Die Zahl der medizinisch-psychologischen Untersuchungen sinkt das vierte Jahr in Folge. Wer trotzdem hin muss, trifft in Leipzig auf vier Begutachtungsstellen und auf Regeln, die viele erst kennen, wenn es zu spät ist.
70.135 Untersuchungen und ein klarer Hauptgrund
Im Jahr 2025 gab es in Deutschland 70.135 medizinisch-psychologische Untersuchungen. Das sind knapp sieben Prozent weniger als im Vorjahr und der vierte Rückgang in Folge, wie aus der Statistik der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen hervorgeht. Vor vier Jahren waren es noch über 90.000. Der Hauptgrund hat sich dabei nicht verschoben, denn rund 44 Prozent aller Untersuchungen gehen auf Alkohol im Straßenverkehr zurück.
Es folgen Drogen und Medikamente mit etwa 21 Prozent sowie Verkehrsauffälligkeiten ohne Alkohol oder Drogen mit 20 Prozent. Der Rückgang bei den Drogenfällen erklärt sich zu einem guten Teil aus der Teillegalisierung von Cannabis. Seit 2024 gilt für Tetrahydrocannabinol, kurz THC, im Blut ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter.
Wer darunter bleibt und sonst nicht auffällt, landet seltener bei der Fahrerlaubnisbehörde. Bemerkenswert ist das Ergebnis, denn knapp 58 Prozent der Begutachteten wurden als geeignet eingestuft, rund 38 Prozent als ungeeignet. Etwa vier Prozent bekamen die Empfehlung, an einem Kurs, zur Wiederherstellung, der Kraftfahreignung, teilzunehmen. Anders gesagt, jeder Dritte fällt durch.
Vier Stellen in Leipzig und warum die Wahl wenig ändert
Wer in Leipzig zur MPU muss, hat die Wahl zwischen vier amtlich anerkannten Begutachtungsstellen. Sie stehen auf einer Liste, die die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen führt. Es sind der TÜV Thüringen, auf dem Gutenbergplatz 1d; pima-mpu, auf der Universitätsstraße 14; ABV, auf der Prager Straße 60 und die DEKRA, auf der Torgauer Straße 235.
Alle vier arbeiten nach denselben Beurteilungskriterien zur Kraftfahreignung, und die Gebühren sind in der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr festgelegt. Für eine einfache Alkoholfragestellung liegen sie bei rund 590 Euro. Unterschiede gibt es bei Wartezeit und Erreichbarkeit, wer es eilig hat, fragt bei allen vier nach.
Was am Ende zusammenkommt
Die Gebühr für die Begutachtung ist nur ein Teil der Rechnung. Bei einer Alkoholfragestellung, mit zwölf Monaten Abstinenznachweis, kommen schnell vierstellige Beträge zusammen. Rund 590 Euro, alleine für die Untersuchung, je nach Umfang 400 bis 800 Euro für die Abstinenzbelege, dazu die Gebühren der Fahrerlaubnisbehörde, für die Neuerteilung. Wer sich zusätzlich vorbereiten lässt, zahlt bei Einzelsitzungen mit einem Verkehrspsychologen, üblicherweise 80 bis 150 Euro pro Stunde, Komplettpakete im Präsenzformat liegen oft bei über 1.500 Euro.
Finanzielle Unterstützung ist möglich, aber selten bekannt. Wer Bürgergeld bezieht oder bei der Agentur für Arbeit gemeldet ist und den Führerschein nachweislich für die Arbeitsaufnahme benötigt, kann eine Übernahme beantragen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, die Entscheidung liegt im Ermessen der Behörde. Der Antrag muss in jedem Fall vor Beginn der Maßnahme gestellt werden.
Drei Teile, drei Stunden — so läuft ein Tag bei einer MPU ab
Die Untersuchung selbst dauert, je nach Fragestellung, zwei bis vier Stunden. Sie beginnt meist mit Fragebögen zur Person, zum Konsumverhalten und zur Vorgeschichte. Es folgt die ärztliche Untersuchung, wie Blutdruck, Leberwerte, je nach Anlass eine Urinabgabe und ein Leistungstest am Rechner, bei dem Reaktion, Konzentration und Aufmerksamkeit gemessen werden.
Ausschlaggebend ist der dritte Teil, das Gespräch, mit dem Verkehrspsychologen. Es dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten. Das schriftliche Gutachten geht danach, innerhalb von etwa zehn bis vierzehn Tagen, zuerst beim Getesteten selbst nein. Erst wenn er zustimmt, geht es an die Fahrerlaubnisbehörde. Ein negatives Gutachten muss also niemand einreichen lassen.
Die Nachweise entscheiden über die Dauer der Untersuchungen, nicht der Vorbereitung
Der häufigste Irrtum betrifft den Zeitplan. Viele Betroffene gehen davon aus, dass sie nach dem Entzug ein paar Wochen lernen und dann eben mal so zur Untersuchung gehen. Tatsächlich bestimmen die Abstinenznachweise die Dauer dieser.
Verlangt die Behörde sechs Monate, sind es sechs Monate; bei zwölf Monaten entsprechend länger. Dabei gilt eine Regel, die regelmäßig Monate kostet: Nachweise zählen erst ab dem Tag, an dem man sich in einem anerkannten Programm anmeldet nicht ab dem Tag, an dem man mit dem Trinken aufgehört hat. Wer ein halbes Jahr abstinent lebt und sich dann erst anmeldet, beginnt dann trotz seiner Disziplin, die er schon an den Tag legte, trotzdem bei Tag 1.
Was bei Abstinenznachweisen gilt
- Das Labor muss nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert sein, der eigene Hausarzt reicht hier nicht.
- Bei sechs Monaten Abstinenz, sind vier unangekündigte Urinkontrollen vorgesehen, bei zwölf Monaten sechs.
- Nach der Einbestellung bleiben in der Regel 24 Stunden für die Abgabe.
- Am Tag der Untersuchung darf der Nachweis meist nicht älter als vier Monate sein.
Ein ausführlicher Überblick über die Anforderungen an Abstinenznachweise findet sich bei MPU-Wissen.
Woran nicht wenige scheitern
Die Untersuchung besteht aus drei Teilen, einigen Fragebögen, einer ärztlichen Untersuchung inklusive einem allgemeinen Reaktionstest und final einem Gespräch mit einem Verkehrspsychologen. Über bestanden oder nicht bestanden entscheidet dieses Gespräch! Gefragt wird dort nicht nach Wissen, sondern nach der eigenen Geschichte, also beispielsweise, wie es zu der betreffenden Fahrt kam, was sich seitdem geändert hat und warum es denn nun nicht wieder passieren könnte.
Der Gutachter prüft, ob diese Darstellungen in sich stimmig sind und ob es zu dem passt, was in der Akte dazu steht. Wer Werte kleinredet oder eine fremde Geschichte auswendig lernt, fällt beim ersten Nachfragen oft schon auf.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer bestandenen und einer nicht bestandenen MPU. Entscheidend ist, dass die Vorbereitung sich an denselben Beurteilungskriterien orientiert, nach denen auch die Begutachtungsstelle arbeitet und dass genug Zeit bleibt, die eigene Darstellung zu ordnen.
Vorbereitungen zur MPU finden zunehmend online statt
Lange führte der Weg, zur Vorbereitung einer MPU, fast zwangsläufig, über wöchentliche Sitzungen bei einem Verkehrspsychologen oder einem mehrtägigen Gruppenseminar. Das verschiebt sich immer stärker ins Digitale. Vier Gründe sprechen aus Sicht der Betroffenen für die Online-Varianten:
- Der Zeitpunkt. Die Vorbereitung sollte parallel zu den Abstinenznachweisen laufen, also über Monate. Wöchentliche Präsenztermine, über ein halbes Jahr, lassen sich beispielsweise mit Schichtarbeit kaum vereinbaren.
- Die Entfernung. Wer außerhalb von Leipzig wohnt, vielleicht in Grimma oder Wurzen, der fährt zu jedem Termin mindestens eine Stunde hin und eine Stunde zurück. Zur Begutachtungsstelle selbst muss man ohnehin mindestens einmal selbst erscheinen.
- Die Kosten. Einzelsitzungen liegen bei 80 bis 150 Euro pro Stunde, Komplettpakete im Präsenzformat oft über 1.500 Euro. Strukturierte Online-Kurse beginnen bei einem Bruchteil davon.
- Die Wiederholbarkeit. Die eigene Geschichte, prüftauglich zu formulieren, gelingt den Wenigsten gleich im ersten Anlauf. Einmal schriftlich festgehalten, lässt sie sich gut ordnen und überarbeiten und bringt damit den Prüfling im Interview nicht mehr so schnell aus dem Konzept, wodurch sich seine Glaubwürdigkeit erhöht.
Für eine MPU Vorbereitung online schreibt der Betroffene als erstes seine Vorgeschichte auf und bekommt an den entscheidenden Stellen reflektiert, was an den Stellen ein Gutachter möglicher Weise nachfragen würde, und üist damit in der Lage, sich darauf etwas vorzubereiten.
Das Ziel dabei sind keine auswendig gelernte Antworten, die passen könnten, sondern eine vielschichtig, von allen Seiten betrachtete Version seiner eigenen Gesetzesübertretung. Wer eine Abhängigkeitsdiagnose haben sollte oder bereits zweimal, durch die Untersuchung, durchgefallen ist, braucht trotz Vorbereitung eine therapeutische Begleitung.
Cannabis – neue Grenzwerte, alte Fallstricke
Seit der Teillegalisierung, gilt für THC im Blut ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter, dazu ein absolutes Verbot von Alkohol am Steuer für Fahranfänger und Cannabiskonsumenten in Kombination. Das hat die Zahl der Drogenfälle in der Statistik spürbar gedrückt, von rund 33 Prozent der Anlässe im Jahr 2023, auf etwa 21 Prozent im Jahr 2025. Ein Freibrief ist das nicht.
Wer über dem Grenzwert erwischt wird, wiederholt auffällt oder zusätzlich Alkohol im Blut hat, bekommt weiterhin eine Fragestellung zu Betäubungsmitteln. Und der Nachweiszeitraum ist bei Cannabis besonders tückisch: Das Abbauprodukt THC-COOH bleibt bei regelmäßigem Konsum vier bis sechs Wochen im Urin nachweisbar, also noch lange nachdem die berauschende Wirkung vorbei ist.
Was aber, wenn das Gutachten negativ ausfällt?
Mehr als ein Drittel bestehen leider ihre MPU nicht. Das Gutachten nennt in diesem Fall, die Gründe dafür ganz konkret! Zum Beispiel kommt in Frage, keine ausreichende Abstinenz, widersprüchliche Angaben, keine erkennbare Auseinandersetzung mit der eigenen Vorgeschichte. Eine Sperre für einen zweiten Versuch gibt es aber nicht, wer das Gutachten genau liest und die genannten Punkte abarbeitet, kann es erneut versuchen.
Vier Prozent der Begutachteten bekommen stattdessen, die Empfehlung für einen Kurs, zur Wiederherstellung ihrer Kraftfahreignung, nach Paragraf 70 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Diese Kurse sind amtlich anerkannt und führen bei erfolgreichem Abschluss, ohne einer zweiten Untersuchung, zur Wiedererteilung der Fahrerlaubnis. Angeboten werden sie nur, wenn das Gutachten sie ausdrücklich vorschlägt.
Auswertungen des Vorbereitungsportals, MPU-Wissen, zeigen, woran es aus Sicht der Betroffenen hängt. Von neun Teilnehmern, die ihre größten Sorgen, vor der Untersuchung, notierten, nannten sieben die Nervosität im Gespräch und sechs die Angst, dass ihnen die eigene Veränderung nicht geglaubt wird. Die Abstinenznachweise, die in der Beratung am meisten Raum einnehmen, nannte gar niemand.
Mögliche Vorgehensweise
- Akteneinsicht zuerst. Bei der Fahrerlaubnisbehörde lässt sich die eigene Führerscheinakte anfordern. Sie zeigt, welche Fragestellung gestellt wird und davon hängt ab, welche Nachweise nötig sind.
- Ab 1,6 Promille ist die MPU bundesweit Pflicht, auch beim ersten Mal und auch auf dem Fahrrad. In Sachsen wird unterhalb dieses Werts seltener angeordnet als etwa in Bayern, doch verlassen sollte man sich darauf nicht.
- Die Sperrfrist früh nutzen. Wer erst nach ihrem Ende mit den Nachweisen beginnt, verlängert die Zeit, ohne Führerschein, um weitere Monate.
- Vorsicht bei Garantien. Niemand kann das Bestehen zusichern, die Entscheidung trifft allein der Gutachter.
Der Blick nach vorn
Dass die Zahlen sinken, heißt nicht, dass die MPU an Bedeutung verliert. Wer betroffen ist, steht vor derselben Hürde wie auch vor zehn Jahren, mit einem Unterschied, dass sich die Vorbereitungen, auf eine MPU, damals nicht online absolvieren ließen. Zur Begutachtungsstelle muss man aber auch heute noch, wenigstens einmal persönlich erscheinen, alles davor und danach, lässt sich inzwischen online, von zu Hause aus, erledigen.
So früh wie möglich Akteneinsicht und die Frage, was im eigenen Fall überhaupt verlangt wird, anfordern und zeitnah mit den Nachweisen beginnen. Wer dies in den ersten Wochen schon abklärt, verliert später keine Monate.
Gastautor: Ben Ambros (stand 2015 selbst vor einer MPU und aus seiner damals eigenen Vorbereitung, entstand seine Idee für das Portal MPU-Wissen, das zur Online-Vorbereitung anderer Betroffener dienen soll, welches er seit 2017, gemeinsam mit Betroffenen, Anwälten und Verkehrspsychologen immer weiterentwickelt.)
Quellennachweis: Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, Statistik zur Begutachtung der Fahreignung 2025; Liste der amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung; Fahrerlaubnis-Verordnung; Beurteilungskriterien zur Kraftfahreignung.


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