Im November 2025 führte die Stadt Leipzig ein neues Corporate Design ein und nutzt es seitdem flächendeckend. Zeitweilig war es sogar auf dem Amtsblatt abgedruckt, wo es ganz bestimmt nicht hingehört. Und in den Stadtratsdiskussionen wurde auch deutlich, dass überhaupt nicht klar ist, wo eigentlich die Grenze zwischen einem Corporate Design und einem Stadtwappen ist. Ein Ergebnis, das besonders den Fotografen Ron Kuhwede beängstigt: Das traditionelle Stadtwappen wurde dabei aus dem Großteil der öffentlichen Kommunikation verdrängt.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 665.000 Euro aus öffentlichen Mitteln. Eine Bürgerbeteiligung fand zu keinem Zeitpunkt statt. Die Kostenaufschlüsselung wurde erst nach monatelanger Nachfrage durch Medien und Stadtratsmitglieder veröffentlicht.

Seit November 2025 fordert der Leipziger Fotograf Ron Kuhwede in einer formellen Petition eine Bürgerbeteiligung zum neuen Stadtlogo sowie die Klärung der rechtmäßigen Verwendung des Leipziger Stadtwappens. Über 16.000 Menschen haben die parallel auf Open Petition veröffentlichte Petition unterzeichnet. Am 5. März hat Ron Kuhwede den offiziellen Bescheid des Oberbürgermeisters erhalten – und stellt fest: Seine Kernforderungen wurden vollständig ignoriert.

Petition auf der langen Bank

Ron Kuhwede reichte die formelle Petition am 6. November 2025 beim Petitionsausschuss der Stadt Leipzig ein (Aktenzeichen VIII/2025/197). Gemäß § 35 der Sächsischen Gemeindeordnung wäre ein begründeter Bescheid spätestens bis zum 18. Dezember 2025 fällig gewesen. Erst auf aktives Nachhaken erhielt er am 23. Januar 2026 eine Zwischennachricht – nicht auf Initiative der Verwaltung.

Der offizielle Bescheid des Oberbürgermeisters ist auf den 16. Februar 2026 datiert – wurde Ron Kuhwede jedoch erst am 5. März 2026 übergeben. Auch das nur, weil er erneut selbst nachgehakt hatte, betont er.

In einer Antwort an den fraktionslosen Stadtrat Stefan Rieger erklärte das Büro des OBM die Einführung des neuen Corporate Designs so: „Grundsätzlich: Das alte Wappen der Stadt Leipzig bleibt bestehen; ihm an die Seite gestellt wird ein neues Logo, das eine deutlich verbesserte, vor allem digitale Kommunikation ermöglicht.

Das neue Logo ist Teil eines umfangreichen, neuen Corporate Designs der Stadt Leipzig. Bislang gab es lediglich ein veraltetes visuelles Erscheinungsbild, mit dem eine zeitgemäße, digitale Kommunikation nicht mehr möglich war. Die Einführung eines neuen Corporate Designs ist Bestandteil des Arbeitsprogramms des Oberbürgermeisters, das den Stadträtinnen und Stadträten übergeben worden war, und damit seit Jahren öffentlich bekannt.“

Dass im Corporate Design auch ein neues Logo entstehen würde, war dann freilich für die meisten Ratsfraktionen eine Überraschung.

Stadtwappen versus Stadtlogo

Der Bescheid des Oberbürgermeisters erläutere in seinem Bescheid die Kostenstruktur des bereits umgesetzten Rebrandings und erkläre, das Stadtwappen bleibe formal erhalten, so Kuhwede. Die zentrale Forderung der Petition – eine öffentliche Bürgerbeteiligung über das bereits eingeführte und aktiv genutzte Erscheinungsbild der Stadt – werde mit keinem einzigen Wort beantwortet.

Weiterhin werfe die Petition die Frage auf, ob die faktische Verdrängung des Stadtwappens aus der gesamten öffentlichen Kommunikation mit § 6 der Sächsischen Gemeindeordnung vereinbar ist, der das Wappen als amtliches Hoheitszeichen schützt. Auch hierzu enthält der Bescheid keine Stellungnahme.

Nächste Petition geht an den Sächsischen Landtag

Da das kommunale Petitionsverfahren die Kernforderungen nicht beantwortet hat, will Ron Kuhwede eine Petition an den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtags einreichen. Der Landtag-Petitionsausschuss kann die Kommunalaufsicht einschalten und verfügt damit über einen wirksameren Hebel gegenüber der Stadtverwaltung.

Mit der Landtagspetition fordert er eine nachträgliche öffentliche Bürgerbeteiligung zum bereits eingeführten Erscheinungsbild der Stadt Leipzig, eine vollständige Transparenz über alle Entscheidungs- und Kostenstrukturen des Rebrandings und eine rechtliche Prüfung der Wappenverwendung durch die zuständige Rechtsaufsichtsbehörde.

„Es geht mir nicht darum, das neue Logo um jeden Preis rückgängig zu machen. Es geht darum, dass eine Entscheidung von dieser Tragweite – mit einem Kostenvolumen von 665.000 Euro und dem Verschwinden eines historischen Hoheitszeichens aus dem gesamten Stadtbild – nicht hinter verschlossenen Türen getroffen werden durfte“, erklärt Ron Kuhwede.

„Das neue Design wird bereits überall verwendet. Der Bescheid des Oberbürgermeisters beantwortet meine Kernforderung nach Bürgerbeteiligung mit Schweigen. Das ist keine akzeptable Antwort an über 16.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.“

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