Leipzig braucht mehr Nachdruck, wenn es für die vielen neuen Kitas auch die nötigen Erzieherinnen sichern will

Für alle LeserDie Sächsische Regierung sicherte zwar jüngst aus Anlass einer Landtagsanfrage der Grünen zu, dass es in Sachsen keinen Mangel an Erzieherinnen und Erziehern für Kindertagesstätten gäbe. Es würden jedes Jahr 2.000 Fachkräfte ausgebildet. Aber Rückmeldungen von betroffenen Eltern in Leipzig geben ein anderes Bild. Und aus Sicht der SPD-Fraktion wird der Mangel an Betreuerinnen und Betreuern langsam zum gravierenden Problem.

Die SPD-Fraktion werde immer wieder von Eltern damit konfrontiert, dass Personal in den Kindertageseinrichtungen fehle. Auch Kita-Träger würden häufig davon berichten, dass qualifiziertes Personal immer schwerer zu bekommen sei. Was ja bedeutet, dass der forcierte Ausbau der Tagessstätten gar nichts nützt, wenn man hinterher kein Betreuungspersonal findet.

Bildet Sachsen also zu wenig aus? Oder ist das ein ganz spezielles Leipziger Problem, das jetzt akut zu werden droht?

Das will die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat jetzt jedenfalls genauer wissen und fragt daher in ihrer Anfrage „Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern“ nach, was sich seit der „Personalentwicklungskonzeption für den Kita-Bereich“ der Stadt Leipzig von 2013 geändert hat.

„Aufgrund fehlender Erzieherinnen und Erzieher können heute schon in einigen Kitas nicht alle Plätze belegt werden, da sonst die gesetzlichen Vorgaben zum Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden können. Vor einer solchen Situation hatten wir bereits 2012 gewarnt“, merkt Christopher Zenker, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion, an. Was ja die Vermutung nahelegt, dass die Stadt hier zu wenig Mühe aufgewandt hat, auch das nötige Personal für die neuen Kindertagesstätten zu bekommen.

„Die Kita steht, Kinder, die gerne einen Platz hätten, gibt es auch genug, nur die Erzieherinnen und Erzieher zu finden, ist sehr mühsam und zeitaufwendig“, beschreibt Zenker das Problem. „Trotz dieses Umstandes setzt die Stadtverwaltung bisher kaum auf berufsbegleitende Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Die berufsbegleitende Ausbildung, als Ergänzung zur rein Schulischen Ausbildung, hat den Charme, dass die Auszubildenden bereits während ihrer Ausbildung die Betreuungssituation entspannen. Unsere Anfrage ist daher auch als Aufforderung zu verstehen, die von uns geforderte duale Ausbildung endlich auch in kommunalen Kitas in einem größeren Umfang umzusetzen. Insgesamt muss die Stadt neben den Bau von neuen Kitas auch die Personalentwicklung in den Einrichtungen stärker in den Fokus rücken. Denn die Personalsituation wird sich in den nächsten Jahren eher verschärfen und dann nützen Platzkapazitäten auf dem Papier nichts, wenn man diese durch Personalmangel nicht füllen kann.“

Und dann erinnert er noch an den Ausbildungsgrundsatz der Stadt Leipzig, der da lautet: „Die Planung sichert die Zukunftsfähigkeit der Verwaltung.“ Dies müsse auch für Erzieherinnen und Erzieher gelten.

Und so neu sei das Thema ja nicht. 2013 hatte es zu einer ersten Stadtratsinformation geführt, erinnert die SPD-Fraktion in ihrer Anfrage.

Hier ist sie:

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in den Kindertagesstätten steigt Jahr um Jahr. Mehr zu betreuende Kinder bedeuten auch, dass mehr Erzieherinnen und Erzieher benötigt werden. Die Stadt Leipzig muss neue kommunale Einrichtungen ans Netz geben und braucht hierfür zusätzliches Personal. Zudem werden in den nächsten Jahren einige Erzieherinnen und Erzieher in den Ruhestand gehen. Ende 2013 legte die Stadtverwaltung, durch Beschluss eines Antrages der SPD-Fraktion, eine Informationsvorlage „Personalentwicklungskonzept für den Kita-Bereich (V/3402)“ vor. Quintessenz der Informationsvorlage war, dass es für die kommunalen Kitas noch mehr Bewerber gab als Stellen und dass die Ausbildungssituation im Freistaat Sachsen im Bereich Erzieher positiv eingeschätzt und kein Fachkräftemangel gesehen wurde. Wir werden aber immer wieder von Kitas wie auch von Eltern damit konfrontiert, dass Personal fehlt und qualifiziertes Personal schwer zu bekommen ist. Dazu haben wir folgende Fragen:

Wie viele Absolventen, welche als Erzieherinnen und Erzieher arbeiten dürfen, sind in den nächsten drei Jahren in Leipzig zu erwarten?

Wie viele zusätzliche Stellen für Erzieherinnen und Erzieher entstehen in den nächsten drei Jahren durch Neubau und Erweiterung von Kitaeinrichtungen in Leipzig? (Bitte unterteilen nach Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft und nach Jahr)

Wie viele Stellen müssen in den nächsten drei Jahren neu besetzt werden, um die Altersabgänge in den Kindertagesstätten zu kompensieren? (bitte Unterteilen nach Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft und nach Jahr)

Wie viele Stellen müssen in den nächsten drei Jahren neu besetzt werden, um die Erhöhung des Betreuungsschlüssels in den Kindertageseinrichtungen zu kompensieren? (bitte Unterteilen nach Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft und nach Jahr)

Bekanntlich besteht der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern nicht nur in Leipzig, sondern ist ein sachsen- bzw. bundesweites Problem, was unternimmt die Stadt Leipzig, um qualifiziertes Personal langfristig zu binden?

Plant die Stadt Leipzig Erzieherinnen und Erzieher selber auszubilden? Wenn nein, warum nicht? Wenn Ja, ab wenn und setzt die Stadt dabei auch auf berufsbegleitende Ausbildung? Wenn nein, warum spricht sich die Stadt gegen berufsbegleitende Ausbildung aus?

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Kindertagesstätten
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