Seit einigen Tagen kreist in Leipzig eine Debatte um etwas, das es noch gar nicht gibt. Was die einen nicht daran hindert, erst einmal alle Vorurteile aufzuzählen, welche einem zum Thema Islam allgemein so einfallen. Um die in Leipzig bauende Ahmadiyya-Gemeinde geht es dabei selten bis nie - zu mächtig die Bilder, welche Medien und so mancher ressentimentgeladene Politiker in den vergangenen Jahren von radikalen Islamisten auf alle Strömungen des Glaubens übertrugen. Die L-IZ im ersten direkten Austausch mit Abdullah Uwe Wagishauser, Amir und Bundesvorsitzender der deutschen Ahmadis.

Wie steht Ihre Gemeinde zu der Protestbewegung, die sich gegen das Bauvorhaben in Leipzig formiert?

Proteste sind normale demokratische Formen der Meinungsäußerung und sind somit legitim. Ich würde mir nur wünschen, dass sie sachlicher geführt würden.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Vergangenheit mit solcherlei Protesten gemacht?

Proteste kommen bei Moscheebauten immer wieder vor, vor allem wenn wir Moscheen in Gegenden bauen, in denen man unsere Gemeinde nicht schon vorher wahrgenommen und kennen gelernt hat.

Sind die Befürchtungen der Moschee-Gegner, Ihre Gemeindemitglieder könnten die Verkehrssituation überstrapazieren, militante Islamisten anziehen oder gar an einer benachbarten Grundschule missionieren, berechtigt?

Bei der kleinen Gemeinde wird die veränderte Verkehrssituation so gering sein, dass sie von den Anwohnern kaum wahrgenommen werden wird. Wir haben in unseren 36 Moscheen in Deutschland nirgendwo Probleme mit militanten Islamisten gehabt. Die Vorstellung, an einer Schule zu missionieren, ist absurd; wir würden aber selbstverständlich Schulklassen im Zuge des Ethikunterrichts, wenn gewünscht, in die Moschee einladen.
Sie haben in Berlin-Heinersdorf die erste Moschee im orientalischen Stil in den neuen Bundesländern errichtet. Auch dort gab es ressentimentgeladene Proteste, an denen sich neben Anwohnern Neonazis beteiligt hatten. Wie gestalten sich dort heute der Gemeindealltag und das Verhältnis zu Ihren nicht-muslimischen Nachbarn?

In Heinersdorf gibt es mittlerweile wie von uns auf Grund langjähriger Erfahrung vorhergesagt, ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis, selbst zu ehemaligen Gegnern der Moschee.

Planen Sie selbst, mit der Bürgerinitiative “Gohlis sagt Nein” ins Gespräch zu kommen?

Wenn wir eingeladen werden, würden wir uns einer Begegnung nicht verweigern.

Welche Schritte haben Sie nach der städtischen Verkündung des Baus bereits unternommen, den Moscheebau voranzubringen?

Da wir noch keinen positiven Bescheid auf unsere Bauvoranfrage schriftlich vorliegen haben, können wir noch keine weiteren Schritte unternehmen.

Ist für Sie ein anderer Standort, als der bisher gewählte, denkbar?

Der Standort in Gohlis ist unserer Ansicht nach sehr verträglich und so viele Möglichkeiten werden einem ohnehin nicht gewährt, einen guten Platz für eine Moschee zu bekommen. Dieser Platz ist auch leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Bitte beschreiben Sie aus Ihrer Sicht die Stellung Ihrer Gemeinde innerhalb der islamischen Religion.

Wir sind eine Reformgemeinde im Islam, rein religiös, liberal und wertekonservativ. Die Gemeinde steht für die klare Trennung von Staat und Religion, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und eine Loyalität zum jeweiligen Staat unter dessen wohlbehüteten Daches man lebt.

Wie steht Ihre Gemeinde zu radikalen Strömungen innerhalb des Islam?

In Glaubensdingen gibt es keinen Zwang. Das Gewaltmonopol steht nur dem demokratisch gewählten Staate zu.

Die Thomaskirchpfarrer Christian Wolff & Britta Taddiken haben bereits verkündet, dass auch seitens der Kirche Spenden für Ihren Moscheebau kommen werden. Wie bewerten Sie diese Initiative?

Die Haltung der Vertreter dieser Kirche ist beeindruckend und erfüllt uns mit großer Freude. Obwohl wir es gewohnt sind, unsere Projekte aus unseren eigenen hier in Deutschland gesammelten Spenden der Mitglieder zu finanzieren. Die Spende der Thomasgemeinde werden wir selbstverständlich gern annehmen und zu 100% in den Bau der Moschee fließen lassen.

Zur Ahmadiyya – Deutschlandseite: www.ahmadiyya.de

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