Die Hilfesysteme in Sachsen sind mit den Problemen, die im Zusammenhang mit dem Konsum der Droge Crystal auftreten, überlastet. Das gilt nicht nur für die Suchtkrankenhilfe, sondern auch für die Kinder- und Jugendhilfe. Die Grüne-Landtagsfraktion fordert daher die Staatsregierung auf, schnellstens ein mit der Suchtkrankenhilfe abgestimmtes Maßnahmepaket zu erarbeiten.

Der entsprechende Antrag steht am kommenden Mittwochabend auf der Tagesordnung der Landtagssitzung.

“Seit 2009 steigt die Zahl der Crystal-Konsumenten, die Hilfe bei den sächsischen Suchtberatungsstellen suchen, drastisch an. 2002 waren es 869 Personen, 2011 bereits 2.389,” macht Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, den dringenden Handlungsbedarf deutlich.

“Bereits über die Hälfte aller Suchtberatungsstellen in Sachsen sind davon betroffen, darunter insbesondere die Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig, sowie die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Erzgebirge, Zwickau und das Vogtland. Da sich der Crystal-Konsum nicht mehr auf bestimmte Subkulturen oder Regionen begrenzen lässt müssen die Maßnahmen umfassender und nicht nur punktuell angelegt sein,” so die Sozialpolitikerin.

Für die ambulante Suchtkrankenhilfe fordert die Grüne-Fraktion ein Sofortprogramm: “Es müssen zehn zusätzliche Vollzeitstellen für Fachberaterinnen und Fachberater geschaffen sowie Fördermittel für ziel- und fachgruppenspezifische Weiterbildungsangebote bereitgestellt werden. Darüber hinaus sollte die Suchtberatung mit weiteren Hilfe- bzw. Betreuungssystemen für Jugendliche und junge Erwachsene mit Crystal-Konsum, wie Jugendhilfe, Schule, Jobcenter, Schwangerschaftsberatung, Geburtshilfe und Kinderschutz vernetzt werden. Bund und Länder sind zudem in der Pflicht, die Nachsorge von Crystal-Klienten durch Reha-Träger sicherzustellen.”

Täglich erreichen uns unzählige Meldungen aus Leipzig, Sachsen und darüber hinaus, die nicht immer gleich oder nie Eingang in den redaktionellen Alltag finden. Dennoch sind es oft genug Hinweise, welche wir den Lesern der “Leipziger Internet Zeitung” in Form eines “Informationsmelders” nicht vorenthalten möchten …

“Die Staatsregierung muss diese Maßnahmen mit einer breit angelegten Kampagne begleiten, um die Öffentlichkeit aber auch Konsumenten über die Folgen des Crystal-Konsums sowie Hilfsangebote zu informieren.”

Hintergrund: Warum brauchen Crystal-Klientinnen eine besondere Herangehensweise? Crystal ist als unscheinbares weißes Pulver oder in kristalliner Form auf dem Markt. Es ist weltweit auf dem Vormarsch und gelangt vor allem über Tschechien nach Deutschland bzw. Sachsen. Es ist derzeit billig zu haben und leichter verfügbar als jede andere Droge. Crystal macht wach, euphorisch, leistungsfähig. Die Effekte sind massiv und Konsumierende oft schon nach dem zweiten oder dritten Rausch süchtig. Die Rückfallquote ist hoch. Das Einstiegsalter liegt bei 14-18 Jahren. Konsumierende kommen aus allen Schichten.

Problematisch ist, dass regelmäßiger Crystal-Konsum die Nervenzellen nachhaltig schädigt. Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen oder psychotische Störungen sind die Folge, die sich u.U. auch bei Abstinenz fortbestehen. Das macht die Betreuung von Crystal-Klienten aufwändiger, als die von anderen Suchtkranken.

Der grüne Antrag “Crystal – Sofortprogramm zur Stärkung der ambulanten Suchtberatung in Sachsen” (Drs. 5/10944)
www.gruene-fraktion-sachsen.de/fileadmin/user_upload/Antraege/5_Drs_10944_1_1_4_.pdf

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