Audio – Legida intern: „Radio Blau“ zeichnet Aussagen im Demonstrationszug auf

Man muss schon genau hinhören, wenn man den knapp über 5-Minuten-Mitschnitt von „Radio Blau“ vom Montag, den 23. Februar in seiner Gänze begreifen will. Ein Reporter des Leipziger Bürgerradios hat etwas getan, was Journalisten nur begrenzt offensteht. Er ist vor einer Woche mit einem laufendem Mitschnittgerät bei Legida in Leipzig mit“spaziert“. Was er dabei quasi illegal aufgezeichnet hat, veranlasste am 2. März Silvio Rösler auf der Bühne zu der Aussage, man möge sich nicht provozieren lassen. Provozierend sind jedoch einzig die Aussagen der Legida-Demonstranten.

Der Mitschnitt von Radio Blau vom 23. Februar im Legida-Zug


Denn was der Legida-Vorstand Silvio Rösler bei dem Begriff „Provokation“ am 2. März bei der Erwähnung von „Radio Blau“ als „linkes Radio“ wegließ: Der Bürgerreporter hatte nichts weiter getan, als die Aussagen seiner Legida-Anhänger mitzuschneiden, ohne sich selbst zu beteiligen. Und diese Ansagen haben es in sich. Denn sie zeigen, wie sich ein Teil von Legida selbst definiert.

Radio Blau hat den Mitschnitt als „Creative Commons“ zur Verfügung gestellt, weshalb auch dieser Beitrag selbstverständlich frei verfügbar bleiben wird.

In der Beschreibung dessen, was zu hören ist, schreiben die „Radio Blau“ – Macher selbst: „Unser Reporter ist zwei Stunden bei Legida mitgelaufen und hat einfach nur Gespräche bei dem Aufmarsch mitgeschnitten. Zwischen dem ganzen „Wir sind das Volk“- „Jung muß weg“- und Neonazi-Gegröle war weniges zu verstehen, aber das hat es in sich.“

So bleibt es erstmal „nur“ bei menschenverachtenden Parolen, wie die Aufforderung, man möge „den Müll von der Straße kehren“. Gemeint ist die Gegendemonstration, ein Mitredner schlägt vor, den Flammenwerfer hineinzuhalten, ein anderer möchte gern einen Panzer senden und jemand meint, es ginge schneller, wenn Männer „im wehrfähigen Alter nach vorne gelassen würden“. Arbeitslager für missliebige Politiker gehören hier ganz selbstverständlich zum „guten“ Ton.

Geballte Gewaltfantasien von Menschen, die immer wieder betonen wollen, gewaltfrei für ihre Belange einzustehen. Gleich zu Beginn taucht die Idee auf, dass jede Frau 10 Kinder bekommen müsste, damit es „wieder was wird mit Deutschland“ – das eiserne Mutterkreuz ist da nicht mehr weit.

„Radio Blau“ zu diesen Passagen: „ … wie den Legidisten das über die Lippen kommt, locker-flockig, ja fröhlich, das lässt tief blicken. Vor allem zwei ältere Herren machen ihrem Menschenhass mehrfach Luft, wollen Protestler_innen abfackeln, Asylbewerber_innen per „unserem 11. September“ umbringen, Politiker_innen lynchen und alles und jeden ins Arbeitslager, den Steinbruch, oder was auch immer stecken.“

Und ja, auch der gute Deutsche würde seine Lieder kennen, das Horst Wessel-Lied „Die Straße frei“ wäre doch dran. Dieses Lied sei zu singen, so ein Legida-Teilnehmer.

„Das ist eine Anhörwarnung.“ schließen die Radiomacher. Eher nicht. Wenn man wissen möchte, wer bei Legida mitläuft und sich fragt, wo die Grenze zwischen Dummheit und Volksverhetzung liegt, muss es eher als Anhörempfehlung empfinden.

Legida/Pegida* Audio *
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