Prozess um Jasmin-Mord: „Er war sehr aggressiv“

Das Landgericht Leipzig arbeitet weiter die Ermordung von Jasmin K. (19) auf. Die junge Frau war am 7. Juni auf dem Heimweg von der Disko von einem Bekannten überwältigt worden. Sebastian S. soll (19) die bewusstlose Frau vergewaltigt und anschließend erdrosselt haben.

Wie an den vergangenen Verhandlungstagen wirkte Sebastian S. am Dienstag zutiefst in sich gekehrt. Der drahtige Mann mit kurzen roten Haaren, Bartstreifen an Kinn und Wangen, sowie einem Piercing in der Unterlippe widmete Jasmins Eltern, die den Prozess als Nebenkläger verfolgen, erneut keine Aufmerksamkeit. Der Mörder legte seine gefalteten Hände sorgsam vor sich auf den Tisch und blickt über weite Strecken gen Boden. Möglicherweise ein Ausdruck von Scham. Immerhin kennt S. viele der anwesenden Beobachter persönlich.

Gut 20 Freunde und Angehörige der Getöteten nehmen seit Prozessbeginn wacker an allen Sitzungen des Schwurgerichts teil. Zum Auftakt und am zweiten Verhandlungstag, als Verteidiger Rainer Wittner das grausige (Teil-)Geständnis des Angeschuldigten verlas, waren fast alle Plätze des Saals 115 belegt.

Das Justizspektakel bleibt Beteiligten und Zuhörern Gott sei Dank erspart. Keine hitzigen Wortgefechte. Keine ausufernden Beweis- und Befangenheitsanträge. Der Eventcharakter, der den beiden ersten Prozesstagen anhaftete, ist inzwischen der Routine gewichen. Das mediale Interesse ging spürbar zurück. Selten saßen zuletzt mehr als vier Journalisten gleichzeitig im Saal. Viele Zuschauerplätze bleiben leer.

Die Aufklärung der Geschehnisse, die sich in der Nacht zum 7. Juni 2014 nahe Frohburg abspielten, gestaltet sich zäh. Trotz S.‘ geständiger Einlassung. Trotz eines dreistündigen Polizeivideos, das bei einer Ortsbegehung und bei Vernehmungen mit Sebastian S. entstanden ist. Das Band dokumentiert, wie der Täter in eigenen Worten zu seiner Tat steht.

Das Gericht ist angehalten, die Ausführungen des Angeklagten zu überprüfen. Dass S. zwar die Tötung seiner Bekannten einräumte, zu dem Sexualdelikt bislang jedoch keine Erklärung abgegeben hat, macht die Sache für die drei Richter und zwei Schöffen keineswegs einfacher.

Das Schwurgericht versucht seit Tagen, die letzten Wege des Angeklagten vor seiner Verhaftung am 9. Juni zu rekonstruieren. Am Dienstag sagte der Arzt aus, der S. am 7. Juni nach übermäßigem Drogenkonsum in einer Bornaer Klinik behandelt hat. „Er war sehr aggressiv“, bestätigte Johannes A. „Er musste von viel Personal, mit Polizeihilfe, von kräftigen Pflegern umgelagert werden.“

Parallel arbeitete die Kammer am Vormittag weiter die Arbeit der Ermittler auf. Eine Kriminaltechnikerin des Landeskriminalamts wurde am Dienstag ausgiebig zu Spuren an dem Auto befragt, in dem S. die junge Frau auf dem Heimweg von der Diskothek „Blue“ überwältigte.

Hundeführer berichteten, wie ihre Vierbeiner in dem Einfamilienhaus im Frohburger Ortsteil Hopfgarten, das Sebastian S. mit Mutter und Oma bewohnte, nach Blut und Verwesungsgerüchen gesucht haben. Die Tiere schlugen mehrmals an. Die Anklage nimmt an, dass Jasmin im Wohnzimmer der Mutter missbraucht und erdrosselt worden ist.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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