Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus und Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten Barbara Klepsch wird morgen (Sonnabend, 23. April 2022) an einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain teilnehmen. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Landesverband Sachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge laden anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Lagers und des Endes des Zweiten Weltkrieges zum Gedenken ein.

Vor dem Hintergrund des Angriffs Russlands auf die Ukraine möchte die Gedenkfeier in diesem Jahr einmal mehr ein deutliches Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Schirmherr der Veranstaltung ist der Präsident des Sächsischen Landtages, Dr. Matthias Rößler. Die Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages Andrea Dombois wird als Vertreterin des Landtagspräsidenten am Gedenken teilnehmen.

Staatsministerin Barbara Klepsch betont als Vorsitzende des Stiftungsrates der Sächsischen Gedenkstättenstiftung: „Wer hätte bei der Gedenkfeier im vergangenen Jahr gedacht, dass wir uns ein Jahr später im Angesicht eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges in Europa befinden. Nach den traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und dem unter dem Dach der Vereinten Nationen entstandenen humanitären Völkerrechts haben wir geglaubt, dass Angriffs- und Vernichtungskriege in Europa nicht mehr möglich sind.

Dies an einem Ort konstatieren zu müssen, an dem mehrere zehntausend Menschen ihr Leben verloren haben, ist bedrückend. Es muss aber für uns alle Antrieb für die Zukunft sein, unsere Anstrengungen für Frieden und Wohlstand in Europa zu verstärken. Aggressoren, Diktatoren sowie Feinde unserer demokratischen Grundordnungen müssen deutlicher als wir das bisher getan haben, als solche benannt und bekämpft werden.

Es bleibt für uns eine gesellschaftliche Aufgabe, uns mit der Entwicklung, die zur Machtübernahme und den Verbrechen der Nationalsozialisten als Ganzes auseinanderzusetzen und Lehren daraus zu ziehen.“

Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain erinnert an die Opfer des Kriegsgefangenenlagers der Wehrmacht in Zeithain bei Riesa zwischen 1941 und 1945. Es war vor dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschlands auf die Sowjetunion im April 1941 eingerichtet worden. Ab Oktober 1943 kamen auch italienische, serbische, britische, französische und polnische Gefangene in das Lager.

„Bisher war das eigentliche Lagergelände nur eingeschränkt für die Bildungsarbeit nutzbar, umso erfreulicher ist es, dass durch die Bereitstellung von 500.000 Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR ein Geschichtslehrpfad auf dem ehemaligen Lagergelände in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden konnte.

Dies wird der erste seiner Art an einem ehemaligen Standort der von der Wehrmacht als sogenannte Russenlager bezeichneten Kriegsgefangenen-lagern sein, die 1941 neu für die ausschließliche Unterbringung sowjetischer Kriegsgefangener gebaut wurden“, sagt Staatsministerin Barbara Klepsch abschließend.

Weitere Informationen zur Gedenkveranstaltung gibt es im Internet unter folgendem Link: https://www.stsg.de/cms/zeithain/veranstaltungen/gedenkveranstaltung-zum-77-jahrestag-der-befreiung-des

Hintergrund zum Kriegsgefangenenlager Zeithain

Insgesamt sind rund 25.000 bis 30.000 sowjetische und mehr als 900 Kriegsgefangene aus anderen Ländern – davon mindestens 874 Italiener – in Zeithain verstorben. Gründe waren vor allem mangelhafte Ernährung und katastrophale hygienische Bedingungen. Die zu Tode gekommenen Opfer des Lagers sind auf vier Friedhöfen in der Umgebung des ehemaligen Lagergeländes am Bahnhof Jacobsthal begraben.

Die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Zeithain wird in einer Dauerausstellung im Dokumentenhaus des Ehrenhains Zeithain und in einer ehemaligen Lagerbaracke dargestellt. Die Gedenkstätte in Trägerschaft der Stiftung Sächsische Gedenkstätten versteht sich als Informations- und Bildungsstätte sowie als Anlaufstelle für Angehörige der ehemaligen Kriegsgefangenen.

Zur Webseite der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain/Stiftung Sächsische Gedenkstätten: https://www.stsg.de/cms/zeithain/startseite

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