Mehrfach in den letzten Monaten fragte die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat zu den Plänen über die Zukunft der Musikalischen Komödie nach. Sie nahm die Diskussionen in Folge des 2011 vorgelegten actori-Gutachtens ernst, nach dem sich einige Stadtratsfraktionen auch die Schließung der "Muko" als Spielstätte vorstellen konnten. Aber selbst OBM Burkhard Jung (SPD) will die "Muko" nicht geschlossen sehen. Was also tun? - Sanieren, beantragt die Linke jetzt.

Am 21. Februar hat sie ihren alten Antrag vom 17. März 2011 wieder aus der Schublade geholt und überarbeitet neu vorgelegt. In der Stadtratssitzung am 21. März soll er nun behandelt werden. Darin fordern die Linken die Stadtverwaltung auf, bis zum 31. Mai 2013 “einen Planungs- und Baubeschluss für die Fortsetzung der Sanierung des Theaters Musikalische Komödie (Haus Dreilinden)” vorzulegen. Die Stadtverwaltung soll auch die Einwerbung von Fördermitteln für das Bauvorhaben sowie die Möglichkeit der Realisierung eines Ergänzungsbaus am Standort prüfen.Denn investiert wurde ja in das vor 100 Jahren eröffnete Gebäude schon mehrfach in letzter Zeit. Der Sanierungsprozess blieb nur immer wieder im Feilschen um die verfügbaren Etats hängen. Während es fürs Opernhaus am Augustusplatz eine stringente Sanierungslinie gibt, wird im “Haus Dreilinden” immer wieder nur gestückelt.

Die Linke in ihrem Antrag: “Anfang der 1990er Jahre erfolgte eine umfangreiche Teilsanierung an der Gebäudehülle, im Saalparkett und teilweise im bühnentechnischen Bereich. Nicht fertiggestellt wurde der Rang, und offen ist auch die Sanierung des Sozialbereiches, wo die Künstler und die anderen Mitarbeiter weiterhin unzumutbare Bedingungen vorfinden. Auf längere Sicht kann dies zur Gefährdung des Theaterstandortes Musikalische Komödie in der Dreilindenstraße führen. Dem ist entgegenzuwirken.”

Und sie zitiert, um den Investitionsbedarf zu unterstreichen, aus der DS V/1197 “Wahl des Intendanten der Oper Leipzig”: “Die Existenz der Musikalischen Komödie ist zu sichern und die Bedingungen für qualitativ hochwertige, zuschauerzugkräftige Produktionen zu verbessern.”

Zudem wurden Sanierungsmaßnahmen zu jährlich 600.000 Euro in den Jahren 2013 bis 2016 in der DS V/2229 am 18. Juli 2012 beschlossen.

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“Als echtes Volkstheater im Gründerzeitgebiet Lindenau ist es zur kulturellen Bildung für die Leipziger Theaterlandschaft und wegen seiner Außenwirkung unverzichtbar”, betont die Linksfraktion.” Im vergangenen Jahrhundert traten zahlreiche Künstler von Weltrang im Theater Dreilinden auf. Zudem könnte nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen der Rang wieder genutzt werden, damit der Zuschauernachfrage auf noch höherem Niveau entsprochen und die Einnahmen erhöht werden können. Im Ergänzungsanbau sollten Lagermöglichkeiten für Kulissen geschaffen werden, die heute extern angemietet sind und ständige Transporte mit entsprechenden Kosten verursachen. Die Muko gehört zum Sanierungsgebiet Lindenau, deshalb sollten Fördermittel eingeworben werden. Da im Einkaufszentrum Lindenauer Markt eine Mitnutzung durch Mukobesucher nicht möglich ist, sollte auch das Parkplatzproblem zumindest teilweise auf dem bisher brachliegenden Grundstück gelöst werden.”

Das dürfte auch die Diskussion um das actori-Gutachten und die nun anstehenden Entscheidungen um die Eigenbetriebe Kultur der Stadt Leipzig befeuern. Denn die drohende Finanzierungslücke von 5 Millionen Euro ist dauerhaft nur zu schließen, wenn Leipzig entweder auf eines seiner Theaterhäuser verzichtet oder sie – wie die FDP und die Grünen vorgeschlagen haben – fusioniert. Oder die Stadt gibt wirklich – wie Burkhard Jung 2012 zumindest fürs erste beschlossen hat, “mehr Geld ins System”.

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