Künstlerische Installation an der Theklaer Straße erinnert künftig an die Namen der Toten

Gedächtnis wird eigentlich immer erst konkret, wenn Namen auftauchen und die persönlichen Schicksale zumindest zu erahnen sind. Auch wenn die über 200 Toten, derer mit dem Mahnmal in Leipzig-Abtnaundorf gedacht wird, ihre Geschichte nicht selbst erzählen können. Am Samstag, 27. Januar, wird vor dem Mahnmal eine neue künstlerische Installation eingeweiht, die vielen Opfern erstmals einen Namen gibt.

Das etwa zehn Meter lange Objekt des Leipziger Künstlers Harald Alff besteht aus 208 Stelen aus Corten-Stahl, in die die Namen aller bekannten Opfer des Konzentrationslagers „Leipzig-Thekla“ sowie des „Massakers von Abtnaundorf“ eingestanzt sind, teilt die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig mit.

„Mit dieser Kunst-Installation, die an undurchdringlichen Stacheldraht erinnert, geben wir den Opfern ihre Namen zurück“, erklärt Anne Friebel von der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Die Namen werden im öffentlichen Raum sichtbar gemacht, die Toten individualisiert. Bei den jährlichen Gedenkveranstaltungen werden die Opfer nun so symbolisch in die Mitte der Teilnehmenden genommen.

205 Todesopfer sind nach neuesten Forschungen bekannt, drei leere Stelen verweisen auf mögliche neue Erkenntnisse in der Zukunft. Die Opfer kamen mehrheitlich aus der Sowjetunion und Polen, aber auch aus Frankreich, dem Protektorat Böhmen und Mähren, Italien, Kroatien, Rumänien und Ungarn. Die meisten von ihnen waren zwischen 20 und 35 Jahren alt. Viele Häftlinge starben beim Transport ins Lager, durch Luftangriffe oder „allgemeine Schwäche“. 87 Männer wurden beim „Massaker von Abtnaundorf“ erschossen oder verbrannt, 66 von ihnen konnten nicht identifiziert werden.

Seit September 1958 erinnert an der Theklaer Straße in Leipzig-Abtnaundorf ein Obelisk an eines der schrecklichsten Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Leipzig. Mehr als 80 Häftlinge wurden hier am 18. April 1945 in einer Baracke des Konzentrationslagers „Leipzig-Thekla“ verbrannt oder auf ihrer Flucht ermordet.

Sechzig Jahre nach der Errichtung des Obelisken war dessen Aussagekraft jedoch verblasst, die Gestaltung überholt. Eine bürgerschaftliche Initiative aus dem Leipziger Nordosten (Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, Siedlerverein Portitz, Bund der Antifaschisten, Bürgerverein Nord-Ost und Einzelpersonen) hatte daher eine Umgestaltung und Modernisierung des Mahnmalskomplexes bei der Leipziger Stadtverwaltung angeregt. Das Kulturamt griff die Initiative auf und setzte in den vergangenen Jahren eine behutsame Modernisierung und Aufwertung der Mahnmals-Anlage um. Die Initiative beteiligte sich aktiv an den Entscheidungsprozessen.

Als Resultat wurden in einem ersten Schritt am Samstag, 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zwei Informationstafeln vor dem Mahnmal eingeweiht. In sechs Sprachen erläutern sie die Hintergründe und den Verlauf des Massakers.

Beginn der Gedenkfeier ist am Samstag, 27.Januar, um 11 Uhr.

Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
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