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Aufarbeitung in Connewitz: Diskussion über Demonstration vor Al-Rahman-Moschee

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    Auf Einladung der Linksjugend haben am Mittwoch, den 6. Februar, Vertreter/-innen verschiedener Organisationen über Islam, Islamismus, Rassismus und eine Demonstration vor einer Leipziger Moschee kurz vor Weihnachten diskutiert. Das Gespräch behandelte unter anderem die Frage, ob Linke überhaupt vor einer Moschee demonstrieren sollten. Und ob der Islam unter den Religionen eine besondere Stellung einnimmt.

    Kurz vor Weihnachten stellte sich für viele Menschen ein ungewöhnliches Bild dar: Linke demonstrierten vor der Al-Rahman-Moschee in Leipzig, so wie es einst die NPD und andere Rechtsradikale machten. Andere Linke waren mit einem Infostand vor Ort. Die einen teilten zumindest die Kritik am radikalen Imam Hassan Dabbagh, warfen den anderen jedoch Rassismus und Pauschalurteile über Muslime vor.

    Am Mittwoch, den 6. Februar, folgte im „Werk 2“ die Fortsetzung dieser Auseinandersetzung – nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion, zu der die Linksjugend eingeladen hatte. Anwesend waren unter anderem Vertreter der beiden Organisationen, die vor der Moschee demonstriert beziehungsweise informiert hatten.

    Die erste Frage, ob Linke überhaupt vor einer Moschee demonstrieren sollten, beantwortete Martin Dornis von der Leipziger Initiative gegen Islamismus erwartungsgemäß zustimmend: „Sie dürfen es nicht nur, sie müssen es sogar – im Kampf für das Glück des Individuums.“

    Den Vorwurf, mit einer solchen Demonstration den Rechten zu helfen, wies Dornis zurück. Die AfD könne sich derzeit als „einzige islamkritische Kraft profilieren“; es sei wichtig, dass sich auch Linke zu dem Thema äußern. Doch Kritik am Islam gelte oft als rechts.

    Das Video zur Debatte „Islamismus – ist das noch Halal?“ am 6. Februar 2019 im Werk 2. Quelle: Youtube, linXXnet Leipzig

    Protest gegen Dabbagh, nicht gegen Muslime

    Florian Illerhaus vom Netzwerk gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus beklagte, dass in Redebeiträgen Muslime pauschalisiert und die Religionsfreiheit angegriffen worden sei. Er kenne viele arabischsprachige Männer, die die Al-Rahman-Moschee nur deshalb besuchten, weil es für sie in Leipzig keine Alternative gebe. Den von allen damals anwesenden Organisationen kritisierten Imam Hassan Dabbagh lehnten sie ebenfalls ab.

    Von Nasir Ahmad, einem deutschen Muslim, kam in diesem Zusammenhang der Vorschlag, dass man konkret gegen Dabbagh demonstrieren solle – aber nicht an einem Freitag vor einer Moschee, wenn die Gläubigen zum Gebet gehen.

    Als vierte Person war Mina Ahadi auf dem Podium, eine Vertreterin des Zentralrats der Ex-Muslime. Sie kam aus dem Iran nach Deutschland, da sie politisch verfolgt worden sei. Ahadi betonte, dass alle Religionen frauenfeindlich seien, aber besonders der Islam: „Ich darf als Frau nicht mein Haar oder meinen Körper zeigen.“ Ahmad entgegnete, dass sich die Frauen in Deutschland, die er kenne, freiwillig für das Kopftuch entschieden hätten.

    Die Diskussionsrunde drehte sich vor allem um vereinfachte Weltbilder und die Fragen, wer oder was rassistisch ist und ob der Islam im Vergleich zu anderen Religionen eine besonderes Stellung einnimmt.

    Strategien im Umgang mit Islam und Islamismus

    Als sich auch das Publikum beteiligen durfte, richtete sich beispielsweise an Illerhaus die Frage, ob es nicht „im Sinne emanzipatorischer Bemühungen sei“, feindlich gegenüber einer Religion – in diesem Fall dem Islam – zu sein. „Selbstverständlich kann man religionskritisch sein“, antwortete Illerhaus, „dann sollte man aber an alle Religionen die gleichen Maßstäbe anlegen“.

    Wie eine linke Strategie in Bezug auf den Islam aussehen könne und wie man künftig eine Diskussion fortführen solle, lautete die abschließende Frage. Ahmad wünschte sich eine Diskussion auf Augenhöhe: „Wir müssen miteinander reden, nicht übereinander.“ Ähnliches strebt Illerhaus an, der mit liberalen und linken Muslimen diskutieren möchte – aber nicht mit solchen wie Dabbagh. Allerdings sei die Fragestellung schwierig, da es „den“ Islam nicht gebe.

    Mit klaren Vorstellungen antworteten Ahadi und Dornis. Letzterer wünschte sich eine „gesellschaftliche Bewegung“, die Islamismus als eines der größten Probleme der Gegenwart wahrnimmt – und entsprechende Forderungen an den Staat stellt. Zudem müsse es ein Kopftuchverbot für Mädchen geben.

    Das forderte auch Ahadi, deren Vorstellungen von einer säkularen Gesellschaft aber noch darüber hinausgingen: kein Religionsunterricht an Schulen und keine religiösen Symbole in öffentlichen Einrichtungen. Probleme im Zusammenhang mit dem Islam müsse man erkennen und dürfe diese nicht ignorieren oder der AfD und anderen Rechtsradikalen überlassen.

    Kundgebung, Infostand und Debatten vor der Leipziger Al-Rahman-Moschee: Es bleibt kompliziert

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