Wie bleiben Kinder fit für den Alltag und werden resistent gegen Stress? Denn längst sind mit Leistungsdruck und Bewegungsarmut die Probleme der Erwachsenenwelt in die Kinderzimmer eingezogen. Und das macht auch die Kinder schon zum Thema einer Messe, die am Donnerstag, 21. März, in Leipzig beginnt: der "therapie Leipzig".

Seit diesem Jahr unterstützt das neue Konzept “RückenGesundheitKinder – Bewegungs- und Haltungsförderung für Kinder” der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) Kinder und Jugendliche dabei, dauerhaft einen aktiven und gesunden Lebensstil zu entwickeln. Das Programm setzt im individuellen Umfeld an – in Kindergarten, Schule und Familie. Über die Inhalte der KddR-Weiterbildung RückenGesundheitKinder sowie vielfältige Aspekte der Kindergesundheit informiert die “therapie Leipzig” vom 21. bis 23. März.

“Mit dem seit Anfang des Jahres vergebenen Gütesiegel RückenGesundheitKinder der KddR wird die Rückenschule für Kinder und Jugendliche ganz neu positioniert – weg von einem einseitig körperbezogenen Konzept, hin zur ganzheitlichen Sichtweise”, betont Joachim Fleichaus, Leiter Rückenschulbildung Verband Physikalische Therapie e. V. Der Schwerpunkt des neuen Programms liege im Lebensraum – dem “Setting”. Das bedeutet, der Therapeut geht in den Kindergarten oder in die Schulklasse und bezieht auch Erziehende, Lehrer sowie Eltern ein. “Dies entspricht den Handlungsempfehlungen des GKV-Spitzenverbandes zum §20 im SGB V. Demnach sind Präventionsmaßnahmen speziell bei Kindern unter sechs Jahren vorwiegend im Setting- statt im Individualansatz anzubieten”, erklärt Physiotherapeut Fleichaus.

Hüpfen im Unterricht

“Im Zentrum stehen auf individuelle Bedürfnisse, Entwicklungsstand und Umfeld angepasste Aktivitäten, die erlebnisorientiert Bewegungsfreude fördern”, erläutert Joachim Fleichaus. Pausenhöfe und Klassenräume, die Bewegung unterstützen und nicht behindern, seien dafür ebenso wichtig wie Unterbrechungen des Dauersitzens im Unterricht: “So lässt sich das Lösen von Matheaufgaben zum Beispiel als Hüpf-Spiel gestalten oder die Bedeutung von Vokabeln im Sprachunterricht pantomimisch darstellen.” Ziel sei ebenfalls, spielerisch soziale Kompetenzen zu vermitteln. Dazu zähle ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Umgang. “Die Widerstandsfähigkeit der Kinder gegen Druck, Stress und Erkrankungen wird somit erhöht – genauso wie ihr Selbstwertgefühl.” Ein wesentlicher Baustein sei zudem die Beteiligung der Eltern: “Schon 70 Prozent der Kindergartenkinder sitzen täglich 75 Minuten vor dem Fernseher – und gerade Kinder aus benachteiligten Familien bewegen sich tendenziell zu wenig.”

Im Seminar “KddR RückenGesundheitKinder – Bewegungs- und Haltungsförderung für Kinder” (21. März, 15:00 bis 18:00 Uhr) wird Joachim Fleichaus das neue Konzept erläutern. Voraussetzungen für die Weiterbildung zum Kursleiter “KddR RückenGesundheitKinder” sind der Abschluss in einem Bewegungsfachberuf – zum Beispiel Physiotherapeut, Sportwissenschaftler oder Gymnastiklehrer – und eine KddR-Basislizenz “Neue Rückenschule” für Erwachsene.

Kindlicher Stress hat viele Gesichter

“Stress verbirgt sich bei Kindern hinter vielfältigen Symptomen. Er kann zum Beispiel Auslöser von Gleichgewichtsstörungen, Kopf- oder Bauchschmerzen sein oder die Ursache für stark abgekaute Fingernägel”, berichtet die studierte Ergotherapeutin Gudrun Zimmermann. So fühlt sich bereits ein Viertel von fast 5.000 befragten Zweit- und Drittklässlern oft oder sogar sehr oft gestresst, konstatiert die Elefanten-Kinderstudie 2011/2012 zur Situation der Kindergesundheit in Deutschland. Als Stressursache Nummer 1 wird die Schule genannt, auf den Plätzen 2 und 3 folgen Ärger und Streit sowie stressig empfundene Verhaltensweisen von Familienmitgliedern. “So vielgestaltig wie die Erscheinungsformen können die Gründe für Stress sein. Bei einem ist es vielleicht der Zigarettenkonsum des Vaters und der damit verbundene Rauch, beim anderen der Streit mit Freunden”, beobachtet die Gesundheitswissenschaftlerin.

Strategien gegen Stress und Schmerz

“Unter meinen Patienten sind zahlreiche Kinder, die bereits Erfahrungen mit wiederkehrendem Kopfschmerz haben. Zwischen Stress und Schmerz gibt es oft wechselseitige Verbindungen”, unterstreicht Gudrun Zimmermann. Dabei seien die Bewältigungsstrategien der Kinder je nach Umfeld unterschiedlich: “Hat ein Kind ein Haustier oder kann im Garten toben, wird es andere Möglichkeiten zur Entspannung finden als in einer engen Wohnung. Letztlich geht es darum, die Fähigkeit des Kindes in seiner Umgebung zu stärken, mit Stress umzugehen und Schmerzen zu vermeiden.” In der Praxis, in welcher sie tätig ist, arbeitet sie unter anderem mit dem Biofeedback-Verfahren. Dabei werden durch einen Computer Körpersignale wie zum Beispiel Muskelspannung, Atemfrequenz oder Fingertemperatur registriert. Diese unbewusst ablaufenden Prozesse sowie ihr Zusammenhang mit Stress- und Schmerzerleben werden wahrnehmbar gemacht. Die Kinder lernen, diese Signale zu beeinflussen. Weitere effektive Hilfsmittel sind unter anderem Balanceboards zum Gleichgewichtstraining.

Wie Kinder Stress erleben, erläutert Gudrun Zimmermann im Seminar “Ist kindlicher Stress Realität? – Dysregulationen des autonomen Nervensystems” (22. März, 09:30 bis 12:30 Uhr). Zudem stellt sie ausgewählte Therapieansätze vor.

www.therapie-leipzig.de

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