Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWK) fördert ein Projekt des in Leipzig ansässigen Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow zum Schocken-Archiv in Jerusalem. Ziel ist die Ausarbeitung eines Verbundvorhabens, um gemeinsam mit dem Schocken Institute for Jewish Research den Archivbestand zu erschließen, zu erforschen und zu bewahren sowie international sichtbar zu machen.

Der als jüngstes von sechs Kindern in einer jüdischen Familie in Posen aufgewachsene Salman Schocken (1877–1959) baute mit seinem Bruder Simon einen der modernsten Warenkonzerne der Weimarer Republik auf. „Schocken“ war die viertgrößte Kaufhauskette in Deutschland – mit Schwerpunkt in Sachsen. In der Geschichte des Unternehmens zeichnen sich die politischen, ökonomischen und kulturellen Wandlungsprozesse in Deutschland zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus ab.

Angesichts der nationalsozialistischen Judenverfolgung verließ Salman Schocken mit seiner Familie Deutschland 1934; seine Kaufhäuser musste er vier Jahre später weit unter ihrem Wert veräußern. Der zu Beginn der 1930er Jahre von ihm begründete Schocken Verlag war einer der bedeutendsten jüdischen Verlage weltweit. Er bestand von 1932 bis zu seiner erzwungenen Schließung 1938 in Berlin, später in New York und Tel Aviv – und ist heute das zentrale Symbol moderner jüdischer Buchkultur.

Das Archiv, das all dies dokumentiert, rettete der Unternehmer aus Deutschland. Es befindet sich heute im Schocken Institute for Jewish Research in Jerusalem. „Der Archivbestand enthält einzigartige Dokumente zur jüdischen Geschichte in Sachsen vor dem Holocaust“, betont Staatsminister Sebastian Gemkow.

Die Direktorin des Dubnow-Instituts Yfaat Weiss führt aus: „Das inmitten des Stadtteils Rechavia in Jerusalem gelegene Archiv, angesiedelt in der von Erich Mendelsohn entworfenen Schocken-Bibliothek, enthält ein in seiner Überlieferungssituation außergewöhnliches Konzentrat von deutscher Geschichte und jüdischer Kultur. Der vom Schocken Institute des Jewish Theological Seminary of America bewahrte Bestand umfasst Akten aus Zwickau, Berlin, New York und Jerusalem, insbesondere ein in seiner Vollständigkeit einzigartiges Verlagsarchiv aus der Zeit des Nationalsozialismus, mit Korrespondenzen unter anderem von Hannah Arendt, Max Brod, Else Lasker-Schüler, Gershom Scholem und Stefan Zweig. Dieser innerhalb der Fachgemeinschaft hochgeschätzte Bestand soll durch das Projekt für breitere interdisziplinäre und internationale Forscherkreise geöffnet werden.“

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