Seit drei Jahren gibt es am Universitätsklinikum Leipzig einen Pflegerisch-Onkologischen Konsildienst (POK). Dieser Dienst berät, befragt, informiert und analysiert die Situation onkologischer Patient:innen – aus Sicht der pflegerisch Verantwortlichen am UKL ein Erfolg, aber auch Ärzt:innen sehen positive Effekte. Seit kurzem gehört dazu neben der Beratung der betreuenden Kolleg:innen und der behandelten Patient/-innen auch die Beratung von Angehörigen.

„Wir haben am UKL vor drei Jahren den Pflegerisch-Onkologischen Konsildienst zunächst als kollegiale Beratung und Anlaufstelle für Patient/-innen aufgebaut“, berichtet Matthias Herrmann, Pflegerischer Bereichsleiter der Palliativmedizin/Onkologische Pflege. „Damit gelang es uns, die Pflegequalität zu verbessern, fachliche Kompetenz zu bündeln und der Zielgruppe, Patient:innen mit Krebserkrankungen, größtmögliche Fürsorge und Unterstützung angedeihen zu lassen.“ Seit dem vergangenen Jahr wurde das Angebot nun um die sehr wichtige Beratung für Angehörige erweitert.   

In einer renommierten deutschen Zeitung habe es mal in einem Artikel geheißen, dass an Kliniken oft keine Zeit für Menschlichkeit sei – bedingt durch zu wenig Personal, Zeitdruck und andere Faktoren. Daher galt es Wege zu finden, sagt Herrmann, gerade den besonders gesundheitlich schwer betroffenen Patient/-innen sowie deren Angehörigen zusätzliche Hilfe und Unterstützung anzubieten. „Für diese nun geschaffene Gesprächszeit mit unserem speziell dazu ausgebildeten Fachpersonal sind die Patient/-innen sehr dankbar“, erklärt er. 

Eingebunden in diesen Konsildienst, der an Krebs Erkrankte betreut, berät, informiert, Beratungsgespräche evaluiert und sich somit bestmöglich um deren Belange kümmert, sind am UKL rund 60 onkologische Pflegefachkräfte. „Das ist ein großes Team, auf das wir auch sehr stolz sind“, so Herrmann. 

„In den interdisziplinären Fallbesprechungen mit Ärzt/-innen, Psychoonkolog/-innen, Ernährungsberater/-innen und Logopäd/-innen, sowie auch bei den onkologischen Pflegevisiten und Angehörigenberatungen sammeln wir sozusagen Wissen und Erfahrungen ein, die dann letztlich in Standards münden, welche klinikweit für onkologische Pflegekräfte gelten“, erläutert Matthias Herrmann.

Die Rückmeldungen der Patient/-innen seien ausgesprochen positiv: „Wir reden mit ihnen, hören ihnen zu und versuchen – auch stationsübergreifend – uns ihrer Probleme und Sorgen anzunehmen und Lösungen zu finden.

Prof. Dr. Florian Lordick, Direktor des Universitären Krebszentrums Leipzig, schätzt die große Erfahrung der onkologisch Pflegenden und ihre persönliche Einsatzbereitschaft. „Sie tragen wesentlich dazu bei, dass sich unsere Patient/-innen sicher fühlen im Umgang mit der Krankheit und den Therapiemaßnahmen. Raum für Beratung und Gespräche mit den Patient:innen sind immer besonders wichtig, um auf Bedürfnisse und Sorgen reagieren zu können. Dabei haben die Pflegekräfte mit Blick auf die Patient:innen eine andere Perspektive und andere Zugangswege als unsere Ärzt:innen. Aber genau das vervollständigt die umfassende Betreuung in unserer Einrichtung.“

Konsildienst um Angehörigenberatung erweitert

Der 46-jährige Matthias Herrmann beschreibt ein Beispiel: „Ein Patient klagt über starke Nebenwirkungen bei der Chemotherapie, er leidet ständig unter großer Übelkeit. Hier würden wir nun mit den entsprechenden fachlichen Partnern überlegen, ob und wie wir mit zusätzlichen Mitteln diese Übelkeit mildern kann – gegebenenfalls auch mit komplementären Möglichkeiten.

Hier greifen beispielsweise das Angebot der Aromapflege oder ein weiterer Ansatz, die Akupressur.“ Generell liegt das Hauptaugenmerk der Beratung des Fachpflegeteams auf einer sehr breiten und ganzheitlichen Betrachtung einschließlich der Vermittlung von Kontakten zu anderen Berufsgruppen wie Ernährungsberatern oder dem Sozialdienst.   

Besondere Bedeutung haben dabei auch die Angehörigenberatungen, weshalb der Konsildienst auch um diesen Aspekt erweitert wurden. „Wir wissen, dass die Familie ein wichtiger Pfeiler des sozialen Umfelds ist, also eine Art Kraftzentrum, dass schwer erkrankten Patient/-innen innere Stärke, Mut und Zuversicht gibt. Aber auch die Angehörigen benötigen manchmal Unterstützung und Beratung, damit sie ihrem erkrankten Familienmitglied unterstützend und begleitend zur Seite stehen können“, betont Herrmann. 

Kontakt

Den Kontakt zum pflegerisch-onkologisch Konsildienst erhalten Patienten/-innen, die am UKL in Behandlungen sind, und deren Angehörige entweder über das Stationspersonal oder direkt unter Telefon 0341-97 11722. 

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