Seit etwa 18:30 Uhr muss der Einsatz erst am Leipziger Hauptbahnhof, später dann an der Städtischen Bibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz angelaufen sein. Mit bis zu 26 Einsatzfahrzeugen und zwei Wasserwerfern hatte die Polizei offenbar die Bahn der Linie 16 umstellt. Der Grund waren nach bisherigen Erkenntnissen einige heimreisende Fans der BSG Chemie – oder genauer ein vorheriges Zusammentreffen mit einem bislang als „einem betrunkenen Lokfan“ bezeichneten Gegenüber.

So zumindest Sympathisanten auf BSG-Seite. Die Polizei spricht von Auseinandersetzungen am Hauptbahnhof, weshalb man das Großaufgebot in Gang setzte. Während sich die Fans der BSG Chemie nach einem 1:1 in Halberstadt auf dem Heimweg befanden, endete das Spiel in Probstheida gegen Energie Cottbus für die Lok ebenfalls in einem torlosen Remis. Beide Mannschaften und Fans  sahen den Verlauf ihrer jeweiligen Spiele gegen starke Gegner als gelungen an.

Weniger gelungen nun also der Heimweg für einige – derzeit ist von 30-60 die Rede – BSG Chemie-Fans, welche offenbar auf einen oder mehrere ebenfalls heimreisende Lok-Fans trafen. Erst wurden sie daraufhin am Bahnhof von der Polizei in eine Bahn gedrängt und anschließend am Wilhelm-Leuschner-Platz einer Personenkontrolle unterzogen.

Derzeit läuft die Debatte im Netz, ob es sich dabei um eine „Kollektivstrafe“ wegen eines aus BSG-Sicht kleinen Vorfalls seitens der Polizei handelt. Zumindest ist damit geklärt, warum sich ab etwa 19 Uhr ein Polizeihubschrauber über Leipzig in der Luft befand.

Update Polizeimeldung zum heutigen Tag in Leipzig (23:15 Uhr)

Fußballspiel 1. FC Lokomotive Leipzig gegen FC Energie Cottbus am 3. Oktober 2017

“Das Fußballspiel 1. FC Lokomotive Leipzig gegen FC Energie Cottbus, welches heute Nachmittag im Bruno-Plache-Station um 14:35 Uhr angepfiffen wurde, verlief unter den Augen der insgesamt 5.589 Fußballfans (davon 930 Gästefans) friedlich. Das Spiel endete gegen 16:30 Uhr mit einem Spielstand von 0:0. Sowohl die Anreise als auch der Abmarsch aus dem Stadion erfolgten ohne größere Störungen. Die Gästefans waren überwiegend mit Bussen, dem Zug aber auch mit ca. 130 Autos angereist. Die Heimfans nutzten zumeist die Straßenbahn.

Allerdings wurde dieses Spiel am frühen Abend von einer versuchten gefährlichen Körperverletzung rivalisierender Fußballfans des 1. FC Lokomotive Leipzig und BSG Chemie überschattet. Was war geschehen: Gegen 17:45 Uhr warten einige Lok-Fans auf dem Bahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofes, auf dem Fans des BSG Chemie von einem Auswärtsspiel aus Halberstadt mit dem Zug anreisen sollten. Doch jene Fans wurden noch vor Einfahrt des erwarteten Zuges durch Einsatzkräfte der Polizei aus dem Hauptbahnhof verwiesen.

Dennoch kam es auf dem Bahnhofsvorplatz, an der Zentralhaltestelle/Willy-Brandt-Platz, zu einem Übergriff einzelner BSG-Fans auf ein paar Lok-Fans. In dessen Verlauf stießen BSG-Fans einen Lok-Fan vor eine einfahrende Straßenbahn, der jedoch nicht von dieser erfasst wurde (glücklicherweise). Zudem warfen BSG-Fans Flaschen in Richtung der polizeilichen Einsatzkräfte, die mit der Klärung der Situation beauftragt waren.

Absperrung am Peterssteinweg. Foto: Andreas Bernatschek
Absperrung am Peterssteinweg. Foto: Andreas Bernatschek

Aufgrund des Geschehens, bei dem mindestens der Verdacht der versuchten gefährlichen Körperverletzung im Raum steht, erfolgte die Identitätsfeststellung jener Personengruppe, aus deren Mitte heraus die mutmaßlichen Tatverdächtigen handelten. Dazu wurde die Weiterfahrt der Straßenbahn unterbunden.

Aufgrund der langandauernden identitätsfeststellenden Maßnahmen kam es zu Verzögerungen und Behinderungen im öffentlichen Personen- und Nahverkehr. Gegen 20:48 Uhr waren die Maßnahmen vor Ort beendet und die Beschränkungen aufgehoben.

Zu der gefährlichen Körperverletzung und den weiteren im Zusammenhang mit dem Fußballspiel stehenden Straftaten: vier Beleidigungen, dem Diebstahl eines Autos, einer versuchten gefährlichen Körperverletzung in Verbindung mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, einer einfachen Körperverletzung in Verbindung mit der Zerstörung von wichtigen Arbeitsmitteln und einer Strafvereitelung dauern die Ermittlungen an.”

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FC Lok Leipzig vs. Energie Cottbus 0:0 – Lok „erdet“ Energie

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