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Donnerstag, 21. Januar 2021

Zeitarbeit macht auch die Sachsen krank, vor allem die Packer und Schlepper

Von Ralf Julke

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    Wenn Krankenkassen ihre Abrechnungen durchforsten, dann bekommen sie ein sehr detailliertes Bild über den Zustand unserer Gesellschaft. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat jetzt ihre Bestände mal auf die Krankheitsgründe und Ausfalltage von Patienten durchforstet, die in Zeitarbeit stecken. Das Ergebnis ist erhellend: Zeitarbeiter in Sachsen haben höhere krankheitsbedingte Fehlzeiten als konventionell Beschäftigte.

    Mit durchschnittlich 20,6 Fehltagen waren sie im vergangenen Jahr etwa 5,5 Tage mehr krankgeschrieben als Personen in konventionellen Arbeitsverhältnissen. Die Diskrepanz sei jedoch geringer als im Bundesdurchschnitt (5,7 Tage), kommentiert das die Techniker Krankenkasse. Wobei unbedingt mitzudenken ist, dass prozentual deutlich mehr Sachsen in Zeitarbeit beschäftigt sind als die Arbeitenden in anderen Bundesländern. Sachsen ist Zeitarbeits-Hochburg. Hier nutzen selbst Branchen das Recruiting-Instrument Leiharbeit, die anderswo längst dafür sorgen, dass die Leute sich ihrem Unternehmen direkt verbunden fühlen.

    Was dann logischerweise auch die Zusammensetzung der Leiharbeiterkontingente bestimmt – und damit für Differenzen sorgt.

    So ist der Unterschied mit 10,1 Tagen im Saarland am höchsten und am geringsten in Hessen mit nur 4,3 Tagen. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) in Sachsen.

    Die meisten Fehltage der sächsischen Leiharbeiter fielen auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Durchschnittlich 4,9 Tage fehlten sächsischen Zeitarbeitnehmer aufgrund von Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen usw. Im Vergleich zu anderen Beschäftigten (2,5 Tage) fehlten sie damit fast die doppelte Zeit. Der Grund dafür: Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind die meisten Zeitarbeiter in den Branchen Logistik, Güterumschlag und Metallbau tätig.

    Nur bei Frauen ist es etwas anders. Stichwort: psychische Erkrankungen. Mit 2,4 Tagen fehlten sächsische Zeitarbeitnehmerinnen aufgrund psychischer Diagnosen 22 Prozent weniger als ihre Kolleginnen in anderen Anstellungsverhältnissen.

    Und da beginnt das Rätselraten. Immerhin berichten andere Krankenkassen von steigenden Krankschreibungszahlen aufgrund psychischer Belastung.

    „Offensichtlich kommen sächsische Frauen mit Zeitarbeit besser zurecht. Vielleicht sehen sie die Beschäftigung mehr als Chance, um im Berufsleben einen neuen Platz zu finden“, versucht Simone Hartmann, Leiterin TK-Landesvertretung in Sachsen, eine Erklärung.

    Im Gegensatz dazu fehlten männliche Zeitarbeitnehmer mit 2,7 Tagen einen Tag länger als Männer in anderen Beschäftigungsverhältnissen (1,7 Tage).

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