und Söhne zu erbitterten Kämpfern werden. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Erbfolge, Neid, Lüge, Gewalt und Verrat lassen Vater und Söhne zu erbitterten Kämpfern werden. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Fraglich bleibt, ob wirklich ziemlich die gesamte Handlung mit mehr oder wenig spährisch-musikalischen Stimmungen und Akzenten unterlegt werden musste, respektive weichgespült. Eine Schauspielmusik ist etwas anderes.

Den alten Fragen: Was ist Verrat? Was ist List? schließen sich seit der Uraufführung weitere an, so alt wie immer noch anregend: Was hat die Aufregung verursacht, damals? Dass der Schiller überhaupt ein Drama geschrieben hatte, dass es als Lesedrama im Buch erschien und dass es aufgeführt wurde? War der Aufreger das, worum es im Stück ging? Wer da was tat und sagte? Also erkannte gar das Publikum sich wieder, getroffen und betroffen? Aktueller kann ein Stück kaum noch sein.  „Wie gefährlich ist die Gruppe?“ ist ein Text des Programmhefts überschrieben.

Zur Pause kurzer Applaus, am Ende stark, allzu oft mussten die Darsteller nicht herauskommen.

Bei allem Ernst des Dramas zeigt das Team Schauspiel Theatermachen als spielerisches Arbeiten. Da bleibt zu wünschen, dass etliche Schulklassen und Schülerjahrgänge diese „Räuber“ Schillers im Schauspielhaus sehen können. Immerhin dürfte die vorletzte Inszenierung rund zehn Jahre auf dem Spielplan gestanden haben.

Schillerstadt Leipzig

Schiller selbst soll es einst einem Darsteller nicht übel genommen haben, wenn der andere Sätze sprach, als sie im Textbuch standen. Dass man Schiller nur in Fassungen zeigen kann, um die Textmenge konsumfähig zu machen, hat sich herumgesprochen. Das verführte manchmal zu Radikalkuren, diese „Räuber“ zählen nicht dazu.

„Maria Stuart“, „Kabale und Liebe“ gab es in Enrico Lübbes Leipziger Intendantenzeit schon. Wieso war da plötzlich vom „Abschluss einer Schiller-Trilogie des Leipziger Schauspiels“ die Rede? Wenn sich Leipzig auf vielen Künstlern in Serien und Festtagen widmen will, dann gehört auch der Gohliser Sommerfrischler, Weimarer und Bad Lachstädter Theaterpraktiker Friedrich Schiller dazu, hier wie da an der Seite Goethes.

Schiller geht immer. Und wenn es als Selbstherausforderung von Karl Kayser als Regisseur war, wie einst in Leipzig, nacheinander alle Schiller-Stücke zu inszenieren. Er hatte es geschafft, bis auf „Demetrius“. (Aber Volker Braun hat im früheren Leipziger Kellertheater aus seiner Bearbeitung „Dmitri“ gelesen.)

Karl Moor spielt Katharina Schmidt, Franz Moor Michael Pempelforth, Amalia Andreas Herrmann. Bei allem Ernst des Dramas zeigen das Team Schauspiel als spielerisches Arbeiten. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Karl Moor spielt Katharina Schmidt, Franz Moor Michael Pempelforth, Amalia Andreas Herrmann. Bei allem Ernst des Dramas zeigen das Team Schauspiel als spielerisches Arbeiten. Foto: Schauspiel Leipzig / Rolf Arnold

Und selbst Leipziger „Geisterseher“ gab es schon als Theater-Pack-Sommertheater, wenn auch mit der Botschaft, dass da Schiller mit den Geistern, die er wähnte, nicht klarzukommen schien, wie der „Zauberlehrling“ Goethes. Theatersekretär Robert Blum waren längst vor 1848 nicht nur groß angelegte Leipziger Schiller-Feiern zu verdanken, sondern auch das Gohliser Schillerhaus als erster Literatur-Gedenkstätte in deutschen Landen. Auch Schiller ist ein Leipziger.

Meinungen: Eine Besucherin in Reihe 6 bedankte sich bei ihrer Nachbarin, dass sie mitgenommen wurde. – „Das mit dem Pferd und dem Franzosen war echt lustig.“ – „Schön war das Bild, wie sie alle am Tisch waren wie beim Abendmahl.“ – „Toll, dass Amalia von einem Mann gespielt wurde.“ – „Ungewöhnlich, dass der Karl so eine tiefe Frauenstimme hat.“ – „Ein weißes Kulissen-Haus, wie man es sich für Tschechow-Stücke vorstellt.“

Nächste Vorstellung am 17. Juni, 06., 28.10., 04.11., 03.12.2016, 12.04.2017.
Spezielle Vorstellungen: Simultanübersetzung Englisch am 06.10. und 04.11.2016, Spanisch am 28.10. und 03.12.2016.

In eigener Sache

Jetzt bis 8. Juli für 49,50 Euro im Jahr die L-IZ.de & die LEIPZIGER ZEITUNG zusammen abonnieren, Prämien, wie zB. T-Shirts von den „Hooligans Gegen Satzbau“, Schwarwels neues Karikaturenbuch & den Film „Leipzig von oben“ oder den Krimi „Trauma“ aus dem fhl Verlag abstauben. Einige Argumente, um Unterstützer von lokalem Journalismus zu werden, gibt es hier.

Überzeugt? Dann hier lang zu einem Abo …

Schauspiel LeipzigSchiller
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Montag, der 13. Juli 2020: Schulen im Normalbetrieb und Hochschulen vor ungewissem Semester
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle Leser/-innenDas sächsische Kultusministerium möchte das kommende Schuljahr weitgehend im Normalbetrieb durchführen – ohne allgemeine Maskenpflicht, aber mit uneingeschränkter Präsenzpflicht. Ob und inwieweit die Hochschulen im Wintersemester zur Präsenzlehre zurückkehren können, ist noch ungewiss. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 13. Juli 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Gastkommentar von Christian Wolff: Was tun? – Praktische Erwägungen zur Krise der Kirche
Blick zum Turm der Peterskirche. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Ging eine Schockwelle durchs Land? Hörten Kommentatoren Alarmglocken läuten? Nein. Stattdessen: Apathie, Ratlosigkeit, Verdrängung, Ignoranz.“ – mit dieser Feststellung kommentiert Malte Lehming im Berliner „Tagesspiegel“ die weitgehende Nicht-Reaktion der Kirchen auf die erschreckenden Austrittszahlen 2019. In der Tat: In vielen Kirchgemeinden verläuft die Debatte über die düsteren Zukunftsperspektiven der eigenen Institution mehr als verhalten.
Berg der investiven Ausgabereste wuchs in Leipzig 2019 um 68 Millionen Euro an
Ein Berg von Ausgaberesten ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSie haben sich alle Mühe gegeben, Leipzigs Planer, von den 657 Millionen Euro, die ihnen im letzten Jahr fürs Bauen von Schulen, Straßen und Brücken zur Verfügung standen, möglichst viel verbaut zu bekommen. Aber auch der Endspurt im Herbst hat nicht geholfen. Über 300 Millionen Euro bekamen sie einfach nicht an den Markt. Am Donnerstag, 9. Juli, hat Finanzbürgermeister Torsten Bonew sozusagen die Baubilanz für 2019 gezogen.
Der Stadtrat tagte: Leipzig kann jetzt das Vorkaufsrecht für dringend benötigte Flächen am Bahnbogen Leutzsch anmelden + Video
Das Plangebiet zwischen Ludwig-Hupfeld-Straße (unten) und dem ehemaligen Straßenbahndepot der LVB (oben). Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserEigentlich sollte am Donnerstag, 9. Juli, Tim Elschner reden zum Änderungsantrag der Grünen-Fraktion zum Bebauungsplan Nr. 452 „Bahnbogen Leutzsch“. Da er verhindert war, sprach Kristina Weyh für ihn und warb für eine Neuaufnahme des Bürgerbeteiligungsprozesses in Leutzsch, der nach zwei Workshops zu den Georg-Schwarz-Brücken abgebrochen worden war. Und wenn man den Grünen-Antrag liest, steht das auch nicht anders darin.
Der Stadtrat tagte: Klimareferat soll jetzt aller zwei Jahre über die Erfolge seine Arbeit berichten + Video
Klimademo vor der Kongresshalle. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm 9. Juli ging es ja nach der Klimapoltischen Doppelstunde hoch her, als die Entscheidung des Stadtrates zum Sofortmaßnahmenprogramm zum Klimanotstand noch einmal um eine ganze Woche verschoben wurde, weil noch am Morgen des 9. Juli acht Änderungsanträge eingereicht worden waren. Ein Unding, fand Jürgen Kasek, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Doch eine Mehrheit im Stadtrat hat ja bekanntlich der Verschiebung doch zugestimmt.
Der Stadtrat tagte: Antrag der AfD-Fraktion zur Aussetzung der Umweltzone war binnen einer Minute vom Tisch + Video
Sylvia Deubel (AfD). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAuch diese Abstimmung im Leipziger Stadtrat ging am 9. Juli schnell über die Bühne und zeigte eigentlich, wie völlig aus der Zeit gefallen das Autodenken von AfD und CDU mittlerweile ist. Im April, mitten im Corona-Shutdown, hatte die AfD-Fraktion im Stadtrat die Aussetzung der Leipziger Umweltzone beantragt. Auf die Idee muss man erst einmal kommen, wenn nur noch 3,5 Prozent aller registrierten Fahrzeuge keine Grüne Palette haben. Die Zahl sinkt seit Jahren.
Scherbenhelden: Johannes Herwigs Punk-Roman aus den 1990er Jahren in Leipzig
Johannes Herwig: Scherbenhelden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWahrscheinlich muss man wirklich jung gewesen sein in dieser Zeit. Wer sonst sollte so über die 1990er Jahre in Leipzig berichten? Über diese Jahre, die die Erwachsenen als Zusammenbruch aller Konstanten in ihrem bisherigen Leben erlebten. Nicht ahnend, wie diese Jahre nachwirken werden. Später. Also heute. „Und doch hatte ich das Gefühl, etwas wäre verloren gegangen. Etwas Wichtiges“, lässt Johannes Herwig seinen Helden Nino denken. Kurz vor Schluss, bevor er mit einem kleinen Funken Hoffnung endet.
Der Stadtrat tagte: Antrag des Jugendparlaments zu den S-Bahn-Haltepunkten Leipzig-Nord und Essener Straße ohne Federlesen angenommen + Video
Berliner Brücke mit S-Bahn-Haltepunkt Leipzig-Nord. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserEs ging ein bisschen drunter und drüber, gerade in der heißen Bauphase des Leipziger City-Tunnels, als immer heftiger über die Baukosten für dieses zentrale Bauteil des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes diskutiert wurde und geradezu schrill darüber debattiert wurde, dass die Kosten von 1 Milliarde Euro gerissen werden könnten. Ein Kollateralschaden dieser Debatte waren Dutzende Streichungen und Verschiebungen in den sogenannten „netzergänzenden Maßnahmen“. Dazu gehörten auch wichtige S-Bahn-Haltepunkte.
Der Stadtrat tagte: Mindestens drei neue Schulen in Leipzig werden jetzt auf ihre Eignung als Gemeinschaftsschule geprüft +Video
Ute Köhler-Siegel, SPD. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserLeipzigs Stadtrat hat sich vor der Sommerpause noch einmal die Tagesordnung richtig vollgepackt. In drei Sitzungen werden jetzt noch Dutzende wichtige Richtungsentscheidungen getroffen. Eine gab es am Mittwochabend, 8. Juli. Da kam kurz vorm Schlafengehen noch der SPD-Antrag zur Einrichtung von Gemeinschaftsschulen zur Abstimmung. Denn in der nächsten Woche müsste ja auch die Entscheidung im Sächsischen Landtag dazu fallen.
Der Stadtrat tagte: Leipzigs Stadtrat sagt drei Mal Nein zum „europäischen Frachtdrehkreuz“ + Video
Landeanflug am Flughafen Leipzig/Halle. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Eine ,Klatsche‘ für den OBM“, nennt es Lutz Weickert, der sich seit Jahren gegen den Lärm am Flughafen Leipzig/Halle engagiert, was da am Donnerstag, 9. Juli, im Leipziger Stadtrat passierte. Dort kam zu später Stunde die neue „Stellungnahme der Stadt Leipzig zu geänderten Teilen des Regionalplanentwurfs Leipzig-Westsachsen“ zur Abstimmung – plus zwei Änderungsanträge. Doch was die Leipziger/-innen da erlebten, war gelebte Demokratie pur. Und ein dreifacher Misstrauensantrag gegen die bürokratischen Schattenkriege all derer, die den Flughafen immer weiter ausbauen wollen.
Ein neues Parkbaumkataster, noch kein Wassermangel und über 100.000 Straßenbäume im Jahr 2030
Gefällter Baum. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserJüngst berichteten wir an dieser Stelle, dass Leipzig seit 2015 über 3.000 Straßenbäume verloren hätte. Was irgendwie logisch wirkte, denn auch die Straßenbäume leiden unterm Dürrestress. Aber in diesem Fall trogen die statistischen Daten, worauf uns ein kritischer Leser aufmerksam machte. Die weisen zwar tatsächlich über die Jahre diesen massiven Rückgang an Straßenbäumen aus. Aber dahinter steckt eine Katasterbereinigung, wie uns Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, auf Nachfrage erklärt.
Hiddensee – Insel im Licht: Uta-Katharina Gaus Fotografien einer faszinierenden Ostsee-Insel
Uta-Katharina Gau: Hiddensee - Insel im Licht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht allen, die in diesem Sommer so gern auf die Ostsee-Insel Hiddensee gefahren wären, ist das auch vergönnt. Es ist der Sommer, in dem viele wieder die Schönheiten dieses Landstrichs zwischen Thüringer Wald und Erzgebirge entdecken, die hiesigen Sonnenauf- und -untergänge. Und über das Licht staunen, das zuweilen die Landschaft wieder so eindrucksvoll macht, wie sie Caspar David Friedrich einst entdeckte. Zeit, wieder Sehen zu lernen.
Kino der Jugend: IG Fortuna will sich bewerben und lädt engagierte Leipziger/-innen ein mitzumachen
Das ehemalige Kino der Jugend. Foto: IG Fortuna, Matthias Mehlert

Foto: IG Fortuna, Matthias Mehlert

Für alle LeserBei der IG Fortuna/Kino der Jugend, der Bürgerinitiative, die seit langem für den Erhalt des ehemaligen „Kino der Jugend“ kämpft, löste die Nachricht über den Start der Konzeptvergabe des Gebäudes in der Eisenbahnstraße 162 am vergangenen Wochenende nur verhaltenen Jubel aus. Dabei gäbe es jede Menge Gründe, die Sektkorken ordentlich knallen zu lassen.
Zurück ins Kino! Cineplex Leipzig mit Wiedereröffnung am 16. Juli 2020
Quelle: Cineplex Leipzig

Quelle: Cineplex Leipzig

Nach dem wochenlangen Lockdown und der Rücknahme der geplanten Wiedereröffnung am 2. Juli öffnet das Cineplex Leipzig nun definitiv am 16. Juli wieder seine Türen für alle Leipziger Kinofans. Auch wenn sich die Situation mit und um Corona leider nicht so schnell ändern wird, möchte das Multiplex im Leipziger Westen seinem Familienpublikum ein verlässlicher Partner sein und pünktlich zu den Sommerferien an den Start gehen.
SPD Kreisverband: Bis Herbst braucht Leipzig mehr Popup-Bikelanes und ein Stück Radweg in Connewitz muss abgepollert werden
Gedrängel vor der Post auf der Richard-Lehmann-Straße.

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDas Thema Radfahren in Leipzig ist mittlerweile auch ein Anliegen der SPD geworden. Am Wochenende starten die Genoss/-innen sogar zu einer Rad-Sternfahrt im Leipziger Südraum und wollen dabei einige Hauptrouten austesten. Und an der Postfiliale in der Richard-Lehmann-Straße fordern sie Poller, damit der Radweg dort nicht immer von „Schnellparkern“ zugeparkt wird.