Ein richtiges Aufregerthema war am 26. November in der Ratsversammlung zum Auftakt der Fragestunde das neue Logo und Design der Stadtverwaltung. Die CDU-Fraktion hatte dazu eine Anfrage gestellt, auch Stefan Rieger (fraktionslos) wollte genauer wissen, was der neue Auftritt am Ende tatsächlich gekostet hat und ob das Ganze überhaupt Sinn ergibt. Und nach dem großen Tamtam in der LVZ, das erst recht die Gemüter hochkochen ließ, war auch völlig unklar, was das Ganze nun tatsächlich gekostet hat.
Mal ganz abgesehen davon, dass auch die Ratsfraktionen sich überrollt fühlten, wie CDU-Stadtrat Lucas Schopphoven anmerkte, und im Entstehungsprozess des neuen Corporate Designs nicht beteiligt wurden.
„Am 5. November 2025 wurde das neue Corporate Design der Stadt Leipzig eingeführt. Laut Medienberichten und städtischen Mitteilungen belaufen sich die tatsächlichen Gesamtkosten auf etwa 665.000 Euro, während ursprünglich 50.000 Euro veranschlagt waren“, bezog sich die CDU-Fraktion in ihrer Anfrage auf das große Tamtam in der LVZ.
Und da waren ganz offensichtlich einige Kostenblöcke mächtig durcheinander geraten. Am Ende diskutierte die halbe Stadt über 700.000 Euro in der ziemlich schnell verfestigten Meinung, das Geld sei allein für das neue Logo ausgegeben worden.
Was hat es tatsächlich gekostet?
Was das Ganze tatsächlich gekostet hat, listete das Referat Kommunikation in seiner Antwort so auf: „Die Kosten für die anschließende Entwicklung des Corporate Designs inklusive Markenanalyse, Designentwicklung, Adaption für leipzig.de inklusive Neukonzeption der Informationsarchitektur, UX-Styleguide und Komponentenbibliothek, Prototyping (Click Dummy), User Testing und Online-Styleguide/Markenportal sowie das damit zusammenhängende Projektmanagement, die Projektkommunikation und die Produktion und Durchführung belaufen sich insgesamt auf rund 390.000 Euro.
Darin enthalten: die Logoentwicklung mit rund 15.000 Euro, Projektmanagement mit einem Volumen von rund 30.000 Euro, Design der Website (mit Konzept UX/UI&Icons, Design System & Styleguide) mit Prototyping&Testing und verbundenen Leistungen rund 139.468Euro.
Im Leistungsbaustein zur Entwicklung des Corporate Designs nicht enthalten: die Entwicklung der Schrift sowie die Umsetzung des Designs auf Leipzig.de. Die Schrift schlug mit rund 93.000 Euro zu Buche, die Umsetzung des neuen Corporate Designs auf leipzig.de trug mit rund 114.000 Euro zur Gesamtrechnung bei. Den Kosten für die Schriftentwicklung entgegenzustellen sind langfristige Einsparungen bei den Lizenzen für eine bereits bestehende Schrift.“
Das kann man nun einfach addieren: 390.000 plus 93.000 plus 114.000 macht 597.000 Euro.
Dazu kamen dann noch die Kosten für das Lastenheft, die der Stadtrat ursprünglich mit 50.000 Euro genehmigt hatte. Lastenheft heißt ganz einfach: Eine möglichst konkrete Beschreibung dessen, was der Auftraggeber Stadt von der beauftragten Agentur alles bekommen wollte.
„Wie in 1.1 geschildert: die ursprünglichen 50.000 Euro (inkl. Lastenheft 60.000 Euro) bezogen sich auf die initiale Beratungs- und Analysephase“, schreibt das Referat Kommunikation. „Der Beschluss der Verwaltungsspitze belief sich über eine Summe von bis zu 500.000 für die Erstellung des Designs und die Umsetzung. Über diesen Beschluss wurde der Ältestenrat informiert.“
Die 60.000 kommen noch obendrauf. Womit die 657.000 beisammen sind.
Waren denn die Ratsfraktionen nicht eingebunden?
Aber das Logo allein – also der nun stilisierte tanzende Löwe – kostete nur 15.000 Euro. Der größte Anteil der Summe ging für das neue Design und die Umgestaltung der Homepage der Stadt drauf. Was man nicht unterschätzen darf. Hinter leipzig.de stecken mittlerweile 3,5 Millionen einzelne Seiten, die ins neue Design überspielt und möglichst barrierearm strukturiert werden mussten.
Und dazu kommt: „Die Entwicklung der Schrift war kein Bestandteil der ursprünglichen Kostenschätzung. Auch die Umsetzung des Corporate Designs auf Leipzig.de konnte erst nach Konzeption des Corporate Designs und Analyse der Vorgaben zur Neukonzeption der Informationsarchitektur in die Bilanz mit einfließen; ohne genaue Kenntnis über Art und Umfang eines neuen CD wäre eine Vorabkostenschätzung unseriös gewesen.“
Aber Lucas Schopphoven, der am 26. November noch eine ganze Frageliste aufblätterte, fragte sich trotzdem: Waren denn die Ratsfraktionen zu irgendeinem Zeitpunkt in die Entwicklung des neuen Corporate Designs eingebunden?
Irgendwie lautet die Antwort: Jein.
„Der Oberbürgermeister hatte den Ältestenrat ursprünglich bereits am 4. Mai 2022 über die Absicht einer Neugestaltung des städtischen Designs und die geplante Ausschreibung informiert. Es folgten weitere Informationen des Ältestenrats über den aktuellen Stand des Projekts sowie vor einigen Wochen über das konkrete Aussehen des finalen Designs“, hat das Referat Kommunikation geantwortet. Ältestenrat heißt: die Fraktionsvorsitzenden.
Das Stadtwappen wird nicht angetastet
Aber die größte Irritation hatte ja die LVZ anfangs damit ausgelöst, dass sie den Lesern suggerierte, Leipzig bekäme nun ein neues Stadtwappen verpasst.
So hatte dann auch die CDU-Fraktion gefragt: „Wie ist das neue Wappen mit der in der Hauptsatzung §2 Abs. 3 festgelegten Definition des Erkennungszeichens neben dem Hoheitszeichen vereinbar?“
Und das Referat Kommunikation erklärte: „Beim neuen Logo der Stadt Leipzig handelt es sich nicht um ein Stadtwappen. Die Verwendung des neuen Logos erfolgt in Ergänzung der Wappen-Regelungen in der Hauptsatzung.“
Das Leipzig-Wappen bleibt als Hoheitszeichen erhalten. Und zwar – wie OBM Burkhard Jung zusicherte – auf allen amtlichen Dokumenten der Stadt. Das Amtsblatt der Stadt gehöre dazu, so Burkhard Jung. Dass es in der Woche vor der Ratsversammlung nicht mit Wappen, sondern mit dem neuen Logo erschien, sei ein Fehler gewesen. Das sollte korrigiert werden.
Warum wurde die Design-Entwickung nicht gestoppt?
Aber Schopphoven interessierte auch die Finanzierungsfrage. Denn warum hat der OBM die Entwicklung des neuen Corporate Designs nicht gestoppt, als 2024 deutlich wurde, dass Leipzig in ein riesiges Haushaltsdefizit hineinschlitterte?
„Darüber haben wir tatsächlich nachgedacht“, sagte Jung am 26. November. Aber zu dem Zeitpunkt war die Entwicklung des Corporate Designs schon beauftragt. „Ein Abbruch des Prozesses war einfach nicht zu verantworten.“
Doch Schopphoven hakte nach. Denn man hätte die Sache ja auch früher abblasen können. 2023 zum Beispiel. Aber da, so Burkhard Jung, erwirtschaftete Leipzig noch ein Millionenplus. Der Stadt ging es gut. Niemand dachte an eine Haushaltssperre und auch nicht daran, dass die Stadt ab 2024 mit den steigenden Sozialkosten immer tiefer in die roten Zahlen rutschen würde. Mit einer Geschwindigkeit, die niemand vorhersehen konnte.
Dass die Unterscheidung zwischen dem offiziellen Stadtwappen – blau-gelb mit Wettiner Löwe – und einem Logo für die Verwaltung nicht so einfach ist, machte dann der fraktionslose Stadtrat Stefan Rieger, der selbst eine Anfrage gestellt hatte, mit seiner Nachfrage deutlich. Aber das hatte eben auch mit etwas zu tun, was Lucas Schopphoven gleich zum Anfang gefragt hatte: Ob denn die Kommunikation der Stadt zum neuen Design nicht irgendwie ziemlich schlecht gewesen sei.
Und das gab Burkhard Jung dann auch zu. Die Kommunikation sei wirklich nicht gut gelaufen. Letztlich war sie eine Steilvorlage für jede Menge Aufregung und einen Hauruck-Artikel in der LVZ, der die Gemüter der Leipziger zum Wallen brachte. Woran dann auch der nachgereichte Klarstellungsartikel nichts mehr änderte.
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