Passend zur Großdemonstration „Raus aus dem Bildungsnotstand!“ heute Nachmittag vor dem Landtag stellt die Linksfraktion ihren Antrag zur Abstimmung, ein „ABC-Sofortprogramm-Sachsen: Schule und Lernen – gerecht und sozial“ aufzulegen (Drucksache 7/10875). Luise Neuhaus-Wartenberg, Sprecherin für Bildungspolitik, erklärt:

„Die Bildungsungerechtigkeit nimmt weiter zu, wenn Unterricht ausfällt und die Schulen unterschiedliche Voraussetzungen schlechter ausgleichen können. Lehrkräfte, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen gehen zu Recht auf die Straße. Die Situation an den Schulen ist vielerorts schockierend. Es war leider absehbar, dass sporadisches Lückenfüllen, Lippenbekenntnisse und das langjährige Ignorieren der Entwicklung nicht funktionieren können.

Mittlerweile fehlen knapp 3.000 Lehrkräfte. 6.000 Schülerinnen und Schüler sind hinzugekommen, aber im Verhältnis nur 38 Lehrkräfte. Die Überforderung und Mehrbelastung nehmen zu, lauter werden die Hilferufe von allen Betroffenen. Mit Flickschusterei wird es nicht mehr gehen.

Wir brauchen breite Lösungen, die mit den Betroffenen diskutiert werden. Unser Sofortprogramm bildet drei Stränge ab, die ineinandergreifen. Um Lehrkräfte für jede Schule, jedes Fach und jede Region zu gewinnen, müssen unkonventionelle Wege gegangen werden. Lehrpläne und Zusatzaufgaben müssen entschlackt und schulfremde Angebote stärker genutzt werden.

Außerdem muss viel mehr Personal an die Schule, das die Lehrkräfte von Zusatzaufgaben entlastet. Die beste Werbung für den Lehrberuf sind Arbeitsbedingungen, die mehr Gestaltungsmöglichkeit und Freude anstelle von Überlastung bedeuten!“

Hintergrund

Mit dem Antrag der Linksfraktion soll die Gewinnung von Lehrkräften erleichtert, Lehrpläne sowie Aufgaben sollen entschlackt und Unterstützungssysteme ausgebaut werden. Es soll Anreize für Praktika und Referendariat im ländlichen Raum geben, etwa kostenfreie ÖPNV-Nutzung. Es soll geprüft werden, ob Alumni mit fachwissen­schaft­lichem Abschluss Unterrichtsfach unterrichten können.

Ausländische Abschlüsse und Leistungen sollen leichter anerkannt werden. Wenn möglich, sollen Bedienstete mit pädagogischen oder fachwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen aus dem Bereich der Schulverwaltung an die Schulen abgeordnet werden. Die Fraktion schlägt ferner vor, dass die Schulkonferenz bei akutem Personalmangel über Einschränkungen im Fächerangebot entscheiden, die Zahl der Schulstunden pro Tag begrenzen und den Unterrichtsbeginn flexibilisieren darf.

Außerschulische Lernorte wie Bibliotheken, Museen, Konzerthäuser oder Forschungszentren, externe Bildungsträger (z.B. „Schülerhilfe“) sowie Akteurinnen und Akteure aus der Berufspraxis sollen in die Unterrichtsgestaltung einbezogen werden. Gefordert werden zudem zusätzliches Personal in Verwaltung, Sprachmittlung, Schulassistenz, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit sowie die Einberufung eines Runden Tisches „Schule und Lernen – gerecht und sozial“.

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