Für die Plakatierung in holprigem Englisch gab es keine Genehmigung vom Leipziger Ordnungsamt

Nicht nur die Leipziger Jungliberalen entdeckten zum Wochenbeginn in holprigem Englisch verfasste Aushänge im Leipziger Stadtbild. Sie sahen diese Plakate mit einem ganz und gar nicht ehrlichen „Please Welcome“ in Wahren, andere Plakate wurden im Leipziger Westen gesehen. Der Ton aber - auch wenn hier ein holpriges Englisch verwendet wird - kommt einem vertraut vor: Diese Oberlehrerarroganz haben in Sachsen nur die ganz Rechten.

„Please Welcome“, heißt es in falschem Englisch auf großen Plakaten, die spätestens seit Montag zahlreich in Wahren hängen. Während dies nach einem sprachlich missglückten Willkommensgruß klingt, verdeutlichen die darunter folgenden Zeilen, worum es den unbekannten Verfassern geht: ihre Religion, Kultur und Gesetze seien zu respektieren, ist vor schwarz-rot-goldenem Hintergrund zu lesen. Angesprochen fühlen sollen sich von dieser Aufforderung „Guests“, also Gäste. Dass kein Verantwortlicher für die – sicher nicht ganz billige – Aktion angegeben ist, nährt den Verdacht, dass hier Rechtsextreme am Werk waren, vermuten auch die Leipziger JuLis.

Entdeckt hat die Plakate Maximilian König, 21, der als Schatzmeister der Jungen Liberalen (JuLis) Leipzig fungiert. Er stieß Montagabend am Auensee auf einige Exemplare und konnte von dort eine regelrechte Spur bis zum Rathaus Wahren verfolgen. Sein Misstrauen war geweckt: „Neben dem fremdenfeindlichen Unterton fiel mir auf, dass an keiner Stelle zu erkennen war, wer diese Plakate aufgehängt hat.“

Dies sei ungewöhnlich, da es hier nicht um weggeworfene Flugblätter oder kleine Poster ginge, sondern um Plakate in keiner kleinen Größenordnung.

„Irgendjemand hat sich das Einiges an Mühe und Geld kosten lassen“, bilanziert König. Die JuLis stellten darum am Dienstag, 4. Oktober,  Nachforschungen an und erfuhren beim zuständigen Verkehrs- und Tiefbauamt, dass für die Plakate keine Genehmigung vorliegt.

Der Vorsitzende der JuLis, Rudi Ascherl, 27, hofft nun auf eine rasche Entfernung durch die Behörden. „Die Plakate sind eine fremdenfeindliche Provokation. Wer jeden, der nicht von hier stammt, pauschal als ‚Gast‘ behandeln möchte, kann nicht leugnen, wes Geistes Kind er ist.“

Zudem weist Ascherl auf die feine Ironie der Sache hin: „Statt anderen die plumpe ‚Willkommensbotschaft‘ zu übermitteln, dass die Gesetze einzuhalten sind, kann man doch mit gutem Beispiel vorangehen und illegales Plakatieren unterlassen“, so Ascherl kopfschüttelnd.

Dass hinter der scheinbar gastfreundlichen Begrüßung noch etwas anderes steckt, verrät dann der letzte Satz, mit dem die anonymen Plakatierer die „Gäste“ mahnen sich zu merken, dass sie hier nur Gäste sind.

Da fühlen sich augenscheinlich Leute, die von Gastfreundschaft gar nichts halten, dazu berufen, anderen zu erklären, wie sie sich als Gäste zu verhalten haben. Das ist der heutige Rechtsradikalismus in Sachsen: Ein freundliches Grinsen so falsch wie das des Wolfes, der gerade frische Kreide gefressen hat. Ob der freilich auch noch eine Religion hat, die er hier so frech fordert zu respektieren, darf man wohl bezweifeln.

FremdenfeindlichkeitRechtsradikale
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