Leipziger Lichtfest am 9. Oktober 2020: Zu Hause dabei sein und ein Licht ins Fenster stellen

Für alle LeserCorona verändert alles – auch das Lichtfest. Seit 20 Jahren wurde es in Leipzig an jedem 9. Oktober gefeiert. Es fällt 2020 nicht aus. Aber 25.000 bis 30.000 Menschen auf dem Augustusplatz, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit, so Oberbürgermeister Burkhard Jung. Aber ganz fällt es nicht aus. Die drei zentralen Ereignisse werden alle im Livestream gezeigt. Wir sind also alle zu Hause und zumindest virtuell dabei.
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Richtig dabei werden nur 250 Personen sein können. 135 haben schon eine Einladung, um 115 freie Plätze kann man sich noch bewerben, wenn man sich direkt per E-Mail an die Nikolaikirchgemeinde wendet. Sie entscheidet über die Plätze.

Die Nikolaikirche steht diesmal tatsächlich auch von Anfang bis Ende im Zentrum. Und die 250 Eingeladenen werden alle drei Veranstaltungen vor Ort miterleben: um 17 Uhr das Friedensgebet mit Dr. Roland Löffler, um 18:15 Uhr die Rede zur Demokratie und ab 19 Uhr die Reden und die Posaunenmusik auf dem Nikolaikirchhof, wo 1989 auch die Montagsdemonstrationen begannen.

„Ohne Friedensgebet keine Montagsdemonstrationen“, brachte es Nikolai-Pfarrer Bernhard Stief am Donnerstag zur Lichtfest-Pressekonferenz auf den Punkt.

Denn es waren die aus den Friedensgebeten strömenden Menschen, die auf dem Nikolaikirchhof ihre ersten Demonstrationen starteten, die dann im späten September 1989 zu den großen Montagsdemonstrationen auf dem Ring wurden.

Diesmal werden freilich nur die 250 Eingeladenen auf dem Platz sein können. Ringsum wird abgesperrt. „Wir haben die Sache bisher in Leipzig sehr gut im Griff“, sagt OBM Burkhard Jung in Bezug auf die Corona-Pandemie. „Das Gesundheitsamt macht einen erstklassigen Job.“ Und gerade deshalb dürfe das Lichtfest 2020 nicht zu einem Corona-Hotspot werden. Deshalb wird auch niemand ohne Einladungskarte in den abgesperrten Bereich gelassen. Selbst die Posaunisten werden nicht auf dem Platz stehen, sondern von den umliegenden Fenstern aus spielen.

Aber die Leipziger/-innen können nicht nur per Livestream dabei sein. Sie werden auch eingeladen, ihre Lichter diesmal selbst aufs heimische Fensterbrett zu stellen. „Das machen die Lyoner zu ihrem Lichterfest schon lange“, sagt Marit Schulz, Prokuristin der LTM GmbH und Leiterin des „Lichtfest Leipzig“. Jeder würde so ein Zeichen setzen, dass er oder sie trotzdem dabei wäre, wenn nicht Corona wäre.

Das Motto des diesjährigen Lichtfests heißt übrigens „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Vorgeschlagen wurde das Motto schon im Juli 2019. „Aber ich glaube, es passt so gut wie nie zuvor zu unserem Fest“, sagt Michael Kölsch von der Initiativgruppe „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“. Denn genau das seien die drei Ziele der Friedlichen Revolution gewesen.

Was aber augenscheinlich viele Leute vergessen haben, die heute ausgerechnet die Demokratie und den Rechtsstaat immer wieder infrage stellen. Und das war schon vorher so mit den populistischen Demonstration, das ist 2020 mit den Corona-Hygienedemos wieder dasselbe. Dass nur demonstriert werden kann, weil wir einen Rechtsstaat haben, der die Grundrechte garantiert, verdrängen diese Demonstranten augenscheinlich.

Die offiziellen Informationen in der Übersicht

Friedensgebet und Rede zur Demokratie

Die geltenden Corona-Beschränkungen für Großveranstaltungen wirken sich auch auf das Gedenken an den 9. Oktober aus. Neue Formen des gemeinschaftlichen Erinnerns ermöglichen die Auseinandersetzung mit den Ereignissen der Friedlichen Revolution und gestatten auch in diesem Jahr allen Interessierten dabei zu sein, wenn auch nicht in der persönlichen Begegnung auf den Straßen und Plätzen unserer Stadt, sondern zu Hause.

Friedensgebet und Rede zur Demokratie Teilnahme nur mit Einladung

Am 9. Oktober nimmt die Kirchgemeinde St. Nikolai Leipzig wieder mit einem besonderen Friedensgebet auf die Ereignisse von 1989 Bezug, als die Nikolaikirche für viele Menschen zum Symbol für die Friedliche Revolution wurde. Das Friedensgebet thematisiert in diesem Jahr enttäuschte Erwartungen an die Deutsche Einheit.

30 Jahre nach der Wiedervereinigung wird der Zweifel an der Einigkeit, dem Recht und der Freiheit vielerorts unter Protest auf die Straße getragen. Es werden Beispiele gelebten Engagements zu hören sein, die ermutigen und erkennen lassen, dass die Lage bei Weitem gar nicht so hoffnungslos ist. Die Predigt hält Dr. Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Für die musikalische Begleitung sorgt der Posaunenchor der Kirchgemeinde St. Nikolai.

Nikolaikirche und Nikolaisäule. Foto: Andreas Schmidt

Nikolaikirche und Nikolaisäule. Foto: Andreas Schmidt

Die diesjährige Rede zur Demokratie am 9. Oktober in der Nikolaikirche wird der polnische Intellektuelle, Journalist, Politikwissenschaftler, Essayist und Direktor des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig, Basil Kerski, halten. Die 2001 begonnene Veranstaltungsreihe gehört zu den Höhepunkten am „Tag der Freiheit“ in Leipzig. Neben Vertretern der bundesdeutschen Verfassungsorgane sprachen in der Vergangenheit vor allem Persönlichkeiten in der Nikolaikirche, die sich um die Demokratie in Europa verdient gemacht haben.

Lichtfest Leipzig 2020 Teilnahme nur mit Einladung

Im Mittelpunkt des Erinnerns stehen in diesem Jahr die Kerzen, die den gesamten Nikolaikirchhof umgeben. Die traditionelle „Kerzen ’89“ bildet das Zentrum. Dort richten Oberbürgermeister Burkhard Jung, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe sowie Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung, kurze Grußworte an die Leipzigerinnen und Leipziger. Mehrere Posaunenchöre aus Leipzig und das Ensemble Nobiles setzen den musikalischen Rahmen.

Kurzinterviews und Videos geben einen Rückblick auf die Veranstaltungen, die unter dem Motto „Auf dem Weg zum Lichtfest. Das Licht in der Stadt“ im September stattgefunden haben.

Pandemiebedingt ist die Zahl der Teilnehmer an den Kernveranstaltungen stark beschränkt. Ein Teil der Plätze ist an Mitwirkende, Ehrengäste und Medienvertreter vergeben. Die Anmeldung für die weiteren verfügbaren Plätze erfolgt über die Nikolaikirche. Interessierte wenden sich bitte per E-Mail an das Postfach pfarramt@nikolaikirche.de. Die Plätze werden nach Eingang der E-Mails vergeben.

Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten die Veranstaltungsteilnehmer eine personalisierte, nicht übertragbare Einlasskarte, die für alle drei Kernveranstaltungen gilt. Der Zugang ist NUR mit dieser Karte möglich.

Kerzenpate werden

Alle Bürgerinnen und Bürger, aber auch Firmen und Institutionen können im Vorfeld des Lichtfestes Kerzenpate werden, indem sie zum Preis von 1 Euro symbolisch ein Teelicht für die Gestaltung der „Kerzen ’89“ erwerben. Diese Kerzen werden am Abend des 9. Oktober auf dem Nikolaikirchhof das Kerzenpodest in Form einer 89 zum Leuchten bringen. Mitglieder des Jugendparlaments sowie Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler werden stellvertretend für alle Kerzenpaten am Abend gemeinsam die rund 10.000 Kerzen entzünden.

Die Beteiligung für eine Kerzenpatenschaft erfolgt über die Crowdfunding-Plattform www.leetchi.com/c/lichtfest. Spendenboxen gib es zudem in der Touristinformation, Katharinenstraße 8, und in der Nikolaikirche.

Auf Beschluss des Kuratoriums „Tag der Friedlichen Revolution 1989“ geht der Erlös aus der Kerzenpatenaktion zu gleichen Teilen an „Clowns & Clowns e. V.“ und die „Leipziger Klinikclowns“. Die Vereine engagieren sich in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Neben dem Spiel für kranke Kinder liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Arbeit mit älteren Menschen.

Ein Zeichen setzen – zu Hause

Alle Leipzigerinnen und Leipziger sind eingeladen, am 9. Oktober zu Hause ebenfalls Windlichter in den Fenstern zu platzieren und auf diese Weise das Licht des Nikolaikirchhofs hinaus in die Stadt zu tragen. Eine Windlichtbanderole mit der „89“ zum kostenlosen Download steht unter www.lichtfest.leipziger-freiheit.de zur Verfügung. Fotos und Videos können mit dem Hashtag #lichtfestzuhause gepostet werden.

Livestream Kernveranstaltungen am 9. Oktober ab 17 Uhr

Alle Kernveranstaltungen des 9. Oktober – Friedensgebet, Rede zur Demokratie und Lichtfest Leipzig – werden ab 17 Uhr live von Leipzig Fernsehen übertragen und können auch im Livestream verfolgt werden unter www.lichtfest.leipziger-freiheit.de.

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