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Digitalisierung ist auch für Senioren eine Chance

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    Schon zu Beginn der COVID19-Pandemie kursierte in vielen Unternehmen ein Witz: „Frage: Wer hat in eurem Unternehmen die Digitalisierung vorangetrieben? Der CEO oder der CFO? Antwort: Corona.“ Digitalisierung bedeutet nicht nur schnelles Internet, sondern die Umgestaltung vieler Prozesse, sei es im Arbeitsleben, in Behörden oder auch im privaten Bereich. Die Triebkräfte dahinter sind Effizienz und Vereinfachung. Nicht jeder Mensch kann allerdings virtuos mit Smartphone oder Notebook umgehen. Wie wird sichergestellt, dass Senioren nicht abgehängt werden?

    Die Segnungen der Pandemie liegen im Digitalen

    Alle bisherigen Zahlen der Pandemie bestätigen es – mit Blick auf den Virus sind die Älteren die Schwächsten. Sie müssen am besten geschützt werden. So gesehen ist es ein Segen, dass es schon vor Corona Möglichkeiten gegeben hat, sich über den Versandhandel und andere Lieferdienste Gegenstände des alltäglichen Bedarfs oder auch Lebensmittel ins Haus liefern zu lassen.

    Im Zuge der Pandemie wurden die Geschäftsmodelle deutlich verfeinert und ausgebaut, auch kleinere Firmen und Geschäfte haben verstärkt auf diese Bedarfe reagiert. An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, die daraus resultierenden Folgen für schlecht bezahlte und gestresste Paketzulieferer und Kuriere zu thematisieren, sondern darum, wie die unbestrittenen Vorteile allen Menschen zugänglich gemacht werden können.

    Digitalisierung in der Gesundheit: E-Rezept und Online-Apotheken

    Die Digitalisierung des Gesundheitswesens – es gibt auch die Meinung, dass es korrekterweise Krankheitswesen heißen müsste – hat viele Facetten: die digitale Patientenakte, die Möglichkeit des Informationsaustauschs zwischen den unterschiedlichsten Parteien des Gesundheitswesens (ärztliches Personal, Apotheken, ambulante und stationäre Pflegedienste, Patienten und Patientinnen, Krankenkassen, etc.), die Vereinfachung von Abläufen in der Pflege.

    Das Leben bringt es mit sich, dass im Alter die Kontakte zum Gesundheitswesen steigen und in einige der angesprochenen Abläufe müssen die Betroffenen selbst eingreifen, zum Beispiel, wenn bei einer Online-Apotheke ein E-Rezept eingereicht wird.

    Auch wenn die Pflichteinführung des E-Rezepts nicht wie geplant zum 01.01.2022 kommt, braucht es für die Prozedur doch eine gewisse Affinität im Umgang mit dem Smartphone. Hinzu kommt, dass es sich um einen sensiblen Bereich handelt, in dem sehr personenspezifische Daten verarbeitet werden. Beim europäischen Impfzertifikat traten schon vereinzelt Irritationen auf. So wurde panisch gefragt, ob jetzt jeder ein Smartphone besitzen muss, der dieses Zertifikat braucht.

    Die Antwort ist nein. Der gedruckte QR-Code reicht ebenfalls, und so soll es auch beim E-Rezept sein. Trotzdem kommt der ältere Patient oder die ältere Patientin nicht so ganz um das Smartphone oder den Laptop herum – und sei es nur, wenn auch mal rezeptfreie Medikamente einfach so online bestellt werden wollen. Und schließlich ist es irgendwann unangenehm, immer wieder die Kinder oder die Enkelkinder zu belästigen.

    Foto: Pixabay © rottonara (CC0 Public Domain)

    Die Hälfte der älteren Bevölkerung hat kaum Berührungspunkte zum Internet

    Laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage mit 5.461 Befragten nutzen 40,1 Prozent der Teilnehmenden im Alter ab 60 Jahren das Internet gar nicht. 5,5 Prozent der Seniorinnen und Senioren sind nur maximal einmal pro Woche im weltweiten Netz unterwegs. Immerhin ist fast ein Drittel, genau 29,9 Prozent, mehrmals täglich oder ständig auf dem digitalen Surfbrett präsent. Eine weitere Umfrage weist aus, dass 68 Prozent der über 70-Jährigen ein Smartphone besitzen.

    Unter der Annahme, dass beide Umfragen repräsentativ sind und zumindest ungefähr stimmen, kann postuliert werden, dass ein signifikanter Teil der älteren Smartphone-Besitzer dieses wohl nur zum Telefonieren und nicht zum Surfen benutzt. Jedenfalls lässt sich nicht von der Hand weisen, dass ein Bedarf besteht, die ältere Generation stärker an die Themen der Digitalisierung heranzuführen.

    Wie wird die ältere Generation eingebunden?

    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das Thema Digitalisierung im Alter durchaus auf dem Radar. In einem Bericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“ wird der Aspekt der digitalen Souveränität Älterer in den Mittelpunkt gestellt. Für alle Lebensbereiche vom Wohnen über die Mobilität bis hin zu Gesundheitsfragen und Aspekten des sozialen Umfelds empfiehlt eine Expertenkommission, Infrastrukturen und Lernangebote bereitzustellen.

    Dazu sollen Berufsgruppen, die in besonderem Maße Kontakt mit älteren Menschen haben, bereits in ihrer Ausbildung für die Auswirkungen digitaler Prozesse auf die Lebenswelt und das Empfinden Älterer sensibilisiert werden.

    Auch bei der Entwicklung digitaler Prozesse sollen immer die Belange und Bedürfnisse älterer Menschen mitberücksichtigt werden, sei es bei der Gestaltung von Apps, aber auch bei der Hardware. Diese Erkenntnisse und Empfehlungen des sogenannten 8. Altersberichts lesen sich nicht sonderlich konkret – vor allem, weil auch darauf Wert gelegt wird, den Seniorinnen und Senioren nichts aufzuzwingen.

    An dieser Stelle ist schon ein Dilemma erkennbar, weil die steigenden Digitalisierungsbemühungen zwangsläufig dazu führen werden, dass für bestimmte Behörden- oder Buchungsvorgänge nicht immer eine analoge Variante vorgehalten werden kann.

    Foto: Pixabay © williamsje1 (CC0 Public Domain)

    Besondere Berufsgruppen müssen zwangsläufig in die Pflicht genommen werden

    Aus den vorgenannten Empfehlungen lässt sich ablesen, dass einige Berufsgruppen bei der Digitalisierungs-Inklusion älterer Menschen eine besondere Rolle einnehmen müssen. Ämter und Behörden müssen Tutorials anbieten. Es muss weiterhin menschliche Ansprechpartner geben – zumindest übergangsweise –, die den Älteren den administrativen Vorgang nicht abnehmen, sondern ihnen zeigen, wie es geht.

    Gleiches gilt für Versandhandel und Pflege. Die Berufsfelder haben nicht viel miteinander gemeinsam, aber sie sind – die Pandemie hat es ans Licht gebracht – systemrelevant. Und gerade im Zuge dieser Systemrelevanz sorgen sie dafür, dass das Leben älterer Menschen einfacher und besser wird.

    Die Alten müssen mitziehen, um nicht abgehängt zu werden

    Es hört sich vielleicht ein wenig martialisch an, wenn vom Abhängen die Rede ist. Aber bei allen wohlgemeinten Absichten, die im Bericht des Familienministeriums aufgeführt werden und die irgendwann in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft Einzug halten werden, müssen die Seniorinnen und Senioren eine innere Bereitschaft zur Kooperation mitbringen.

    Es hilft nichts, sich Änderungen zu verschließen. Die Digitalisierung und ebenso der Klimawandel sind so gravierende Einschnitte in der menschlichen Lebenswelt, dass jeder mit jedem und von jedem lernen muss. Auch die Älteren von und mit den Jüngeren.

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