Lang ist es her, dass ihr Landesvorsitzender der Herzen und Kommissar für blühende Landschaften aus den Landen westlich des Limes berichten durfte. Denn nicht irgendein Ereignis stand auf dem Plan, sondern eines, das Millionen beeinflussen wird – die Wahl der PARTEI-Europaliste. Nächstes Jahr ist schon wieder Wahl, sapperlot, und die PARTEI wird 20 Jahre alt, kruzifix, sogar Sonneborn feiert sein 10-jähriges Abgeordneten-Dasein.

So eine Europaliste wird nicht einfach so erklärt, nein nein, die Partei für basisdemokratische Initiative, die wir nun einmal sind, beruft dazu einen Europaparteitag ein, wie es sich gehört. Ihr MP in spe hat sich dabei wieder die abseitigen Kriegsschauplätze ausgesucht, aber dazu gleich. Es ist nämlich großes passiert, und endlich dürfen wir darüber reden:

Sibylle Berg ist Listenplatz 2 der PARTEI-Europaliste geworden. Ein Mensch mit Chuzpe, Verve, Charme und einer spitzen Feder. Bereits insgeheim, wie dereinst L. Trotzki, lobpreisend als „Die Feder“ bezeichnet, hat Sibylle Berg ein Wissen ins eigene Oeuvre georgelt, das mir die Spucke weg- und wieder in die Mundhöhle treibt, weil das so ein Spitzen-Wahlkampf wird.

Berg wird spätestens nach der Wahl (wie üblich streben wir 100 %+X an) einfach als EU-Präsidentin den Laden entweder radikal umkrempeln, oder bei institutioneller Unfähigkeit einfach komplett abfackeln. Ich freue mich jetzt schon auf beide Szenarien.

epaper Nr. 117, Titelbild. Foto: LZ
Cover Leipziger Zeitung Nr. 117, VÖ 29.09.2023. Foto: LZ

PARTEItag wäre kein PARTEI-Tag, wenn nicht wie üblich eine heruntergekommene West-Stadt als Austragungsort ausgesucht worden wäre. Diesmal: Die Stadt, die bekannt ist für … ja, für was denn eigentlich? … jedenfalls: Mainz. Das Gerücht, es gäbe „rheinische Frohnaturen“ hat sich beim Kontakt mit der örtlichen Ordnungsbehörde zwar nicht erweisen können, dafür waren die Genossys vor Ort umso fröhlicher. Traditionssensibel wie die PARTEI eben ist, haben wir das Motto des PARTEItags auch direkt festgelegt auf: Mainz – Alaaf!

Mit soviel Frohsinn im Sinn bezog sodenn auch ein Teil des PARTEItagpublikum das eigens angemeldete Protest-Camp unter einer wahrlich heruntergerockten Autobahnbrücke. Thema: „Mainz bleibt Mainz – Gegen Wohnungsnot und Mietenwucher!“ oder so ähnlich, und zum Glück fand das sogar die Ordnungsbehörde lustig. Der ausgezeichnet gewartete, staubig-steinige Schotterplatz hat seit diesem Wochenende auch seinen eigenen Google-Eintrag. Unter „Stadtoase Gamsbach“ können Sie viele gute (erstaunlich wohlwollende) Rezensionen zur Lokalität durchstöbern. Da zeigte sich Mainz einfach von seiner besten Seite!

An dieser Stelle muss ich mich endlich nochmal in aller Deutlichkeit bei meinen werten Genossenen der PARTEI entschuldigen. Denn nicht, dass wir alle nach zwei Tagen und zwei Nächten PARTEItag nicht schon genug gehabt hätten, nein, aufgrund einer Schnapsidee meiner Wenigkeit wurde sogar noch Tag 3 drangehangen – im ZDF-Fernsehgarten.

Unter dem Motto „Oktoberfest“ hatten sich 6.000 Rundfunkgebührenfans zum Sonntagmittag auf den Lerchenberg begeben und 243 PARTEI-Genossene mitten unter ihnen. Was dann folgte, lässt sich sehr gut in den einschlägigen Medien (Bunte, Schlagerprofis.de, FAZ) nachlesen.

Stichworte wie „Kiwi rastet aus“ (tat sie nicht, aber ein bisschen), „Pool-Pinkler“ (es war nur Uranin-Farbstoff, nach drei Tagen PARTEItag ist unser Urin blutrot) oder gar „Männer mit roten Krawatten stören Kiwi“ (es waren auch Frauen und ich hatte Hosenträger an) lassen ahnen, was da im Live-TV los war.

Springt jetzt erstmal in den heimischen Pool,
Ihr MP in spe a.D.
Tom Rodig

„Rodig reflektiert: Mainz ist ein Dreckloch“ erschien erstmals im am 29.09.2023 fertiggestellten ePaper LZ 117 der LEIPZIGER ZEITUNG.

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