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„Wählen Sie die 1…“: Interrobang setzen sich mit Callcenter-Logiken auseinander

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    Das Performance-Kolletiv Interrobang erforscht in interdisziplinären Kunstprojekten gesellschaftspolitische Probleme, Themen und Fragestellungen. In der performativen Installation „Callcenter Übermorgen“, die Dienstag und Mittwoch in der Residenz gastierte, beschäftigen sich die Künstler mit dem sozialen Phänomen des Auswählens.

    Jeder kennt die Sprachcomputer, die einem auf Kundenservice-Hotlines den Weg weisen. Interrobang treiben die Logik hinter den bizarr anmutenden Systemen auf die Spitze. Das „Callcenter Übermorgen“ nimmt den Anrufer mit auf eine imaginäre Reise. Wohin soll der Trip gehen? In den Süden ans Meer? Oder in die malerischen Alpen? Der Zuschauer hat die Wahl.

    Der offene Bühnenraum besteht aus kleinen Kabinen, die mittels Rollläden voneinander separiert sind. In jeder Kabine befinden sich ein Stuhl, ein Tischchen, ein Telefon. Der Zuschauer wird gezwungen, sich aktiv in den Verlauf des Theaterabends einzubringen, indem er den Hörer ans Ohr nimmt und den Anweisungen der freundlichen Computerstimme folgt.

    Charakteristisch für Interrobang-Abende ist die Multioptionalität. Die Besucher haben die Wahl, wie die Vorstellung für sie verlaufen soll. In diesem Fall erfolgt die Auswahl der verschiedenen Möglichkeiten mittels Tastendruck. Kaum hat der Zuschauer eine Entscheidung getroffen, wird er mit der nächsten (geschlossenen) Frage konfrontiert. Der Rezensent reist ins Gebirge, fährt Sessellift, springt in den Tod. Als Trauermusik wählt er Elton Johns „Candle in the Wind“. Und die Reise beginnt von vorn.

    Das „Callcenter Übermorgen“ erscheint dem Teilnehmer mit fortschreitender Spieldauer wie eine kafkaeske Parabel über das moderne Leben. Schon Tom Tykwer setzte sich in seinem Actionhit „Lola rennt“ mit der Frage auseinander, wie tiefgreifend einmal getroffene Entscheidungen unser weiteres Leben beeinflussen. Interrobang führen den Zuschauer in ein verworrenes Entscheidungslabyrinth, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint – würde die Dramaturgie das Publikum letzten Endes nicht doch zu einem Punkt X leiten. Nach gut eineinhalb Stunden hat der Trip durch die Untiefen des suggestiven Entscheidungstrainingscenters ein Ende. Das Licht erlischt. Der Applaus setzt ein.

    Ab dem 17. September sind Interrobang erneut in der Residenz zu Gast. Das Kollektiv wird sich unter dem Titel „Der Prozess 2.0“ mit Kafkas weltbekanntem Roman auseinandersetzen.

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