Aussichtsturm Fockeberg: Zweiter Versuch auch nach 15 Jahren wieder gescheitert

Vielleicht zum letzten Mal - vielleicht auch nicht - beschäftigt sich der Leipziger Stadtrat am 15. April mit einer Petition zum Leipziger Fockeberg. Das erste Mal zerbrachen sich Leipzigs Verantwortliche vor 15 Jahren den Kopf über die Frage, ob man auf den Trümmerberg im Leipziger Süden eigentlich noch einen Turm bauen könnte. Damit man noch mehr Aussicht hat.

Ein sportlicher Leipziger, dem da augenscheinlich noch zu wenig Trubel auf dem Scherbelberg ist, der nach der angrenzenden Straße von den Leipzigern den Namen Fockeberg bekam, hatte erst einmal beim Leipziger Stadtförster angefragt. Der muss sich ja um die ganzen Bäume am Berghang und oben an der Kuppe kümmern, da wird er wohl auch wissen, ob man da oben nicht noch einen Turm aufsetzen kann. Immerhin verstellen seine komischen Bäume an manchen Stellen die Sicht. Da wäre ein Turm zum Drübergucken doch ganz gut. Der Förster aber hat dazu ein ordentliches Archiv und konnte dem sportlichen Bergsteiger versichern, dass ein solches Ansinnen schon vor 15 Jahren abgelehnt wurde – nicht nur, weil so ein Turm Geld kostet, sondern auch teuer in der Wartung ist. Es gibt ja nunmal auch in Leipzig jede Menge Kraftmeier, die alles, was sich zerstören lässt, auch wirklich bei nächster Gelegenheit demolieren. Pflege und Erhaltung gehen auch schon bei den bestehenden Turmprojekten in Leipzig ins Geld.

Aber der frisch, fröhliche Bergsteiger wollte es diesmal besser machen und schrieb eine Petition, die den Turmbau unter sportlichen Aspekten beantragte. Immerhin ist Leipzig eine Sportstadt. Da kann, wer rüstig ist, auch noch sportlich auf einen Turm hinauf.

Seit dem 5. September geistert die Petition durch die Gremien.

Nun hatte der Petitionsausschuss von der Sache genug, hat sich auch extra vom Amt für Stadtgrün und Gewässer beraten lassen.

„Die Anfrage der Petenten, auf dem Fockeberg einen Aussichtsturm vorzusehen, wurde im Zusammenhang mit der indirekten Sportförderung gestellt. Inhaltlich wäre dies eine gute Ergänzung der vorhandenen Möglichkeiten für einen Panoramablick im Stadtgebiet von Leipzig, wie sie etwa der Turm auf der Bistumshöhe, der Aussichtsturm im hinteren Rosental sowie das Völkerschlachtdenkmal, der Rathausturm, die Thomaskirche oder das City-Hochhaus bieten“, teilt er nun mit. „Der Fockeberg mit seiner Höhe von 155 m ist aber auch bereits jetzt ein Aussichtspunkt. Vergleichsweise liegt der Kernbereich des Stadtwaldes in einer Höhenlage von 95 bis 110 m. Aufgrund der damit verbundenen Kosten ist die Errichtung und Unterhaltung eines Aussichtsturmes an diesem Standort heute und perspektivisch nicht realisierbar, zumal der Standort erhebliche besondere Anforderungen an Planung und Bauwerk mit sich bringen würde. Der Fockeberg ist Bestandteil des LSG ‚Leipziger Auwald‘, des gleichnamigen Vogelschutzgebietes und als Bodenschutzwald gemäß SächsWaldG ausgewiesen. Gleichzeitig ist der Fockeberg im Sächsischen Altlastenkataster als ‚Deponie Fockestraße‘ registriert. Am Standort wurde überwiegend in Leipzig angefallener Trümmer- bzw. Bauschutt infolge der Kriegsschäden des 2. Weltkrieges abgelagert. Bis 1983 wurde außerdem Hausmüll eingebaut. Für den Deponiekörper insgesamt ist, trotz teilweiser Konsolidierung aufgrund der jahrzehntelangen Standzeit, von einer lockeren Lagerung des Materials auszugehen. Die technische, technologische Machbarkeit zur Errichtung eines Aussichtsturmes auf der ehemaligen inhomogenen Siedlungsmülldeponie ist ohne ortskonkrete Baugrunduntersuchungen nicht einzuschätzen. Mit Mehraufwendungen aufgrund der Baugrundeigenschaften des Standortes müsste gerechnet werden. Für Planungsleistungen, die Anschaffung und Errichtung sowie die laufende Unterhaltung eines Aussichtsturmes sind keine Haushaltsmittel veranschlagt. Aufgrund der Beanspruchung des städtischen Haushaltes durch prioritäre Investitionen in anderen Aufgabenbereichen ist dies leider auch nicht realistisch.“

Und so lautet der Beschluss, dass die Petition abgelehnt wird.

Übrigens mit Fleiß ins Ratsinformationssystem gestellt am 1. April.


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