So langsam kommt Bewegung in das Leipziger verkehrspolitische Denken. 20 Jahre lang schien fast alles, was da geregelt ist im Leipziger Stadtverkehr, bis in alle Ewigkeit unverrückbar. Wo Autos fahren, fahren Autos. Hauptstraßen sind Hauptstraßen. Und der Pkw-Bestand wächst. Tut er auch. Auch die CDU-Fraktion entdeckt jetzt die Möglichkeiten, Verkehr in Leipzig zu gestalten.

Am 17. Oktober gab sie einen Antrag ins Verfahren, der die Verkehrsführung in der beliebten Kneipenmeile Gottschedstraße verändern soll. Er passt in die aktuellen Umbauten der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) in der Käthe-Kollwitz-Straße, wo gerade die Haltestelle Gottschedstraße behindertengerecht umgebaut wird. Ein schönes Beispiel, wie Leipzigs Verkehrspolitik ausschlägt wie ein wild gewordenes Pendel.

Denn nur 100 Meter weiter in der Thomasiusstraße soll demnächst ein neues Parkhaus mit 349 Stellplätzen gebaut werden – 260 davon mit 1,066 Millionen Euro von der Stadt Leipzig gefördert. Obwohl der Stadtbezirksbeirat Mitte deutlich für eine Ablehnung des Projektes gestimmt hatte. Denn es löst die Probleme des Verkehrs im Viertel nicht – wird nur mit ziemlicher Sicherheit für neuen Verkehr sorgen, zusätzlichen Verkehr von Pkw-Besitzern, die den Weg ins Parkhaus suchen.Eine umfassende Verkehrsplanung für die Leipziger Westvorstadt sucht man vergebens. Und nicht nur abends, wenn die Freisitze in der Gottschedstraße besetzt sind, schieben sich Pkw aller Größen und Klassen, diverse Nutzfahrzeuge und Radfahrer durch den begrenzten Straßenraum. Der noch zusätzlich durch jene Pkw-Besitzer eingeschränkt wird, die das kreative Parken zur Gewohnheit gemacht haben.

Die CDU-Fraktion fordert mit ihrem Antrag nun von der Stadtverwaltung ein Konzept, das die weitere Entwicklung der Gottschedstraße zu einer fußläufig gut erlebbaren Gastronomiemeile fördert. Und weil man durchaus Gutes gehört hat von den Bürgerbeteiligungen beim “Karli”-Projekt, kann sich die Fraktion auch in der Gottschedstraße eine intensive Beteiligung der Anlieger und Anwohner an der Erarbeitung des Konzepts vorstellen.Dritter Schwerpunkt dabei ist die Überprüfung und ggf. erforderliche Korrektur der Verkehrsführung in Folge des Abschlusses aktueller Baumaßnahmen.

“Die Gottschedstraße hat sich über den Abschnitt Dittrichring – Käthe-Kollwitz-Straße hinaus zu einer interessanten und lebenswerten Wohn- und Geschäftsstraße entwickelt”, begründet die CDU-Fraktion ihren Antrag. “Auch auf Grund der damit verbundenen starken Besucherfrequenz wird gegenwärtig für die sichere und barrierefreie Erreichbarkeit in der Käthe-Kollwitz-Straße eine barrierefreie Haltestelle errichtet und die Kreuzung mit einer Ampelanlage versehen.”

Doch so begrüßenswert dies auch sei, dürfe dies aber nicht zu Lasten der entwickelten und sich entwickelnden gewerblichen Nutzung gehen, die gerade zur Wertigkeit der Straße beiträgt. “Freisitze können natürlich nur im Einklang mit der fußläufigen Durchwegung der Straße organisiert werden”, stellt die Fraktion zu recht fest. “Um beides zu ermöglichen, soll unter Beachtung der aktuellen Entwicklung der Verkehrsströme die Verkehrsführung überprüft und ggf. neugeordnet werden.”

Einige Vorstellungen, wie das aussehen könnte, hat die Fraktion auch schon. So sei es überlegenswert, die Gottschedstraße von der Einmündung Käthe-Kollwitz-Straße Richtung Thomasiusstraße beginnend als Einbahnstraße zu führen und gleichzeitig den stadtauswärtigen Fußweg und sowie den Raum für Freisitze zu erweitern. Das würde Gastronomie-Einrichtungen wie der “Neuen Szene”, der Ducktail-Bar und “L’Italiano Vero” zugute kommen.

Soweit möglich sollte dieses Vorgehen auf die gesamte Gottschedstraße ausgedehnt werden, betont die CDU-Fraktion, also auch auf den Bereich, der schon lange Zeit als Gastromeile bekannt ist, den Abschnitt zwischen Käthe-Kollwitz-Straße und Dittrichring. Anlieger und Anwohner sollen profitieren und sich deshalb auch an der Diskussion beteiligen. Darüber hinaus könne es durchaus Überlegungen geben, dass sich die Anlieger an der baulichen Umsetzung der dann vereinbarten Freiraumgestaltung beteiligen.

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