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Åsne Seierstad erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 wird der norwegischen Autorin und Journalistin Åsne Seierstad für „Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders“ verliehen. Das Buch erschien 2016 beim Verlag Kein & Aber. Åsne Seierstad gehört zu den renommiertesten Journalistinnen Skandinaviens. Als Korrespondentin und Kriegsberichterstatterin wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2017 erschien ihr Bestseller „Zwei Schwestern: Im Bann des Dschihad“.

In der Begründung der Jury heißt es:

Die Lektüre von „Einer von uns“ lastet schwer. Åsne Seierstad schreibt seit vielen Jahren aus den Krisengebieten der Welt, aus Tschetschenien, Serbien, Afghanistan, Syrien… Am 22. Juli 2011 aber ist sie in ihrem Heimatland und erlebt den Terroranschlag auf das Regierungsviertel von Oslo und das unfassbare Massaker auf der Insel Utoya. 77 Menschen sterben. Das alles geplant und ausgeführt von einem einzigen Mann, Anders Breivik. Sein Ziel: die „Unabhängigkeit Europas“. Seine Feinde: der Islam und die „radikalfeministische Agenda“.

„Einer von uns“ ist der beeindruckende Versuch, zu verstehen. Åsne Seierstad zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Leben sich über weite Strecken nicht bemerkenswert unterscheidet von dem Gleichaltriger. Und doch steigt er irgendwann aus und entscheidet sich, „die Gemeinschaft so brutal wie möglich zu verletzen“. Mit einer Vielzahl von Mosaiksteinen setzt sie nicht nur Wahrnehmung und Gefühlswelt des Täters zusammen, sondern lässt auch die Familien der Opfer und die Überlebenden zu Wort kommen.

Entstanden ist ein dokumentarischer Roman, der erhellend auf der Grenze zwischen Bericht und Erzählung, zwischen Faktischem und Vorstellungskraft balanciert und einen gewaltigen Sog entwickelt. Er enthält allgemein Anwendbares über die bedrohliche Zeit, in der wir leben. Und doch liegt Åsne Seierstads Verdienst auch darin, uns mit dem ganzen katastrophalen Ausmaß des Geschehens zu konfrontieren, in dem sie uns die Tragödie des Einzelnen vor Augen führt. Ihr Buch lässt uns Fragen stellen, über Zugehörigkeit und Gemeinschaft und über die notwendigen Voraussetzungen für ein zugewandtes, würdiges Zusammenleben.

Der Jury des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2018 gehören an: Dr. Alida Bremer (Autorin und Übersetzerin, Münster), Dr. Skadi Jennicke (Bürgermeisterin für Kultur, Stadt Leipzig), Michael Krüger (Verleger i. R., München), Johannes Riis (Verleger, Kopenhagen), Elisabeth Ruge (Lektorin und Verlegerin, Berlin).

Der Preis wird Åsne Seierstad anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse am Abend des 14. März 2018 im Gewandhaus zu Leipzig verliehen.

Die Laudatio hält die Journalistin und Autorin Verena Lueken.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, seit 1994 jährlich vergeben und mit 20.000 Euro dotiert, zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

Ausführliche Informationen zum Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den bisherigen Preisträgern, dem Kuratorium und der Jury sind unter www.leipzig.de/buchpreis zu finden.

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