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Kommentar: Keine Ruhe für die Grundschule am Rabet

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    Die Schule am Rabet ist wieder in den Schlagzeilen. Das überrascht, weil die Sächsische Bildungsagentur eigentlich möglichst geräuschlos die Probleme angehen wollte. Und es überrascht dann wieder überhaupt nicht, weil am kommenden Dienstag viel Prominenz aus Bund und Land die Schule besucht. Unter diesen Umständen ist es wirklich nicht leicht, nichts zu berichten. Die LVZ hat daraus ein größeres Thema gemacht. Zeit also, den aktuellen Stand zu beleuchten.

    Eigentlich gibt es diesen Artikel nicht. Der Leiter der Sächsischen Bildungsagentur Regionalstelle Leipzig, Ralf Berger, hat der Leipziger Volkszeitung nichts anderes gesagt als der L-IZ: „Wir sind dabei, die Schule in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen und arbeiten daran, Defizite anzugehen.“ In gleicher Weise äußerte sich denn auch sein Pressesprecher in einem Telefonat vergangener Woche: „In diesem Schuljahr nicht mehr. Es ist ein sensibler Prozess.“ Sollte heißen, in diesem Schuljahr wäre es kontraproduktiv, wenn in den Medien über die Schule berichtet wird. Klar. Das wird jeder Journalist einsehen. Es sei denn Prominenz aus Bund und Land kommt in die Schule. Die Wahrscheinlichkeit, dass darüber keiner berichtet, ist verschwindend gering. Und wenn berichtet wird, dann natürlich auch über weiterhin bestehende Schwierigkeiten.

    Die LVZ beschäftigt sich an diesem Wochenende fast ganzseitig mit der Schule. Unter dem Titel „Ringen am Rabet“ werden nochmals die Facetten der Probleme rund um die Grundschule behandelt. Ausgangspunkt ist nochmal das Schreiben von Elternvertretern

    Ein Brief und seine unbeabsichtigten Folgen

    Der hatte einen mediale Sturm ausgelöst. Unterschrieben war der Brief unter anderem von der Vorsitzenden des Elternrates Katarzyna Pawlitzki. Der Brief gefiel nicht jedem im Elternrat. So gab es in der L-IZ ein Interview, in dem Birgit Simmank erklärte: „Diese Aktion wurde nicht in den öffentlichen Elternratssitzungen besprochen.“ Der Vorsitzende des Fördervereins der Schule bestätigte und begründete das Vorgehen gegenüber der L-IZ: „Es gab keine Abstimmung vor der Veröffentlichung dieses Briefes im Elternrat. Grund hierfür ist, dass wir drei als Verfasser nicht im Namen des Elternrates geschrieben haben. Die Situation an der Schule hatte sich durch die Erkrankung der Schulsozialarbeiterin derart zugespitzt (bei dem Elternratsvorstand häuften sich gravierende Fälle an), dass ein rasches Handeln nötig war, zumal die SBAL für ein schnelles, klärendes Gespräch nicht für uns erreichbar war.“

    Nicht mit allen Artikeln waren die Unterzeichner einverstanden. So kommentierte Krüger einen Artikel der Zeit mit den Worten:  „Im Artikel werden entsprechende Einzelfälle als Regel dargestellt, was sie nicht sind. Entschieden widersprechen wir dem Satz „Immer wieder würden Lehrer die Kontrolle über sich verlieren (…).“ Die meisten Lehrer sind engagiert und kompetent und leisten jeden Tag sehr gute Arbeit in den Klassen. Das Hauptproblem ist eine Personalie: die überforderte Schulleitung.“

    Strukturelle Probleme oder überforderte Schulleiterin?

    Die Bibliothekarin der Schule, Monika Schmid, sieht eher strukturelle Probleme: „Viele der in die Schule am Rabet eingeschulten Kinder sind sozial benachteiligt, sie können aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen in den Familien nicht ausreichend kulturell gefördert werden, einige sind emotional bedürftig. Es bedarf aller Unterstützung für diese Kinder, um diese Defizite abzubauen. Der Mangel an Hilfen ist jedoch struktureller Art, die Schule versucht, sich nach Kräften zu behelfen. Sie kann jedoch fehlende Schulsozialarbeiter, Sprachmittler, Lehrerstunden für Förderunterricht usw. nicht ersetzen.“

    In einem Gespräch mit Ralf Berger Ende März 2015 wurde deutlich, dass die Sächsische Bildungsagentur nicht mit diesem Brief gerechnet hat: „Wir waren alle völlig überrascht.“ Es habe doch viele Gespräche gegeben und manches sei ja auch schon erreicht worden: „Die Schule arbeitet an einem Maßnahmenpaket. Die haben noch nicht alles umgesetzt, aber sie haben sich auf den Weg gemacht.“ Manche wollten und wollen gerne eine neue Schulleiterin. Ob das allerdings die Schwierigkeiten lösen würde? Manches deutet darauf hin, dass die Schwierigkeiten nicht so einfach zu lösen sind. Und dass der Mantel des Schweigens nur mäßig funktionieren kann.

    Verschwiegenheit und Aktionstag

    Am Mittwoch, 15. April, gab es einen Abend mit zwei externen Mediatoren. Bei diesem Abend wurden alle Parteien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nach dieser großen Runde gab es dann einzelne Gespräche mit dem Elternratsvorstand, mit dem Vorsitzenden des Fördervereins Uwe Krüger und mit Vertretern der Sächsischen Bildungsagentur. Dabei wurden die Details einer Mediation besprochen. Wie diese allerdings aussehen könnte, blieb umstritten. Uwe Krüger sagte dazu nun gegenüber der L-IZ: „Wir wollten Moderatoren, die diese Probleme auf breiterer Front bearbeiten.“ In der vorliegenden Form sah sich auch der Elternrat nicht in der Lage, den Mediationsvertrag zu unterschreiben. Ein großes Drama ist das noch nicht. Die Arbeit gehe ja weiter, erklärte Krüger: „Es ist ja nicht so, dass nichts passiert oder dass keiner miteinander redet. Es gibt weiterhin die ganz normalen Treffen mit der Schulleitung und dem Elternratsvorstand, es gibt ganz normal Fördervereinsmitgliedsversammlungen und es wird an Projekten gearbeitet. Von daher kann es auch ohne Mediation weiterlaufen.“

    Aufhänger nun aber doch der Aktionstag und der große Bahnhof am kommenden Dienstag, 7. Juli 2015, an der Schule. Dann sind die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) zu Gast. Irgendwie war schon an dieser Stelle klar, dass die Idee, in Ruhe und ohne Öffentlichkeit den gordischen Knoten zu lösen, nicht wirklich klappen dürfte. Inzwischen haben sich für Dienstag weitere Besucher angemeldet: Die Leipziger Bundestagsabgeordnete Monika Lazar (GRÜNE) und der Integrationsbotschafter des DFB Jimmy Hartwig werden nun ebenfalls mit von der Partie sein.

    Gemischte Gefühle zum neuen Rummel

    „Es ist immer gut, wenn sich Leute von außerhalb für diese Schule interessieren. Je mehr Leute da drauf gucken, desto höher ist der Druck, dass sich die Verhältnisse dort wandeln. Das Vergnügen ist gemischt, wenn man sieht, wie Leute kaputt gemacht wurden, die genau dafür von unten gekämpft haben.“, erklärt Krüger.  Während auch die stellvertrende Elternratsvorsitzende Ulrike Geisler damit den aktuellen Artikel der LVZ begrüßt, zeigen sich andere in der Schule irritiert.  „Meine Wahrnehmung ist, das der Konflikt sehr, sehr verhärtet ist.“, schreibt Birgit Simmank an die L-IZ.

    Inzwischen existiert eine Homepage – die war lange angemahnt worden – und auf der Homepage findet sich nun der Maßnahmenkatalog in der Fassung vom 25.6.2015. Zu dem gehört die Öffnung nach außen. Der Hort nimmt am Neustädter Frühstück am 5. Juli teil, ein Schul-T-Shirt soll das Wir-Gefühl der Schüler stärken und man entwickelt vielfältige – durchaus erfolgreiche – sportliche Aktivitäten. Die Schule steht in der Öffentlichkeit, insofern ist es naheliegend auch in der Medienarbeit offen zu sein. Das macht dann das Bild vielschichtiger und kann am Ende sogar dazu beitragen, Brücken zwischen den streitenden Parteien aufzubauen.

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