Es gab den ganzen Tag über Gerüchte, Andeutungen, Zeichen – aber wenig Genaues. Seit eben, 20:09 Uhr ist eine „ACAB“-Demonstration am Rabet im Leipziger Osten gestartet, die ersten Rufe richteten sich an diesem 13.12.2021 – wobei der Zahlencode 1312 für die Buchstaben ACAB im Alphabet interpretiert werden – laut und deutlich gegen die Polizei. „… All Cops are Bastards – ACAB“, tönt es gerade im Leipziger Osten, wo sich deutlich mehr als 100 Personen zu einer Spontandemo versammelt haben.

20:09 Uhr: Erste Videosequenzen von vor Ort – Nähe Rabet

20:25 Uhr: Zerstörung und Krawall

Am 13.12.2021 ist für radikale Linke der „ACAB“-Day, ein Tag, an welchem es um die Verfehlungen und Gewalttaten von Polizeibeamten bis hin zu strukturellem Versagen des Staates geht. Heute in Leipzig geprägt von Bengalos im Leipziger Osten, Böllerschlägen und den ersten Polizeisirenen. Auf der Eisenbahnstraße liegen Mülltonnen herum, ein geschlossener, schwarz gekleideter Zug zieht mit schnellen Schritten vorbei, überall scheppert und knallt es.Für die größer werdende Menge ist es ein günstiger Umstand, dass die sächsische Polizei gerade von denen kräftemäßig in Anspruch genommen wird, die Linksradikale meist mehr, mindestens aber ähnlich hassen, wie Polizeibeamte: den Rechtsextremisten rings um die „Freien Sachsen“ in den Kleinstädten Sachsens.

Aktuell haben die bis zu 200 Versammelten also genug Spielraum, den „ACAB-Tag“ im Leipziger Osten zu „zelebrieren“. Im Kern besteht dies aus dem Einwerfen von Autoscheiben, umgestürzten Mülltonnen und ersten Unstimmigkeiten in der Gruppe. Einige von ihnen haben eine Moschee attackiert, die Scheiben sind in Trümmern (siehe zweite Fotogalerie).

Die eintreffende Polizei soll einen der Beteiligten angefahren haben, während sich Teile der Gruppe bereits zurückziehen und sich andere im Viertel rings um die Eisenbahnstraße verteilen.

20:40 Uhr: Die Feuerwehr im Einsatz

Mittlerweile ist die Feuerwehr mit wenigstens einem Fahrzeug vor Ort und löscht ein oder zwei Brände. Mindestens eine Mülltonne wurde in Brand gesteckt, das Feuer ist aber unter Kontrolle (siehe Videosequenzen).

Videosequenzen von 20:10 bis etwa 20:30 Uhr auf der Eisenbahnstraße

Video: LZ

20:55 Uhr: So schnell es begann, so schnell endete es

Während sich der größte Teil der eben noch über die Eisenbahnstraße ziehenden Gruppe über die Hermann-Liebmann-Straße entfernte und nun weitgehend Ruhe eingezogen ist, gibt es noch von einem Zusammenstoß mit der Polizei zu berichten. Beim Eintreffen dieser soll ein Einsatzwagen einen Beteiligten der Aktion angefahren haben, woraufhin oder gleichzeitig ein Angriff auf das Fahrzeug stattfand.

Jetzt, nachdem alles so weit vorbei ist, ist die eingetroffene Polizei etwas ratlos. Offenbar von der Aktion seit Monaten das erste Mal wieder überrascht, gehen die Beamten Autos ab, schauen nach Schäden und fragen die Personalien auch von unseren Journalisten ab.

Die „ACAB“-Aktion des heutigen Abends selbst scheint damit weitgehend vorbei zu sein. Ingewahrsamnahmen fanden angesichts der schnellen Aktion offenbar keine statt.

Nachtrag um 21:15 Uhr: Der Moschee-Angriff galt DITIB

Bei dem attackierten Moschee-Haus soll es sich um eine erdoganfreundliche DITIB-Moschee handeln. Auch wenn dies kaum eine Rechtfertigung für eine Attacke auf das Haus sein kann, gilt die DITIB als der verlängerte Arm des zunehmend autokratischen, türkischen Alleinherrschers Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland.

Nicht wenige in der linken Szene sehen in ihm eine neue Art islam-faschistischen Herrschertypus. Tatsächlich befindet sich an der Hermann-Liebmann-Straße 80 die Adresse der „Türkisch Islamische Gemeinde zu Leipzig e. V. Dachverband DİTİB“, welcher der Angriff galt.

Nachtrag 2: Nach Durchsicht aller Bilder und des Videomaterials wurde deutlich, dass einige Anwohner unmittelbar nach dem Durchzug der Gruppe mit den Löscharbeiten an der brennenden Tonne und dem Aufräumen begannen.

Nachtrag 3: Nach ersten Informationen soll es laut einem Polizeisprecher gegenüber dem Deutschlandfunk im Nachgang an die Ereignisse noch einige Ingewahrsamnahmen gegeben haben. Diese Information war für die LZ in der Nacht nicht mehr verifizierbar, die Polizeimeldung vom 14.12.2021, 01 Uhr enthielt keine Informationen dazu.

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Es gibt 13 Kommentare

Die Zurücknahme ist angekommen und damit hat sich die Sache für mich erledigt. Im Weiteren sollte man bei der nachfolgenden Interpretation meiner Worte gern mit bedenken, dass es hier nicht nur um mich, sondern ein Team geht, dem hier also als “Lizzy” die Vorhaltung gemacht wurde.

Mir selbst ist es “egal”, ob man mir links-grün-blubb sonstwelche Meinungen vor allem unbekannterweise und im Netz entgegenhält oder unterstellt, ich würde in irgendwelchen Fahrwasser schippern: ich war allein schon qua Beruf schon so vieles für so viele Menschen, dass es mir weitgehend egal ist. Zumal ich um die Flachheit solcher Begrifflichkeiten weiß.

Die Wenigsten trauen sich eh, einem solchen Unfug persönlich ins Gesicht zu sagen. Weil es kaum Parameter sind, mit denen man einen Menschen beschreiben würde.

Grobe Worte finde ich okay, nutze ich selber gelegentlich, stecke ich auch selber (gern?) ein.
Manche Formulierungen gehen halt nicht. Können (manchmal) passieren, geschenkt, aber dann rudert man, ehrlich gemeint(!), zurück und gut ist.
Da spielt dann auch “ist erkennbar, was ich sagen wollte” mit rein. Vielleicht enthülle ich jetzt ein Geheimnis: es ist nicht immer erkennbar. Da nützt auch der leicht als arrogant interpretierbare Zusatz “wohlverstandenes Lesen vorausgesetzt” nichts. Sender-/Empfänger-Prinzip halt.

Das es, insbesondere im linken Spektrum, Friendly Fire (außerhalb jeglicher Diskussionskultur) gibt, ist bekannt. Das ist halt leider so.

Thomas, es ist nicht so, dass Herr Freitag nicht auch gelegentlich die gröbere Wortwahl kennen würde. Und Stefan vorzuwerfen, dass er der L-IZ eine echte, nachweisbare (also justiziable) Mitschuld an den Vorkommnissen gäbe, das fand ich sehr seltsam. Ihm, der sonst meisten beim Thema der Autoren ist, ebenfalls gegen zu viele Autos, gegen Missachtung von Armen, gegen Kommerz und so weiter ist, also sich im Wesentlichen meiner Wahrnehmung nach im gleichen links-grünen Fahrwasser wie der Artikelschreiber befindet.

Man kann auf den “zündeln”-Vorwurf empfindlich reagieren und sich getroffen fühlen, und daraufhin sein juristisches Besteck herausholen (das meinte ich mit der Wichtigkeit des individuellen Standpunktes), aber ich las ihn tatsächlich auch eher überschwänglich-verärgert, wie der Stefan nun mal so oft schreibt. Zurückgenommen hat er den Vorwurf ja nun auch mitlerweile…

Und mit dem Krieg…Nummer größer oder kleiner, ich glaube es ist erkennbar, was ich sagen wollte, wohlverstandenes Lesen vorausgesetzt.

“Detailposition” / “individuelles Wichtigsein”.
So kann man es natürlich auch nennen, wenn einem Medium vorgeworfen wird, zu “Zündeln”. Finde ich schon heftig, so einen Vorwurf.

Im Überschwang kann man sowas schon einmal schreiben, passiert halt. Da man hier nicht editieren kann fällt einem dann kein Zacken aus der Krone, wenn man sich entschuldigt. Da steht anscheinend das eigene Ego im Weg.

Berichte aus dem Bürgerkrieg… ne Nummer größer ging nicht?

Und mal wieder streitet die Linke um eine Detailposition und das individuelle Wichtigsein, obwohl man im Sinne der größeren Sache (war Stefan thematisch sonst nicht immer viel näher an Herrn Freitag dran als z.B. ich?) eigentlich zusammenstehen könnte und sollte, um was zu erreichen.

Mensch, diese Aufmerksamkeit, die dieses Medium hier jeder kleinen Soli-Sponti im Detail der Motivlage gibt und sich damit auch gleich im Twitterbad der Retweets dreht, das würde ich nicht gleich als “zündeln” bezeichnen, aber es ist nun auch keine unbedingt nötige und selbstlose Pflichtaufgabe, welche die Kollegin Eicker “da draußen” heldenhaft erledigte. Es gibt Journalistinnen die aus dem Bürgerkrieg berichten… Ohne den nötigen Respekt vor den konkreten Personen fehlen zu lassen, aber dass Sie Arroganz nun dem Stefan auch noch als Vorwurf machen, finde ich etwas zu sensibel, vermutlich kollegial gemeint, reagiert.

PS: Zum “innewohnenden” Vorwurf sage ich, dass ich nicht die geringste Absicht hatte, Ihnen oder Ihren Kolleg:innen irgendeine Art Beihilfe zu Brandstiftung zu unterstellen.

Der Account “Stefan” bleibt weiterhin zu löschen. Danke.

Lieber Herr Freitag,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich bitte Sie nun, meinen Account hier zu löschen.

Vielen Dank für Ihre Mühewaltung.

Mit freundlichen Grüßen & bleiben Sie gesund!
Stefan

Lieber Stefan,

da Sie danach verlangen: in Ihrer Unterstellung wohnt der Vorwurf der Beihilfe, also einer Beteiligung an dem – wie im Artikel bereits erwähnten, abzulehnenden – Vorgang. Jetzt nach dem das klargestellt ist, warte ich nach wie vor auf eine klare Distanzierung Ihrerseits von diesem Vorwurf. Eine Erörterung über “Überspitzungen” genügt mir dieses Mal wirklich nicht.

Lieber Herr Freitag,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich bedauere es sehr, dass die von mir beanstandeten Formulierungen im Artikel nicht weiter begründet werden. Quellenangaben fehlen weiterhin.

Dass das “Zündeln” überspitzt gemeint war, sollte klar sein: Für ein Medium wie der L-IZ wäre in bezug auf die Moschee nahe der Eisenbahnstraße m.E. eine bedächtigere Wortwahl angemessen gewesen.

Bitte teilen Sie mir gerne mit, auf welche Straftat Sie mit
>strafbewehrten Vorwurfes uns gegenüber
anspielen.

Freundliche Grüße
Stefan

Lieber Stefan,

sollten Sie die Formulierung “die Lizzy zündelt erstmal mit” nicht zurücknehmen, werde ich persönlich dafür sorgen, dass Sie hier nie wieder kommentieren können. Dieser Vorwurf im Umfeld von Straftaten kann und wird nicht unwidersprochen im Raum stehenbleiben.

Im Weiteren handelt es sich um einen Livebericht, also einer Widergabe dessen, was genau zeitgleich auf der Straße geschah. Wenn Sie daran also eine Schelte von mangelnder Recherche knüpfen wollen, zeigt es eigentlich nur, dass Sie von dieser Art dokumentierendem Journalismus keinen blassen Dunst haben.

Und, um dass auch nicht unerwähnt zu lassen: Ihre Arroganz im Hinblick auf zwei unserer Kolleginnen, die sich dafür vor Ort (nie) kaum in der Komfortzone Ihres warmen Stuhles am PC erfreuen, finde ich unerträglich.

Im weiteren ist die Formulierung bewusst so gewählt, da zum Zeitpunkt mehrere Dinge kaum feststellbar waren: wie es den Menschen der Moschee damit erging ist am 13.12.2021 um 21 Uhr schlecht feststellbar. Was “Recherchen” zur DITIB betrifft, empfehle ich Google, um herauszufinden, dass es ausreichend Berichte gibt, wie manche Moschee mehr als nur durch die Türkei finanziert wird.

Da aber eben dies auf die hier attackierte Moschee nicht zutreffen muss, sind die am Montag gewählten Formulierungen bis hier zutreffend -zumal im Hinblick auf den im Livebericht bereits kritisierten Angriff auf das/die religiöse/n Gebäude/Räume.

Ich warte auf Ihre Entschuldigung inklusive Rücknahme des strafbewehrten Vorwurfes uns gegenüber oder ich setze eingangs angekündigten Schritt um.

Michael Freitag

>Bei dem attackierten Moschee-Haus soll es sich um eine erdoganfreundliche DITIB-Moschee handeln. Auch wenn dies kaum eine Rechtfertigung für eine Attacke auf das Haus sein kann, gilt die DITIB als der verlängerte Arm des zunehmend autokratischen, türkischen Alleinherrschers Recep Tayyip Erdoğan in Deutschland.

“erdoganfreundlich”, “gilt als verlängerter Arm”…. nur Hörensagenlesen, keine Quellenangabe

Den DİTİB gibt es schon ewig und ist einfach ein Verband von Moscheevereinen …und gilt eigentlich als verschnarcht (hier mal mein unbelegtes Hörensagenlesen).

Dass der DİTİB vom türkischen Staat (und damit “vom Erdogan”) finanziert wird, ist halt so. Für unsere (pseudo)laizistischen Verhältnisse nicht schön, hm. Aber können die hier lebenden türkisch(sprachigen) Muslime was dafür?

Den Spruch

>Auch wenn dies kaum eine Rechtfertigung für eine Attacke auf das Haus sein kann

finde ich als Rücknahmefloskel schon etwas dünne; von den betroffenen Menschen ist hier nicht einmal die Rede.

Aber Lizzy zündelt erstmal mit.

Recherchiert wird (vielleicht) später.

Super.

Dann ist das ja besonders schlau, der Polizei in den Rücken zu fallen, wenn sie gerade mit Rechtsextremisten beschäftigt ist. Oder gibt es gar rechte Freunde unter den Linksextremisten?

An der Anger-Crottendorfer Kirche wurde in dieser Woche wieder einmal ein Graffiti angebracht, mit sehr linkem Inhalt, würde ich sagen.
Zur Erinnerung: die Dreifaltigkeitskirchgemeinde gehört zum Stadtteilprojekt in der Dresdner Straße 59.
Also auch eine sinnbefreite Verirrung von linken Denkern oder Zeittotschlägern?

Bei beiden Aktionen kann ich mir nur an den Kopf fassen : Herr, wirf Hirn vom Himmel!

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