Beim Standard der Versorgung und Behandlung schwerverletzter Patient:innen zählt das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zur bundesweiten Spitze. Dies geht aus dem TraumaRegister (TR) DGU® 2025 hervor. Das UKL punktet insbesondere mit einer höheren Überlebensprognose Schwerverletzter bei einer gleichzeitig unterdurchschnittlichen Liegedauer auf der Intensivstation.

Herausragend ist darüber hinaus die überregionale Bedeutung von Leipzigs größtem Traumazentrum, welche sich in einem großen Einzugsgebiet zeigt, aus dem schwerverletzte Patient:innen hierher gebracht werden.

Für das TR-DGU wurden die Daten von insgesamt 684 teilnehmenden Kliniken ausgewertet – neben Deutschland aus zehn weiteren Ländern, der überwiegende Teil davon aus Belgien, Österreich und der Schweiz. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. und der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH herausgegeben.

Schwerverletzte, die ans UKL eingeliefert werden, haben einen um 2,6 Prozent größeren Überlebensvorteil. Dazu wurde für jede/n der dokumentierten schwerverletzten Patient:innen, die im Jahr 2024 am UKL primär versorgt worden waren, eine eigens für das Register entwickelten Vorhersage der Mortalität (Sterblichkeit) anhand von 13 Kriterien erstellt. Mit einem Wert von 13,9 Prozent lag diese Prognose, in die unter anderem das Alter und das Verletzungsmuster einfließen, 2,6 Prozentpunkte über der tatsächlich eingetretenen Mortalität.

Anders ausgedrückt: Dank der exzellenten Behandlung haben am UKL mehr Patient:innen überlebt als aufgrund ihrer Prognose zu erwarten gewesen wäre. Mehr noch: Im Vergleich aller im TR-DGU aufgeführten Kliniken wird deutlich, dass lediglich vier Kliniken mit gleicher beziehungsweise größerer Fallzahl eine ähnlich positive Differenz zwischen beobachteter und erwarteter Sterblichkeit aufweisen wie das Leipziger Universitätsklinikum

Hohe Fallzahlen aus einem großen Einzugsgebiet

„Mit 299 Patient:innen im sogenannten statistischen Basiskollektiv liegen wir in Deutschland ebenfalls sehr weit vorn“, sagt Prof. Christian Kleber, Leiter des Überregionalen Traumazentrums am UKL. Für eine Auswertung im TraumaRegister DGU® werden alle Patient:innen berücksichtigt, die über den Schockraum aufgenommen und anschließend intensivtherapeutisch versorgt wurden.

„Im Vergleich zu anderen überregionalen Traumazentren kommen wir auf eine mehr als dreimal höheren Fallzahl als der Schnitt.“ Für Prof. Kleber spielt hier auch das große Einzugsgebiet des UKL eine Rolle, was sich im Anteil der an das Klinikum verlegten schwerverletzten Patient:innen widerspiegelt: „Mit 28,4 Prozent haben wir am UKL über ein Viertel so genannte Sekundärverlegungen.

Das sind Patient:innen, die aus anderen Einrichtungen zu uns kommen. Der deutschlandweite Schnitt liegt hier bei lediglich 8,4 Prozent. Im Gegenzug behandeln wir 71,6 Prozent primär, also als Erstversorger – gegenüber bundesweit 91,6 Prozent“, ergänzt der Unfallchirurg, der zugleich als stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und plastische Chirurgie sowie Bereichsleiter Unfallchirurgie tätig ist. 

Trotz gravierender anatomischer Verletzungen kürzere ITS-Liegezeiten

Obwohl die Patient:innen am UKL überdurchschnittlich oft unter vergleichsweise gravierenden Verletzungen von Wirbelsäulen, Becken, Gesicht oder den unteren Extremitäten leiden, bleiben sie für einen kürzeren Zeitraum auf der Intensivstation (ITS) als im deutschlandweiten Vergleich. Das TraumaRegister DGU® gibt hier Auskunft, wie hoch bei überlebenden Patient:innen die Wahrscheinlichkeit für einen verlängerten Aufenthalt (über sieben Tage) auf der Intensivstation ist.

Diese Prognose wurde anschließend der tatsächlich beobachteten Aufenthaltsdauer gegenübergestellt. Das Ergebnis: Am Universitätsklinikum Leipzig lag der Anteil an überlebenden Patient:innen, die länger als sieben Tage auf der Intensivstation verbleiben mussten, bei 18,5 Prozent – und damit deutlich unter dem prognostizierten Wert anhand der Verletzungsschwere von 24,5 Prozent. 

Hoher Grad der Vernetzung und effiziente interdisziplinäre Zusammenarbeit 

Einen wichtigen Grund für die herausragenden Kennziffern bei der Versorgung von Traumapatient:innen sieht Prof. Christian Kleber in der hochvernetzten, qualitätsgesicherten Traumaversorgung innerhalb des Trauma-Netzwerkes Westsachsen. Als dessen Gründungsmitglied im Jahr 2009 nimmt das UKL eine zentrale Rolle bei der überregionalen Versorgung Schwerverletzter ein und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung einheitlicher Behandlungsstandards und zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung auf höchstem Niveau bei. 

Im Traumazentrum UKL selbst kommt der interdisziplinären Zusammenarbeit und dem kontinuierlichen fachlichen Austausch eine besondere Bedeutung zu. So tauschen sich beispielsweise Expert:innen verschiedener Disziplinen und Versorgungsstufen in der Arbeitsgruppe Polytraumazirkel regelmäßig zur Weiterentwicklung der Traumaversorgung aus. Gemeinsam werden hier reale Versorgungsfälle analysiert, Schnittstellen optimiert und geprüft, welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die klinische Praxis überführt werden können.

„Diese strukturierte Zusammenarbeit stärkt nicht nur die Versorgungsqualität innerhalb des Traumazentrums UKL, sondern fördert auch eine gemeinsame Lern- und Fehlerkultur“, beschreibt es Prof. Christian Kleber. 

In seiner Funktion als Kinderpolytrauma-Referenzzentrum bündelt das UKL darüber hinaus spezialisierte medizinische, pflegerische und therapeutische Kompetenzen, um auch schwerstverletzte Kinder und Jugendliche altersgerecht, schnell und umfassend versorgen zu können. Hinzu kommen regelmäßige (unangekündigte) Schrockraum- und Notfalltrainings inklusive Not-OP-Techniken, die Einbindung in das Interdisziplinäre Versorgungsnachweissystem IVENA zur Echtzeit-Kommunikation und Steuerung von Patientenströmen zwischen Rettungsdiensten, Leitstellen und Krankenhäusern und vieles mehr.

Geschlossene „Rettungskette“ erhöht Überlebenschancen 

Entscheidend für die Verbesserung der Überlebenschancen von Unfallopfern ist nicht zuletzt eine konsequent geschlossene „Rettungskette“, die eine nahtlose Versorgung vom Unfallort bis zur vollständigen Rehabilitation gewährleistet. Sie beginnt mit der präklinischen Versorgung durch hochqualifizierte Notfallmediziner:innen, setzt sich über die strukturierte Schockraumversorgung und spezialisierte operative sowie intensivmedizinische Behandlung fort und endet nicht zuletzt in einer individuell abgestimmten Nachsorge.

„Diese ganzheitliche Betrachtung der ‘Rettungskette’ unterstreicht unseren Anspruch, Traumapatientinnen und -patienten nicht nur akut zu retten, sondern ihnen langfristig die bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben“, so Prof. Kleber.

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