Plagwitz verändert sich: Das Westwerk in der Metamorphose

Für alle LeserEs hatte immer wieder leise angeklungen, schon im Oktober 2016 gab es erste Gerüchte rings um das Westwerk Leipzig. In privater Hand befindlich, deuteten sich neue Ideen des Besitzers an: es roch nach Geld verdienen, wo sich bislang eine muntere Szene preiswert tummelte. Doch die Zeit der ersten Erschließungen und Ansiedlungen geht offenkundig dem Ende entgegen. Nachdem es bereits bei der Ansiedlung eines weiteren REWE auf dem Gelände des Felsenkellers rumorte, ist nun von einem weiteren Markt und neuen Nutzungen im Westwerk die Rede. Plagwitz verändert sein Gesicht.
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Und das schon länger. Dass die Mieten in den vergangenen Jahren im Viertel rings um die Karl-Heine-Straße stiegen und steigen, ist längst eine Binsenweisheit. Dass sich die Veranstaltung „Westbesuch“ zur Erneuerung an den Plagwitzer Bürgerbahnhof „zurückzog“, bereits Geschichte. Und dass am Westwerk schon mal das Dach „davonfliegen“ kann auch. Nun jedoch soll nach ersten Informationen die Heimat vieler Initiativen, kleiner Firmen und Vereine durch den Besitzer Corpure GmbH & Co. KG weit strikter vermarktet werden als bislang, erste Entmietungen sind im Gange.

Eine Initiative jedenfalls ist wachgeworden und ruft zur Demonstration und zum Diskussionsabend. In ihrem Aufruf schreiben die Aktivisten: „Das Westwerk ist ein wichtiger Ort für viele Menschen im Leipziger Westen. Hier gehen wir am Wochenende tanzen, machen Kunst, schauen uns Ausstellungen und Filme an. Von hier beziehen einige ihr Internet, Rat und Reparatur bei Computerproblemen und trainieren Selbstverteidigung in FLTI-Gruppen. Kurz: ein Ort von selbstorganisierter Kunst und Kultur.“

Somit sei das Westwerk für viele „ein symbolischer Ort für einen unkommerziellen, kreativen und auch subversiven Charakter, den Leipzig zunehmend einbüßt.“

Neben dem Felsenkeller und der Schaubühne Lindenfels ist das Westwerk ein Erschließungsort für Kultur und Leben im gesamten Viertel. Foto: L-IZ.de

Neben dem Felsenkeller und der Schaubühne Lindenfels ist das Westwerk ein Erschließungsort für Kultur und Leben im gesamten Viertel. Foto: L-IZ.de

Konkret fühlten sich nach einer auch der L-IZ.de bekannten drastischen Nebenkostenerhöhung (teils um 100 Prozent und mehr) nun der „Hackerspace SubLab und andere Mietparteien … um ihre Räumlichkeiten bedroht. Darüber hinaus ist im Gespräch dass der Supermarkt `Konsum` ins Westwerk einzieht. Der Bauwagen-Späti auf dem Parkplatz soll einem Parkhaus weichen.“

Offenbar ein weiterer Schritt hin zur kommerziellen Ausgestaltung entlang einer Straße, an welcher sich vor rund 10 Jahren vor allem kleine Läden und Gastronomien versuchen konnten.

Langer Anlauf

Bereits Ende letzten Jahres hatten immer wieder Gerüchte um die Ansiedlung eines weiteren Einkaufsmarktes im Westwerk die Runde gemacht. Zudem sei mittlerweile „eine gesamte Etage gekündigt“ worden, dabei habe auch der Kunstraum Westpol seine Heimat verloren. Laut der Initiative sei nun ein „kommerzieller Billiardclub“ geplant, der Markt soll ausserdem kommen.

In einem sich rasch in den sozialen Netzwerken verbreitenden Netz-Aufruf heißt es nun: „Wir, Bewohner*innen des Leipziger Westens und Nutzer*innen des Westwerks verstehen das als einen Angriff auf einen wichtigen Ort unseres kulturellen Lebens. Wir wehren uns gegen den zunehmenden Ausverkauf unserer Freiräume und des Kiezes. Deshalb organisieren wir uns jetzt und leisten Widerstand!“

Dazu laden die Initiatoren „zu einem Vortrag und Diskussion am 05.02. ins Westwerk ein“. Am 11.02. soll es nach den ersten Informationen eine Demonstration im Viertel geben, genauere Informationen dazu soll es auf der derzeit noch eilig hingeworfenen Internetseite geben. Wer die Initiatoren alles sind, ist noch unbekannt. Doch ein klassischer Streit zwischen privaten und öffentliche Vorstellungen zur Nutzung alter Industriekultur im Stadtteil Plagwitz könnte ins Haus stehen.

Wie es weiterging lesen Sie hier auf L-IZ.de.

Zur Seite der noch anonymen Initiative im Netz

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