Das Portal Jüdische Gelehrte an der Universität Leipzig. Teilhabe, Benachteiligung und Ausschluss des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow und des Universitätsarchivs Leipzig ist ab sofort online.

Unter https://juedischegelehrtesachsen.de/ stellt es Informationen zum Leben und Wirken jüdischer Akademikerinnen und Akademiker an der Universität Leipzig zur Verfügung. Anhand ihrer Biografien erhellt es den ambivalenten Prozess der Emanzipation und Modernisierung im 19. und 20. Jahrhundert.

„Überblickskapitel eröffnen einen thematischen Einstieg mit Schwerpunkten auf Studienfächern oder historischen Entwicklungen, exemplarische Biografien einen Blick auf individuelle Lebenswege. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei stets auf den die Texte ergänzenden Originaldokumenten aus unserem Archiv“, so Dr. Jens Blecher, Leiter des Leipziger Universitätsarchivs. Das von Dr. Ulrich Schuster erarbeitete, frei zugängliche Webportal stellt ein attraktives Informationsangebot für Studierende, Forschende sowie die interessierte Öffentlichkeit dar. Ebenso eignet es sich für den Einsatz im Schulunterricht der höheren Klassen.

„Die Darstellung von Teilhabe, Benachteiligung und Ausschluss jüdischer Gelehrter wirft Schlaglichter auf den vielschichtigen Prozess der Modernisierung in Sachsen, dessen Widersprüche und Verwerfungen“, betont Prof. Dr. Jörg Deventer, Stellvertreter der Direktorin des Dubnow-Instituts. Dies wird etwa anhand der Biografie Julius Fürsts (1805–1873) deutlich. Der Orientalist war einerseits der erste jüdische Hochschullehrer seiner Alma Mater, andererseits wurde seine berufliche Laufbahn aufgrund der Beschränkungen, die ihm wegen seines jüdischen Glaubens auferlegt wurden, immer wieder erschwert.

So erhielt er trotz herausragender Leistungen lange Zeit keine bezahlte Stelle an der Universität, eine reguläre Professur wurde ihm ein Leben lang verwehrt. Zu den Feierlichkeiten anlässlich seiner Beerdigung jedoch fanden sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Universität und auch viele städtische Honoratioren ein. Darin kam eine gesellschaftliche Anerkennung von Juden zum Ausdruck, deren Einfluss in den folgenden Jahren wiederum durch die Verbreitung des modernen Antisemitismus geschwächt werden sollte.

Das Portal ist Ergebnis eines gleichnamigen Projekts, das Teil der vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst initiierten Förderinitiative „Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung“ war. Es wurde im Rahmen eines von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften koordinierten Leitprojektes zum Aufbau kooperativ nutzbarer Datenarchive durch das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, in enger Kooperation mit dem Universitätsarchiv Leipzig, erstellt.

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