Sachsen ist ein wichtiges Transitland für den internationalen Warenverkehr. Die Beratungsstelle für ausländische Beschäftigte in Sachsen (BABS), die vom Sächsischen Arbeitsministerium finanziert wird, hat bereits viele Anfragen von tschechischen und polnischen Kraftfahrern erreicht, die schlecht bezahlt und unter unmenschlichen Bedingungen die Nächte und Wochenenden verbringen müssen. Aus diesem Anlass fand am gestrigen Nachmittag eine Informationsaktion für LKW-Fahrer direkt an „ihrem Arbeitsplatz“ statt.

An der Raststätte Auerswalder Blick haben die Mitarbeiterinnen der BABS und Michael Wahl vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ für mehrere Stunden mit 48 Fahrern gesprochen. Unterstützt wurden sie dabei von Stefan Brangs, Staatsekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Detlef Müller, MdB und Ralf Hron, Regionsgeschäftsführer DGB-Region Südwestsachsen.

„Standards bei Lohn und faire Arbeitsbedingungen sind nicht verhandelbar“, macht Staatssekretär Brangs deutlich. „Zur fairen Arbeit gehört es, seine Rechte zu kennen. Mit unseren Beratungsstellen wollen wir einheimische und ausländische Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Transportbranche vor unfairem Wettbewerb und Lohndumping schützen. Unser Ziel ist die Gleichbehandlung aller Beschäftigten, die in Sachsen ihre Tätigkeit ausüben.“

Obwohl sich das Leben der Fahrer auf Westeuropas Autobahnen abspielt, werden sie häufig mit einem Lohn auf osteuropäischem Niveau abgespeist. Es geht um eine Gruppe von Beschäftigten, die oft um den Mindestlohn geprellt wird. Zudem werden Fahrer im Krankheitsfall systematisch um einen Großteil der Lohnfortzahlung betrogen und viele müssen erleben, dass der letzte Monatslohn nicht gezahlt wird, wenn ihr Arbeitsverhältnis endet. Die Fahrer arbeiten häufig unter menschenunwürdigen Lebensumständen. Der Arbeitgeber schickt sie in ihrem Lkw oft monatelang quer durch Europa mit gerade einmal acht Euro pro Tag für die Verpflegung. So gut wie nie wird eine Übernachtung in einem normalen Bett im Hotel bezahlt.

„Wir haben auf der Raststätte mehr als vier Stunden LKW-Fahrer aus verschiedenen Ländern angesprochen – sie kamen aus Polen, Tschechien, aus der Slowakei, Ukraine, aus Mazedonien, Rumänien, Ungarn oder Russland. Einige waren bereit, uns über ihr Leben auf den Straßen und Parkplätzen zu berichten. Viele waren einfach für die Informationsflyer und Kontakte zu der Beratungsstelle dankbar“, sagt Leona Bláhová, Beraterin der BABS. „Es ist wichtig, dass sie jetzt wissen, dass es in Sachsen und auch bundesweit solche Stellen gibt, wo sie kostenfrei Rat und Hilfe bekommen, wenn sie Fragen zu ihren Rechten und Ansprüchen haben oder von ihren Arbeitsbedingungen sprechen wollen. Und das sogar in ihrer Muttersprache“, ergänzt sie.

Paulina Bukaiová, BABS-Beraterin, hat mit vielen polnischen LKW-Fahrern gesprochen. „Manchmal hören wir wirklich grausame Geschichten – die Fahrer arbeiten seit Jahren für eine Speditionsfirma und haben niemals ihre Lohnabrechnung gesehen. Sie bekommen zwar regelmäßig ihre Löhne, aber sie wissen nicht, ob die Höhe stimmt oder ob alle gesetzlichen Beiträge in die Kranken- und Sozialversicherung abgeführt wurden. Es gibt aber auch gute Geschichten, was uns natürlich freut. Einige Fahrer waren mit ihrem Arbeitgeber sehr zufrieden, sie sind gesetzmäßig entlohnt und der Arbeitgeber bietet auch gute Arbeitsbedingungen an“.

Hintergrund: Die Beratungsstelle für ausländische Beschäftigte in Sachsen (BABS) wird im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr betrieben. Das Angebot richtet sich vor allem an angestellte und entsandte Arbeitnehmer aus Osteuropa, die in Sachsen tätig sind. Ziel ist, die ausländischen Arbeitnehmer vor unfairen Arbeitsbedingungen zu schützen. Die Beratung kann in tschechischer, polnischer, slowakischer, deutscher, englischer und ab April auch ungarischer und rumänischer Sprache durchgeführt werden. Büros gibt es in Dresden und in Leipzig. Weitere Informationen: www.babs.sachsen.de

Das DGB-Projekt Faire Mobilität führt seit Juli 2017 rund 30 Aktionen für Lkw-Fahrer auf Raststätten und Autohöfen in ganz Deutschland durch. Ziel ist es, auf Missstände aufmerksam zu machen und „Gute Arbeit“ im Transportsektor aktiv zu fördern. Mehr Informationen: www.faire-mobilitaet.de.

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