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Beim Leutzsch-Derby Polizisten angegriffen: BSG-Fan zu elf Monaten Haft auf Bewährung und Sozialstunden verurteilt

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    Sebastian O. hat heute gestanden. Als er sich auf den Fotos sieht, welche die Polizei geschossen hatte, muss er wohl einsehen, dass leugnen zwecklos wäre. Er gibt zu, am 9. Juli 2012, beim Derby der Fußballclubs BSG Chemie gegen Leipzig Leutzsch mehrere Polizisten angegriffen zu haben. Die beiden Clubs teilen sich den Alfred-Kunze-Sportpark.

    „An diesem Tag hatte Leutzsch das Hausrecht und das schien den BSGlern nicht zu schmecken“, berichtet Polizistin Susanne S. Ihre Einheit geleitete die BSG-Fans zum Gäste-Eingang. „Plötzlich stürmten einige das Kassenhäuschen“, schildert sie. Die Polizisten eilen der Kassiererin, die darin sitzt, zu Hilfe. „Ich spürte Tritte gegen meine Oberschenkel, sah mich um und erblickte den Angeklagten. Da dachte ich mir, den musst du dir merken.“ Als sie erneut getreten wird – diesmal in den Rücken, der durch eine Spezialweste geschützt ist – ist es wieder Sebastian O., der hinter ihr steht. Als die Beamten die Situation ums Kassenhäuschen entschärfen, greift dieser zu einer leeren Bierflasche und wirft sie gegen die Polizisten. „Sie traf mich an der Schulter, ist abgrepallt und hat den Kollegen neben mir getroffen“, schildert der Polizei-Obermeister heute am Amtsgericht Leipzig.

    Richter Peter Weber will wissen, warum Sebastian O. das getan hat. „Aus Dummheit“, sagt er. „Die Leutzscher Fans sind Nazis. Gegen die haben wir was“, so der 21-Jährige. „Woher wissen Sie das?“, will der Richter wissen. „Von gewissen Sprüchen, die die immer bringen“, sagt O. Seine persönlichen Verhältnisse gereichen ihm nicht zur Ehre: Die Lehre hat er vor einem Jahr abgebrochen, weil er sich mit dem Chef nicht verstand. Warum er sich bisher nicht um eine neue bemüht hat, das sagt er vor Gericht nicht.
    Staatsanwältin Grit Weise hält dem Hartz-IV-Empfänger eine Standpauke: „Sie sagen die Leutzscher seien Nazis aber was ist mit den BSG-Fans? Die randalieren, stürmen ein Kassenhäuschen, in dem eine Frau sitzt, die auch nur versucht ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“ Weise spricht Sebastians Verhältnisse offen an: „Diese Frau und auch die Polizisten, die sie angegriffen haben, sind Steuerzahler, denen Sie auf der Tasche liegen. Überlegen Sie sich endlich, was Sie aus Ihrem Leben machen wollen. Es ist traurig genug, dass Hundertschaften wegen eines Fußballspiels anrücken müssen. Mit ihrem Verhalten haben Sie dazu beigetragen, dass Familien an solchen Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen können ohne Angst um Leib und Leben zu bekommen.“

    In seinem Richterspruch folgte Peter Weber dem Plädoyer der Staatsanwältin und verhängte eine Strafe von elf Monaten Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Zusätzlich muss Sebastian O. in den nächsten acht Monaten 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. An die getretene Polizistin muss er 300 Euro, an den flaschengetroffenen Polizisten 200 Euro Schmerzensgeld zahlen. Sebastian O. nimmt das Urteil an. Er verspricht, sich zukünftig von Randalen fern zu halten.

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