Am Mittwochmorgen um 5.00 Uhr verteilt die IG Metall Leipzig Energiedrinks an die Kolleginnen und Kollegen im BMW-Werk Leipzig. „Energie rauf, Arbeitszeit runter!“ lautet das Motto, mit dem die 35-Stundenwoche im BMW-Werk in Leipzig gefeiert wird.
„Es war ein harter Arbeitskampf, den wir gemeinsam in den letzten Jahren geführt haben, um die Einführung der 35-Stundenwoche auch im Osten zu ermöglichen“, so Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender im BMW Group Werk Leipzig. „Wir haben in mehreren Tarifrunden zuletzt 24-Stunden-Warnstreiks durchgeführt und ich erinnere mich noch an all die langen Tage und Nächte der Verhandlungen. Es ist nur gerecht, dass wir jetzt – 36 Jahre nach der Deutschen Einheit – endlich die 35-Stundenwoche auch bei uns im BMW-Werk haben.“
„Die 35-Stundenwoche bedeutet für die Beschäftigten mehr Zeit für Familie, mehr Raum für Erholung und ist ein wichtiger Schritt in eine moderne Arbeitswelt, also ein Gewinn für alle“, so Michael Hecker, Zweiter Bevollmächtigter IG Metall Leipzig. „Nicht der Abbau von Arbeitnehmerrechten führt uns aus der wirtschaftlichen Krise, sondern ein Fundament aus Stabilität, Vertrauen und guter Arbeit. Dazu zählen auch moderne Arbeitszeiten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit.“
„Die lauten Rufe einiger Arbeitgeber und Politiker nach längeren Arbeitszeiten, Feiertagsstreichung, Ausweitung des Rentenalters und einem generellen Abbau von Arbeitnehmerrechten suggerieren den Menschen seit Monaten, dass sie das Problem und die Ursache der Krise seien“, so Steffen Reißig, Erster Bevollmächtigter IG Metall Leipzig. „Das Gegenteil ist richtig. Die Beschäftigten sind ein wichtiger Teil der Lösung. Sie sind es, die täglich dafür sorgen, dass Wertschöpfung in diesem Land stattfindet und nur mit ihnen wird die Transformation gelingen.“
In der ostdeutschen Metallindustrie mussten die Beschäftigten lange 38 statt 35 Stunden wie im Westen arbeiten. Die Angleichung Ost schreitet allerdings voran. Die IG Metall hat mit den Beschäftigten im Osten inzwischen in zahlreichen Betrieben Regelungen zur 35-Stundenwoche erkämpft. Im Wirkungsbereich der IG Metall Leipzig gibt es derzeit Regelungen in 25 Betrieben. Auch im Leipziger Porsche Werk wird inzwischen 35 Stunden pro Woche gearbeitet.
Seit 2021 hat die IG Metall in Berlin, Brandenburg und Sachsen gemeinsam mit den Betriebsräten und den Beschäftigten für inzwischen mehr als 85 Prozent der betroffenen Mitglieder in der Metall- und Elektroindustrie die 35-Stundenwoche durchgesetzt. Grundlage ist der Tarifvertrag vom 25. Juni 2021. Darin hat die IG Metall nach einem langen und harten Arbeitskampf mit den Arbeitgeberverbänden in Berlin, Brandenburg und Sachsen einen Rahmen für den Weg zur 35-Stundenwoche vereinbart. Damit ist es möglich, in einzelnen Betrieben mit Betriebsvereinbarungen die Reduzierung der Arbeitszeit bis auf das Westniveau auszuhandeln.
Die 35-Stundenwoche auch in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie ist eine Frage der Gerechtigkeit für die Beschäftigten. Für Betriebe wird sie nun auch zunehmend wichtig, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.






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