Es hätte so hübsch sein können: An der Ecke Selneckerstraße/Fockestraße hatte die Leipziger CDU einen hübschen Standort für einen Schulneubau ausgemacht – Sportplatz gleich daneben, Auwald um die Ecke. Warum plant die Stadt hier also keinen Schulbau? Wir würden ja gerne, antwortet jetzt das Sozialdezernat. Aber nicht nur, dass die Schule auf Stelzen gebaut werden müsste, spricht gegen die Idee.

Auf den ersten Blick sieht alles geradezu ideal aus: „Das städtische Grundstück (Flurstücksnummer: 512/4; Gemarkung Connewitz) ist von der Lage, Größe und vom Bedarf her für einen Schulstandort (Grundschule oder Oberschule) sehr gut für das Stadtgebiet Connewitz/Südvorstadt geeignet.“ Das schreibt das Sozialdezernat.

Aber was von außen so hübsch grün aussieht, steckt voller Gründe, die „gegen eine Nutzung für diesen Zweck“ sprechen.

25 % der Fläche sind Ausgleichsfläche für das Vorhaben BMW-Werk (externe Ausgleichsfläche für B-Plan Nr. 750). Was beim BMW-Werk an Ackerfläche überbaut wurde, musste hier zum Teil als neuer Wald angepflanzt werden. Und zwar dauerhaft.

Etwa 50 % der Fläche (nördlicher Teil des Flurstücks) befindet sich im festgesetzten Überschwemmungsgebiet der Weißen Elster. Was übrigens auch auf den benachbarten Wagenplatz zutrifft, der auf einem Gelände steht, das die Stadt Leipzig noch nicht ganz als möglichen Schulstandort aufgeben wollte.

Aber das ist halt der Nordteil. Beim Südteil gibt es wieder andere Probleme, denn das Flurstück gehört noch zum Altstandort der ehemaligen Kaserne der Sowjetischen Armee Selneckerstraße/Windscheidstraße und ist im Sächsischen Altlastenkataster/SALKA (Altlastenkennziffer/AKZ 65 41 0702) registriert. Wenn da noch Munition liegt, lässt die sich zwar aufwendig beseitigen.

Aber dann gibt es einen Hinderungsgrund, den auch die Stadt Leipzig nicht beseitigen kann: Das Flurstück liegt im Landschaftsschutzgebiet des „Leipziger Auwaldes“ (nördlicher Teil mit ca. 75 % der Fläche). Da führt kein Weg rein: Es darf nicht bebaut werden.

Und dann ist da noch die auf dem Hochdamm angrenzende B2. Sie führt zu einem dauerhaften Straßenlärm. „Der schalltechnische Orientierungswert liegt für Mischgebiete bei 60 dB am Tag und wird aufgrund der erhöhten Lage der Straße erheblich überschritten“, stellt das Sozialdezernat fest. Man müsste also eine Schule mit schalldichten Fenstern bauen, die auch nicht geöffnet werden dürften.

„Aus den genannten Gründen wird eingeschätzt, dass eine schulische Nutzung auf dem benannten Grundstück nicht möglich ist“, erteilt das Sozialamt dem CDU-Antrag einen folgerichtig ablehnenden Bescheid. Nur am Sportplatz wird sich noch etwas tun: „Eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Sportanlage Teichstraße wird unabhängig von der Entwicklung eines Schulstandortes erfolgen. Im Zuge einer Neuverpachtung soll ein Entwicklungskonzept mit konkreten Schritten für die Ertüchtigung der Sportstätte abgefordert werden. In diesem Rahmen ist auch eine Schulsportnutzung zu prüfen.“

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